Allgemeine Berichte | 04.06.2019

Brohler Kulturvereins organisiert zum Geburtstag eine sehenswerte Gemälde- und Foto-Ausstellung

150 Jahre Brohler Hafen

Sie stellten die Ausstellung auf die Beine: Helmut Rosenbaum(v. l.), Hiltrud Krahforst, Dieter Reuter, Barbara Krebs-Haupt, Franz-JosefDöpgen, Sabine Rosenbaum und Klaus-Peter Püschel (nicht im Bild). Fotos: -HG-

Brohl-Lützing. Ein großer Bildschirm mit Dia-Funktion, zahlreiche Ansichten vom alten Brohl, verschwundenen Gasthäusern mit so klangvollen Namen wie „Zum goldenen Stern“, Wohngebäuden und Menschen zogen das Auge an im Rathaus Brohl-Lützing. Vor allem aber wurde es immer wieder auf den Hafen gelenkt, blickt er doch inzwischen auf 150 Jahre zurück, ein Umstand, der gefeiert werden muss.

Der Brohler Hafen, heute ein Betriebsstandort des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen und vor allem Freizeithafen, war in der Vergangenheit ungleich bedeutender. 1868/69 wurde er an einer Bucht nahe des Brohler Ortsteils Nippes ausgebaut. So konnten die Rohstoffe des Brohltals, Tuff, Trass und Basalt, in weit größerem Maße als zuvor verladen werden. Steinmetze und Treidler, Steinhändler, Fuhrunternehmer – vielen Berufszweigen und Hilfsarbeitern verschaffte der Hafen ein Auskommen. Wie schon vorher die Bucht, bot sich der Hafen den Schiffen auch als Notliegeplatz bei Hochwasser und Eisgang an. Damit größere Dampfschiffe fahren konnten, baggerte man die Fahrrinne aus und schüttete mit dem Kies aus der Bucht und dem Brohler Grund den Damm des Brohler Hafens auf. Im Jahr 1901 wurde der Hafen an die Brohltal-Eisenbahn angeschlossen. Auch der „Brohler Mineralbrunnen“ schuf eine Verladeeinrichtung. Ort und Hafen erlebten einen großen Aufschwung, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg wiederholte. Damals wurden Kräne und Verladeanlagen gebaut.

Aufruf gelohnt

Zum 150. Geburtstag der Hafenerbauung hat der Brohler Kulturverein eine sehenswerte Ausstellung auf die Beine gestellt, um seinen Beitrag zu leisten, die Anlage des Hafens würdigend hervorzuheben.

Dem Ausschuss für das Vorhaben gehörten an Beisitzerin Sabine Rosenbaum, Bootswart Franz-Josef Döpgen, Geschäftsführer Dieter Reuter Vorsitzender Helmut Rosenbaum sowie die Mitglieder Hiltrud Krahforst und Barbara Krebs-Haupt. Unterstützung erfuhren sie durch den Maler Klaus-Peter Püschel, der auch einen künstlerischen Beitrag lieferte. Leider war der am Wochenende gezeigten Präsentation, eingeleitet mit der Eröffnung am Freitag, nur diese kurze Ausstellungsdauer beschieden. Maßgeblich fußte sie auf Gemälden und Fotos. Vor einem guten Jahr beschloss der Verein die Geburtstagsausstellung und ging im vergangenen halben Jahr in die Vollen. „Ich war geplättet, wie viel zusammenkommt“, sagt Hiltrud Krahforst zur Resonanz auf den Aufruf in der Bevölkerung. Gestaunt haben auch die Besucher über die Fülle. Im Flur stießen sie bereits auf dicht behängte Stellwände mit Bildern in Öl, Acryl und Aquarell und damit auf den Hafen, mal idyllisch, mal sehr sachlich einfangen, die Brohltalbahn, den Blick von der Höhe auf den Rhein, Burg Rheineck und die markante Pfarrkirche St. Johannes. Im Saal grüßten Brohl und sein Hafen dann in allen Facetten. Ansichtskarten, groß aufgezogene alte Fotos und die hervorragenden Fotografien von Baptist Schneider, die durch Peter Lüdtke aufgearbeitet und archiviert wurden, vermittelten wechselnde Impressionen durch die Zeiten.

