Dozentenkonzert der Kreismusikschule Mayen-Koblenz in der ehemaligen Synagoge Müstermaifeld
Nicht nur Lehrer, sondern auch Künstler
Münstermaifeld. Die Sonne meinte es gut - vielleicht ein wenig zu gut für die Musikerinnen und Musiker, die an diesem Tag ein anspruchsvolles und spannendes Programm präsentierten. Der Förderverein der ehemaligen Synagoge Münstermaifeld hatte kalte Getränke bereitgestellt. Die vielen Zuhörer - es waren wesentlich mehr gekommen, als erwartet - freuten sich, bestens versorgt, auf ein abwechslungsreiches, interessantes Konzert.
Im ersten Teil boten Wolfgang Dey, Ulrike Friedrich-Nickenig und Mona Raab Werke des französischen Barocks für Blockflöte, Fagott und Traversflöte. Nach einer mehrsätzigen Suite von Louis-Antoine Dornel für alle drei Instrumente trug jeder der Künstler, alle Lehrkräfte an der Kreismusikschule, eine Solokomposition für sein Instrument vor. Die erste Solistin war Mona Raab mit einem Werk des Flötenkomponisten Jacques-Martin Hotteterre, sehr ausdrucksvoll gespielt auf der Blockflöte. Der Bezug zu französischer Musik war auch bei dem Stück von Georg Philipp Telemann gegeben: eine Fantasia alla francese, also „im französischen Stil“, virtuos vorgetragen von Wolfgang Dey auf der Blockflöte, der als ausgewiesener Spezialist für Alte Musik die Kompositionen fachkundig und ansprechend erläuterte. So erfuhren die Zuhörer beispielsweise, dass die zahlreichen Verzierungen, deren Ausführung meist dem Spieler überlassen wird, in diesen Werken genauestens notiert sind - eine spieltechnische und musikalische Herausforderung für einen Musiker. Das zauberhafte „Rossignol en amour“, die verliebte Nachtigall, für Traversflöte, ist eine in der Barockzeit beliebte Darstellung der Affekte, wie die Liebe und die Beschreibung der Natur mit dem Gesang der Vögel, souverän vorgetragen von Ulrike Friedrich-Nickenig. Der erste Teil endete mit einer Komposition von Johann Joachim Quantz, dem wichtigsten deutschen Flötenvirtuosen seiner Zeit. Seine Werke verbanden italienische und französische Elemente - im „gemischten Geschmack“ vollendete sich für Quantz das Beste der beiden musikalisch bedeutendsten Nationen. Mit seiner Sonate „a tre“ traten die drei Musiker noch einmal gemeinsam auf.
Nach der anfänglichen Begrüßung und Einstimmung des Publikums durch Ulrike Elz-Eichler, der Fördervereinsvorsitzenden, begrüßte auch der Bürgermeister der VG Maifeld Maximilian Mumm die Anwesenden, darunter die Stadtbürgermeisterin von Müns-termaifeld, Claudia Schneider. Die neue Leiterin der Kreismusikschule, Dr. Monika Burzik, richtete herzliche Grüße von Verbandsvorsteher und Bürgermeister der VG Pellenz Klaus Bell aus, der terminlich verhindert war.
Wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens
Konzerte der Kreismusikschule sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens im Landkreis. Die regelmäßigen Schüler- und Klassenvorspiele belegen die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrkräfte, die hier aber auch als Künstler und Musiker in beeindruckender Weise ihre große stilistische Bandbreite zeigen konnten - von Alter Musik bis zu folkloristisch geprägter Klezmer-Musik - auch das fließt in ihre Arbeit mit dem Nachwuchs ein.
Und mit Klezmer-Musik ging es im zweiten Teil weiter. Michael Misterek, Zweigstellenleiter und Gitar-renlehrer der Kreismusikschule Mayen-Koblenz im Maifeld, der mit seiner Gruppe Easy Goin‘ sich unter anderem der Klezmer-Musik widmet, hatte die Idee, diese Musik in der geschichtsträchtigen Synagoge zu Gehör zu bringen. Das um die Dozenten Sybille Winker, Trompete, und Johannes Solluch, Violine, erweiterte siebenköpfige Ensemble spielte Musik, die vor allem bei jüdischen Hochzeitsfeiern mit ihrer Kommunikationsfreude den Geist des Judentums widerspiegelt. Klezmer ist die Musik der osteuropäischen Juden. Ihre Ursprünge liegen in der Ukraine, in Galizien, der Landschaft der heutigen Westukraine, Südpolen und Rumänien. Durch Migration gelangte diese Musik nach Westeuropa, Amerika und Israel. Gleich die ersten Takte des Konzertes zeigten, dass die Musik sehr schwungvoll ist und die Zuhörer dabei kaum ruhig sitzen konnten. Die Gruppe Easy Goin‘, die seit 18 Jahren zusammen musiziert, zeigte sich als hervorragend eingespieltes Ensemble. Die Rhythmusgruppe mit Walter Rick, Percussion, Alfred Weigang, Kontrabass, Rolf Schmiedel, Mandoline, und Michael Misterek, Gitarre, bildeten ein sicheres Fundament für die Instrumente Sopransaxophon und Blockflöte, die von Gunther Hellwig mit viel Esprit gespielt wurden und mit Violine und Trompete in besonderer Weise korrespondierte. Ob es der "Segenswunsch Maseltov", die schnellen Tänze "Bulgar from Odessa", "Sammy’s Freylach oder Freylach from Warsaw" war, die Musiker überzeugten in jeder Beziehung und heizten dem Publikum mächtig ein und erweckte die Vorstellung einer aufregenden, exotischen musikalischen Welt. Die getragenen, melancholischen Stücke wie "Street Melody" und "Kandels Hora" von Harry Kandel (1885 1943) wurden mit viel Emotionen vorgetragen und ließ manchen Besucher innehalten.
Die 1885/1886 errichtete Synagoge wurde 1938 während der Novemberpogrome verwüstet, ist aber nach 15 jähriger Bau- und Renovierungsarbeit im Jahre 2013 eine würdige Erinnerungsstätte geworden. Sich mit der jüdischen Kultur auseinanderzusetzen, hilft die Erinnerung aufrecht zu erhalten. Die Zuhörer entließen die Musiker nicht, ohne frenetisch eine Zugabe zu fordern. Mit dem Stück „Eine Nacht im Garten Eden“ endete das Konzert. Frau Elz-Eichler, die Vorsitzende des Vereines Ehemalige Synagoge dankte den Akteuren der Kreismusikschule und hofft auf eine Neuauflage im nächsten Jahr.
