Mit Theaterpremiere beginnt die Tourismussaison 2014
Mit Kalter Ente ins Museumstheater
In Bendorf begeisterten Stephanie Geifes und Heike Kamp mit dem Stück „Kaiser, Krupp & Konsumläden“
Bendorf. Schon mal Kalte Ente probiert? Nein, kein kaltes Entenfleisch, sondern eine wohlschmeckende Bowle, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts in der gut betuchten Gesellschaft der Hit war. Heute muss man, um den erfrischenden Mix aus Wein, Sekt, Zitronenschale und Zucker zu genießen, keineswegs gut betucht sein. Denn im Bendorfer Eisenkunstguss-Museum gab es Kalte Ente vor der Aufführung des neuen Theaterstücks „Kaiser, Krupp & Konsumläden“ sogar gratis. Schließlich war die Theaterpremiere der Start der Tourismussaison 2014.
Natürlich hatte das von Stephanie Geifes und Heike Kamp selbst geschriebene und gespielte Stück auch etwas mit Kalter Ente zu tun. Denn bei der bekannten Essener Unternehmerfamilie Krupp wurde Kalte Ente sehr gerne getrunken. Und um die Krupps ging es in dem Stück auch, denn zur Firma „Fried. Krupp Essen“ gehörten Industriebetriebe wie die Sayner Hütte mit Mülhofener Hütte, die Grube Vierwinde in Bendorf und weitere Erzgruben im Westerwald, aber auch soziale Einrichtungen wie das „Krupp´sche Logierhaus“ und ein Jagdschlösschen im Sayntal.
Im Luftkurort Sayn wartet 1913 die gnädige Frau (Stephanie Geifes), die stets ihren riesigen weißen Hut trägt, gespannt auf das Eintreffen ihres emsigen Hausmädchens Mariechen (Heike Kamp). Das muss ausgerechnet am silbernen Regierungsjubiläum des so genannten „Friedenskaisers“ Wilhelm II. auf dem Jagdschlösschen Sayneck bei der Unternehmerfamilie Krupp aushelfen. Das ist sehr ungünstig, weil auch die gnädige Frau hohen Besuch erwartet, was sie aber nicht daran hindert, Mariechen über die Unternehmerfamilie auszufragen, schließlich ist Berta Krupp ihre Freundin und über die ist ja alles interessant.
Aber: „Lass mir nicht zu Ohren kommen, dass Du schmutzige Wäsche wäschst und bei der Köchin über uns tratschst. Das möchte ich auf keinen Fall“, mahnt die gnädige Frau ihr Hausmädchen.
Dann geht es noch um die Kriegsflotte, für deren Finanzierung der Kaiser eine Sektsteuer von drei Mark je nach Flasche eingeführt hatte. Heute gibt es die Sektsteuer mit etwas mehr als einem Euro pro Flasche immer noch und der Fiskus kassiert so rund 500 Millionen Euro pro Jahr. Von der Kriegsflotte kommen die beiden Protagonistinnen auf die damals so beliebten Matrosenanzügen, die Mariechen ja schon sehr schön findet: „Wenn mer nit so en Schaff mit de Weschrei damit hät“. Die gnädige Frau aber kontert: „Dafür hast Du doch jetzt das neue Waschmittel Persil. Das kannst Du im Konsumladen erstehen, da dürfen nur Werksangehörige verbilligt einkaufen, der befindet sich unter dem Dach des kruppschen Erholungsheims, wie praktisch…“.
Zum Schluss gibt es dann große Aufregung im Haus der gnädigen Frau, hat sie doch die Pickelhaube eines Gendarms entdeckt. Ihr schwante bei ihrem Hausmädchen Unmoralisches. Schließlich gibt Mariechen zu, dass der Gendarm noch immer im Haus sei, weil die gnädige Frau in der Straßenbahn nach Koblenz gegen die „Hutnadelschutzverordnung“ verstoßen und dadurch fast einen anderen Fahrgast verletzt hätte. Schnell hat die gnädige Frau im Publikum den Gendarmen (Herbert Speyerer, Vorsitzender der FPD-Stadtratsfraktion) gefunden, ihm die Pickelhaube aufgesetzt und sich von ihm abführen lassen.Welch riesige Textmengen und Infos aus dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts die beiden Laienschauspielerinnen im Museumstheater bewältigten, ist einfach erstaunlich. Für ihre Recherchen, meist im Archiv in Rommersdorf, haben sie fast ein Jahr gebraucht. Unterstützt wurden die Aufführungen vom Förderkreis Rheinisches Eisenkunstguss-Museum, denn Stephanie Geifes ist hier Vorsitzende. Jedenfalls spendete in den beiden Museumsräumen das Publikum stehend Beifall für die beiden Schauspielerinnen und bedankten sich noch persönlich durch Händedruck. Und wer noch etwas in der Kaiserzeit bleiben wollte, konnte dies noch bei einem Glas Kalte Ente, kredenzt von Museumsleiterin Barbara Friedhofen, die völlig angetan war von dem Erfolg dieses Theaterstücks.
Museumsleiterin Barbara Friedhofen kredenzte den Theaterbesuchern Kalte Ente.