Malerisches und Dokumentarisches

Auf einer Infowand mit Kartenmaterial und Text konnte man die Lage und Geschichte des Hafens nachvollziehen. Die Fotos dokumentierten Schlittschuhlauf auf dem Rhein, Dampferschiffe, Kräne, Baulichkeiten in Verbindung zum Hafen, Anlegestellen, Schiffe, LKW, Beladesituationen, Züge und mehr. Man konnte eintauchen in frühere Jahrzehnte. Die Aufnahmen Brohls weisen dann per Schornstein auch immer auf die Papierfabrik hin, wobei die Herstellung von Papier am Ort eine bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende Tradition aufweist. Gewiss ging es nicht wenigen Ausstellungsgästen wie Sabine Rosenbaum, der angesichts der Fotos, „erst richtig klar geworden ist, dass Brohl ein richtiger Industriestandort war und auch touristisch wichtig“. Allerdings wurde mit dem Bau der B9 anstelle der alten Provinzialstraße der Weiler Fornich mit seinen Wirtshäusern, darunter „Deutscher Hof“ zerstört.

Ausnehmend malerisch ging es natürlich in den vielen versammelten Gemälden zu, von denen die des 1965 verstorbenen Brohler Künstlers Josef Krahforst, 1947 Mitbegründer und Vorstandsmitglied der nach dem Krieg neu formierten Are-Künstlergilde, besonders hervorzuheben sind. Die Ölgemälde machen sich vielfach am Hafen fest. Wunderschön aber auch manches Aquarell, wie die luftige Komposition von der Kirmes mit Karussell. Daneben gab es Malerei von Ernst Kley, Franz Steinborn und Rosemarie Gross zu sehen, von Maria Zerwas, Karl Heinz Degen, Norbert Degen, Peter Püschel sowie von unbekannten Künstlern.

Hafenfest am Pfingstsonntag, 9. Juni

Verbunden mit dem 150. Hafengeburtstag lädt der Kulturverein auch zu seinem 13. Hafenfest für Pfingstsonntag, 9. Juni, ab 11 Uhr in die Brohler Rheinanlagen ein. Unter Bewährtem ist der Auftritt des 1. Kölner Shanty-Chores. Die Besucher erwartet auch auf dem Hafen und um den Hafen herum ein Rahmenprogramm, unter Beteiligung der Ortsvereine und des Wasser- und Schifffahrtsamtes (Hafenfahrten). Auch der Vulkanexpress wird vor Ort sein. Unter http://www.kulturverein-brohl.de/2019/05/23/pfingstsonntag-hafenkonzert-u-v-m/ finden Interessierte ausführliche Infos.

HG

Das Hafenmotiv, ob gemalt oder in Fotos,wie diesen von Baptist Schneider, war allenthalben anzutreffen.

Das Hafenmotiv, ob gemalt oder in Fotos, wie diesen von Baptist Schneider, war allenthalben anzutreffen.

Den 1898 verschickten Gruß von Brohl am Rhein zierenMax Mittlers Gasthof mit Garten, Burg Rheineck undeine einladende Ortsansicht samt dem Strom.

Den 1898 verschickten Gruß von Brohl am Rhein zieren Max Mittlers Gasthof mit Garten, Burg Rheineck und eine einladende Ortsansicht samt dem Strom.

Josef Krahforst malte dieses Selbstportrait 1945 in der Kriegsgefangenschaft in La Rochelle.

Josef Krahforst malte dieses Selbstportrait 1945 in der Kriegsgefangenschaft in La Rochelle.

Sie stellten die Ausstellung auf die Beine: Helmut Rosenbaum (v. l.), Hiltrud Krahforst, Dieter Reuter, Barbara Krebs-Haupt, Franz-Josef Döpgen, Sabine Rosenbaum und Klaus-Peter Püschel (nicht im Bild). Fotos: -HG-

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