Allgemeine Berichte | 29.07.2021

Heimatverein Rheinbreitbach

140 Jahre Grundschule

Im August 1881 wurde das erste Gebäude am heutigen Schulstandort eröffnet

Die alte Schule in Rheinbreitbach. Quelle: Heimatverein Rheinbreitbach

Rheinbreitbach. Es war der 10 August 1881. Ein Jahr ist vergangen, seitdem der Schulamtsaspirant Johann Voos den Grundstein für die neue Grundschule an der heutigen Schulstraße gelegt hat. Zügig hatten die Arbeiter einen Backstein auf den anderen gemauert. Dringend war die Fertigstellung des neuen Schulgebäudes mit Lehrerwohnung, da die alten Räumlichkeiten am Kirchplatz schon längst zu klein für die Vielzahl an Schülern war und auch nicht den neuesten Schul- und Hygieneverordnungen mehr entsprachen.

Nun ein Jahr später strahlte der neue Backsteinbau in der hellen Morgensonne. Bunte Flaggen des Kaiserreichs und der Ortsgemeinde zierten das Gebäude. Der Bau war nach den neuesten Vorschriften des preußischen Staates bzw. des deutschen Kaiserreichs errichtet worden. Vor allem die Belüftung der Räumlichkeiten durch große Fenster sowie ein ausgeklügeltes Luftzirkulationssystem in den Treppen sollte die Tuberkulose und andere Atemwegserkrankungen bei den Kindern zurückhalten. Die Einweihung des Schulhauses begann mit einer Messe in der Kirche St. Maria Magdalena, um Gottessegen für die neue Bildungsstätte einzuholen. Denn Kirche und die Unterrichtung der Kinder waren zum damaligen Zeitpunkt trotz des Staatsgesetzes von 1872 zur Ernennung von beamteten und ehrenamtlichen Schulaufsichtspersonales noch eng miteinander verflochten. Zwar hatte der deutsche Staat das Monopol auf die Ausbildung der Lehrer, doch hatten die örtlichen Pfarrer als Schulinspektoren Einfluss darauf, wer z.B. als Lehrer eingestellt wurde und wer nicht. Auch legten sie einen strengen Fokus im Unterricht auf eine christliche und tugendhafte Erziehung im Sinne Jesu Christi.

Nach Beendigung der Hochmesse zog die Schuljugend mit Lehrerschaft, Schulvorstand und Mitglieder des Gemeinderates zum neuen Schulhaus. Dort wurden sie vom Kreisschulinspektor Rassmann, dem Bürgermeister von Altrock und dem Kreisbaumeister Hermans empfangen. Die Masse der Zuschauer war dabei so groß, dass manche nur draußen einen Stehplatz fanden, um den Feierlichkeiten innen zu folgen. Nachdem die Kinder mit dem Lied „Großer Gott wir loben dich“ die Feierlichkeiten begonnen hatten, wurde das Gebäude von dem Kreisbauinspekteur Hermans feierlich abgenommen, bevor der Bürgermeister von Altrock eine ergreifende Rede über die Wichtigkeit und Dringlichkeit des neuen Schulbaues hielt. Lange Zeit hatte die Gemeinde kein Geld für den Schulneubau zur Verfügung und musste dafür tief in die Tasche greifen. Denn damals wie heute musste nämlich die Kommune als Schulträger das Schulhaus finanzieren und bauen. Nur durch die Unterstützung der königlichen Staatsregierung, die das gesamte Schulmobiliar geschenkt hat, war es überhaupt möglich gewesen diese Schule zu bauen und einzurichten. Diese Unterstützung passte ganz in die bildungspolitische Weisungsrichtlinie des Kaiserreichs, in dem das normale Volk gebildet und als gute deutsche Untertanen unter dem Slogan „Mit Gott für König und Vaterland“ geformt werden sollte. Die Sicherung der sozialen Disziplin sowie der politischen Loyalität gegenüber dem Kaiserreich standen hierbei im Fokus der Schulpolitik für die normale „Volksschule“. Hierzu stellte das Kaiserreich zahlreiche Geldmittel zur Verfügung, die zum vermehrten Bau von neuen Schulen führten, wovon auch Rheinbreitbach profitierte.

Dankend erwähnte Altrock in seiner Rede auch die Bemühungen aller Beteiligten wie dem Landrat und dem Kreisschulinspektor bevor Pfarrer Gillissen seine Rede hielt. Er ließ die Schulverhältnisse ab 1740 Revue passieren, in welchen die Kinder in einer Klasse unterrichtet wurden bevor sie auf die damalige Größe von 4 Klassenstufen mit je einem Klassenlehrer angewachsen sei. Das alte Schulgebäude lag dabei auf dem Vorplatz der Kirche. Die Kinder und Jugendlichen könnten sich nun besser in den neuen Räumlichkeiten an der heutigen Schulstraße ganz den Kenntnissen widmen, die sie für ihr häusliches, bürgerliches und staatliches Leben benötigen würden.

Besonderes Augenmerk legte er vor allem auf die religiöse Bildung, die die Kinder auf das himmlische Reich vorbereiten würden und an deren Ausbildung Lehrer und Eltern als pflichttreue Diener der Kirche mitarbeiten sollten. „Möge die neue Schule als eine Pflanzstätte der Bildung lange gedeihen und blühen zum Wohle der Gemeinde, der Menschheit, des Staates und der Kirche.“, so Pfarrer Gillissen.

Nachdem das Schulgebäude mit diesen letzten Worten seinem Betrieb übergeben worden waren und der Tag mit zahlreichen Liedern seinen Abschluss fand, beherbergte das rote Backsteingebäude über ein Jahrhundert zahlreiche Schülergenerationen in seinen Mauern. Es überstand den 1. und 2. Weltkrieg weitgehend unbeschadet und wurde in der Zeit der Reformpädagogik mit breiteren Fenstern ausgestattet, um mehr Licht in die Klassenräume zu lassen. Zahlreiche Um- und Erweiterungsbauten folgten aufgrund der steigenden Schülerzahlen in der Zeit als Bonn Bundeshauptstadt war und zahlreiche Beamte nach Rheinbreitbach zogen. Im Jahre 1981 stand das Schulgebäude noch einmal zum 100-jährigen Jubiläum im Mittelpunkt des Geschehens. Doch mit zunehmendem Alter und der Verschärfung der Brandschutzvorschriften, konnte das alte Schulgebäude, welches noch eine Holztreppe besaß, nicht zukunftsfähig gemacht werden.

Aus diesem Grund beschloss der Gemeinderat von Rheinbreitbach Ende des 20. Jahrhunderts das alte Backsteingebäude von 1881 abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Teile der Steine wurden dabei in die heutige Fassade am Eingang der Gebrüder Grimm Grundschule integriert. Erst später wurde die heutige Mensa in Klinkeroptik an die Stelle der einstigen Volksschule von Rheinbreitbach gesetzt. Heute erinnern lediglich noch der Schulstandort sowie einige Backsteine an das einstige Schulgebäude, welches vor 140 Jahren als modernes Schulhaus dort errichtet worden war.

Die alte Schule in Rheinbreitbach. Quelle: Heimatverein Rheinbreitbach

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