Politik | 25.08.2015

Café International der Paul e.V., Bendorf

„Wo Flüchtlinge über ihr Leben und ihre Träume sprechen"

Das Café läuft gut an und möchte „neue Flüchtlinge“ ansprechen

Die Verantwortlichen des Café International in Bendorf mit Gästen. privat

Bendorf. „Anwältin möchte ich werden - und dann Flüchtlingen helfen.“ Diana sagt das ganz selbstbewusst - und auf perfektem Deutsch. Das Mädchen mit den großen dunklen Augen und den braunen Locken ist elf Jahre alt, kommt aus Armenien und sitzt an diesem sonnigen Augusttag an einer Kaffeetafel im Städtchen Bendorf am Rhein. Mit ihrer Mutter Vergine Davtyan ist Diana heute zum dritten Mal zum Café International gekommen - ein Angebot der Pfarreiengemeinschaft Bendorf und des gemeinnützigen Vereins Paul (Projekt Arbeit und Lernen). Seit 5. August sind Flüchtlinge und Einheimische eingeladen, mittwochs ab 14.30 Uhr in die Räume von Paul e.V. an der Ringstraße zu kommen, sich kennenzulernen, auszutauschen oder gemeinsame Aktionen zu planen.

Ein freundlicher Raum in hellen Farben mit Balkon, auf dem gemütliche Möbel zum Verweilen einladen: Das Ganze wirkt wie ein Wohnzimmer, in dem Freunde und Bekannte auf einen Plausch zusammengekommen sind. Genau das ist das Konzept, erklärt Diakon Christoph Zell, der das Café mit initiiert hat. „Wir wollten einen Platz schaffen, an dem die Leute ganz ungezwungen miteinander in Kontakt kommen und die Flüchtlinge so die deutsche Sprache besser lernen können.“ In Bendorf laufe die Zusammenarbeit zwischen Stadt, privaten Initiativen und den beiden Kirchen in der Flüchtlingsarbeit sehr gut. Schon früh sei an einem der runden Tische die Idee für einen solchen Treffpunkt entstanden. Der Bedarf ist da: Wie überall ist auch in Bendorf die Zahl der Flüchtlinge von 66 im letzten Jahr auf 130 in diesem Jahr gestiegen. „Oft verhindert die Sprachbarriere und die damit verbundene Unsicherheit die Kontaktaufnahme mit Deutschen“, erklärt Erika Birk, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Bendorf. Gemeinsam mit Martina Hünermann und Regina Moog von Paul e.V. freut sie sich, dass das Café bisher so gut ankommt. Die Räume seien nur morgens gebraucht worden, sagt Moog, „sodass wir angeboten haben, sie nachmittags für das Café zu öffnen“. Sonst werden hier bei Paul e.V. arbeitslose junge Erwachsene beim Einstieg in das Berufsleben unterstützt und beraten.

Heute sind im Café vor allem Frauen aus Armenien, Russland und Tschetschenien. Zwischendurch schauen auch zwei syrische Männer vorbei. Für Vergine Davtyan ist das Café die Chance, endlich besser Deutsch zu lernen. Nachdem ihr Mann sie verlassen hatte, floh sie mit ihrer Tochter erst nach Russland. „Dort konnten wir uns kein Leben aufbauen und hatten als Flüchtlinge überhaupt keine Perspektive“, sagt die 47-Jährige. Tochter Diana muss immer wieder beim Übersetzen helfen, denn obwohl beide seit drei Jahren hier leben, hat ihre Mutter als Geduldete kein Recht auf einen offiziellen Sprach- und Integrationskurs. Diana hingegen hat als schulpflichtige Minderjährige die Medardus-Grundschule besucht und spricht jetzt akzentfrei Deutsch. „Sie spielt auch Tennis, sehr gut“, sagt Vergine mit stolzem Blick auf die Tochter. Wie den beiden geht es hier am Tisch vielen: Seit Jahren geduldet, dürfen sie nicht arbeiten, mangelt es ihnen immer noch an Sprachkenntnissen, während ihre Kinder schon gut integriert sind. So ist es auch bei einem anderen Mutter-Tochter-Gespann am Tisch. Die 19-Jährige Haykohe Chalikyan kam mit ihren Eltern vor zwei Jahren hierher - auch sie wurden als armenische Flüchtlinge in Russland diskriminiert. Sie sei so gut wie nie aus dem Haus gegangen, habe kaum Freunde gehabt. Hier habe sich das schlagartig geändert. Sie besucht seit zwei Jahren die Julius-Wegener-Schule in Koblenz, lernte dort Deutsch, vor allem durch Zuhören und Nachfragen. „Inzwischen habe ich hier richtig viele Freunde, auch im Jugendkeller der evangelischen Kirche bin ich regelmäßig.“ Haykohe würde gerne eine Ausbildung im Sozialbereich machen, später vielleicht selbst mit Flüchtlingen arbeiten. Von ihrem Traum kann sie auf Deutsch erzählen, anders als ihre Eltern. Für die ist das Café International deshalb mehr als nur eine gemütliche Kaffeerunde. Es ist eine Tür zur Sprache und damit zu deutschen Kontakten, zur Teilhabe an Kultur und Gesellschaft. Geöffnet hat das Café immer mittwochs von 14.30 bis 17 Uhr, Ringstr. 48, Bendorf.

Pressemitteilung

der BischöflichenPressestelle Trier, Redaktion Koblenz

Die Verantwortlichen des Café International in Bendorf mit Gästen. Foto: privat

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