Die Big Band Georg Wolf macht weiter!
20-köpfige Formation wurde bei Konzert in Großmaischeid begeistert gefeiert
Erlös geht an die Tafel Dierdorf/Puderbach
Großmaischeid. Der Name bürgt immer noch für Qualität und zieht die Menschen an: Der Vorverkauf für das Konzert der Big Band Georg Wolf in der katholischen Kirche in Großmaischeid hatte noch nicht richtig begonnen, da waren schon alle Eintrittskarten vergriffen. 350 Besucher gönnten sich den Genuss eines musikalischen Abends voller Höhepunkte aus einer mehr als dreißigjährigen Bühnenzeit dieser Formation, die längste Zeit davon unter der Leitung ihres 2015 viel zu früh verstorbenen Gründers Georg Wolf. Bereichert wurde das zweistündige Programm durch den Männergesangverein Dernbach, der es verstand, sowohl mit klassischen Chorstücken wie auch Titeln aus der Rockmusik die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Eigentlich hatte die Big Band Georg Wolf im Herbst 2015, nach dem Tod ihres langjährigen Leiters, bereits ihr Abschiedskonzert gegeben. Aber wie sagte Harald Stein, einer der Mitgründer der Formation, so schön im Rahmen seiner Moderation: „Wir spielen heute noch fast in derselben Besetzung wie vor 35 Jahren. Wenn man über einen so langen Zeitraum zusammen Musik macht, dann schweißt das zusammen und ist ein Zeichen guten Zusammenhalts. Das hat uns die Entscheidung leicht gemacht zu sagen: Wir spielen weiter und wollen noch das eine oder andere Konzert geben!“
Big Band feierte Premiere in der katholischen Kirche
Der Auftritt in der katholischen Kirche von Großmaischeid war eine Premiere und stellte die Big Band vor große akustische Herausforderungen. Der aktuelle musikalische Leiter der Formation, Alexander Reffgen, sagte im Gespräch mit „BLICK aktuell“: „Wir haben noch einen Tag vor dem Konzert intensiv an der Akustik gearbeitet. Ursprünglich hatten wir gedacht, ohne Verstärker zu arbeiten, aber das ging dann leider doch nicht.“ Deshalb sprach Harald Stein in seiner Vorstellung der Musiker auch gezielt Wendelin Schmidt ein großes Lob aus, der am Mischpult alle Hände voll zu tun hatte. 20 Musiker gehören der Big Band an, darunter auch Christine Wolf, die Ehefrau des Bandgründers. Seit 1981 gibt es die Truppe. Mit der Zielsetzung, bedürftigen Menschen zu helfen, schlossen sich 20 Musiker aus zwölf verschiedenen Tanzkapellen zu einer Big-Band zusammen. Ihre ersten Konzerte waren so erfolgreich, dass man eine feste Institution aus dem Projekt werden ließ. Die gab in regelmäßigen Abständen Konzertreihen für soziale Zwecke. Aber auch bei großen Veranstaltungen, Stadtfesten und Rundfunksendungen kann man den Musikern mit dem knackigen Sound lauschen. Auch mit dem aktuellen Konzert in Großmaischeid bleibt die Big Band Georg Wolf ihrem Ursprungsgeist treu: Die Einnahmen des aktuellen Konzerts sollen, so verkündete es Harald Stein vor den 350 Besuchern, der Tafel Dierdorf/Puderbach gespendet werden.
Viele Stilrichtungen wurden gekonnt interpretiert
Das Repertoire der Big Band wird durch die Vielseitigkeit der einzelnen Mitglieder geprägt. Vom Dixieland über Swing und Jazz bis zum modernen Big-Band-Sound werden viele Stilrichtungen gekonnt interpretiert. Natürlich kommen auch die Freunde der Tanzmusik, wie auch der Schlager- und Pop-Melodien nicht zu kurz. Für die legendären USA-Tourneen wurde noch ein kräftiger Schuss volkstümlichen Liedgutes dazugegeben. Neben James Last- und Bert Kaempfert-Klängen sorgen vor allem die Stimmen der Sängerinnen Christine Wolf und des Sängers und Gitarristen Uwe Hoff für abwechslungsreiche Unterhaltung. Beim Konzert am Sonntagabend hatte Bandmitglied Johannes Kern seinen großen Auftritt mit zwei starken Gesangssoli, dem stimmgewaltigen „My Way“ von Frank Sinatra und zum Ende hin dem Titel „Wunder gibt es immer wieder“, mit dem Katja Epstein beim Eurovision Song-Contest 1970 den dritten Platz belegte.
Nicht minder ergreifend waren Titel wie das durch Louis Armstrong bekannt gewordene „What a wonderful World“, gesungen von Uwe Hoff, oder das vom MGV Dernbach vorgetragene Stück der Rockgruppe Barclay James Harvest, „Hymn“. Mit Respekt hätte Sänger Marius Müller-Westernhagen sicher auch die Interpretation seines bekannten Titels „Freiheit“ durch den Dernbacher Männergesangverein honoriert. Sein nächstes Konzert gibt der MGV Dernbach übrigens am 11. und 12. März mit dem Titel „Hitparade“ im Haus an den Buchen im heimischen Dernbach.
Mit reichlich Blasinstrumenten - Saxophonen, Trompeten, Posaunen - mit Gitaren, Bässen, Klavier, Schlagzeug und Percussion deckt die Big Band Georg Wolf das klassische Instrumentenportfolio einer Big Band ab. Zu jedem gespielten Stück konnte Harald Stein jeweils eine kleine Episode erzählen, so auch zu dem von Georg Wolf selbst komponierten Potpurri „Swing Low“, den er während eines USA-Aufenthalts der Gruppe geschrieben hatte. Als Zugabe überraschte die Gruppe ihr Publikum mit dem schwungvoll vorgetragenen Radetzky-Marsch, zu dem aus den Zuhörerreihen heraus zu seiner eigenen Verwunderung der Stebacher Musiker Peter Kern an die Pauke geholt wurde. Mit stehendem Applaus verabschiedeten sich die Konzertbesucher am Sonntagabend von der Georg Wolf-Band, sicher in der Hoffnung, sie bald wieder zu hören. 120 Titel hat die Big Band im Standardrepertoire, erklärte Harald Stein nach dem Konzert gegenüber „BLICK aktuell“ - und noch mal so viele, die schnell einstudiert werden können. Die Stärke der Big Band sind Swing-Titel, das spielen alle am liebsten und - so Harald Stein - „am besten ist man in den Dingen, an denen man am meisten Spaß hat. Das ist für uns der Swing!“ Entstanden sei die Band aus einer Bierlaune einer handvoll Musiker um Georg Wolf, Harald Stein, Johannes Kern, Dieter Kroppach, Herbert Nöllgen, die alle in verschiedenen Formationen schon Musik machten und an einem lustigen Abend in einer Kneipe in Bonn auf die Idee kamen: „Lasst uns doch mal eine Big Band gründen!“ Auch heute noch besteht die Formation aus 20 Musikern. Geprobt wird einmal im Monat im Haus von Christine Wolf in Großmaischeid.
