Koblenzer Frauenzimmer erhält Auszeichnung
2000 Euro gehen an die Initiative
Koblenz. Eigentlich rattern hier unaufhörlich Nähmaschinen über bunte Stoffe, die mal zu Röcken oder Stramplern werden sollen. Eigentlich diskutiert die Pastoralreferentin Jutta Lehnert hier mit Interessierten über die feministischen Aspekte ausgewählter Bibelstellen. Eigentlich finden hier unterschiedliche Gruppen einen gemütlichen Rahmen für Treffen. Doch momentan steht fast alles still. Nur Einzelgespräche können derzeit unter hohen Auflagen im Frauenzimmer in der Koblenzer Altstadt (Florinspfaffengasse 2) geführt werden. Doch trotzdem gibt es Grund zur Freude: Das Projekt „Frauenzimmer“ belegt den zweiten Platz des Helmut-Simon-Preises der Diakonie in Rheinland-Pfalz. Damit verbunden sind 2000 Euro Preisgeld.
„Alle waren ganz aus dem Häuschen“, berichtet die Initiatorin Jutta Lehnert von den Reaktionen der Frauen. Aufgrund der Corona-Pandemie kann die Preisverleihung mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Malu Dreyer nicht stattfinden. Trotzdem freuen sich alle Beteiligten über die 2000 Euro. Konkrete Ideen, um dieses Geld einzusetzen, hat Jutta Lehnert bereits: Honorare für Referentinnen zu unterschiedlichen feministisch-theologischen Themen.
Das Frauenzimmer besteht offiziell seit August 2019; die Miete und die Verwaltung der Kasse übernimmt das Dekanat Koblenz. Beim Nähprojekt „Die Welt zusammennähen“ kommen unterschiedliche Kulturen und Nationalitäten zusammen. Zudem haben unterschiedliche Gruppen wie der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), die frauenpolitische Organisation „Spinnen-Netz Koblenz“ oder der Stammtisch homosexueller Frauen eine (Zweite-)Heimat gefunden. „Wir erreichen Frauen, die sonst aus unserem Blick fallen“, erklärt Jutta Lehnert. „Jede Frau und jede Frauengruppe ist willkommen!“, betont sie und räumt gleichzeitig ein. „Wir sind nicht männerfeindlich“. Doch es gebe halt einige Angebote, die nur für Frauen sind, wie beispielsweise das Nähen.
Das diakonische Konzept und die Vielfalt der insgesamt sechs Gewinner überzeugten auch den Kirchenpräsidenten der evangelischen Kirche der Pfalz und Juror, Dr. Christian Schad sowie Schirmherrin Malu Dreyer: „Sie alle begegnen Diskriminierung und Ausgrenzung mit Mut und Kreativität.“ Die Initiativen leisteten auf ganz unterschiedliche Weise einen unschätzbaren Beitrag für die soziale Gerechtigkeit in Rheinland-Pfalz, so die Ministerpräsidentin. Den ersten Platz teilen sich in diesem Jahr das Projekt „Helferkreis Kalkhofen“ und der Verein „Rückenwind – Hilfen für Angehörige Inhaftierter“ in Wittlich. Getragen wird der Verein vom Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) Diözesanverein Trier und dem Bistum Trier.
Aus dem Frauenzimmer soll Ende März der Verein „Frauenzimmer Koblenz e.V.“ werden. Die Angebote im Frauenzimmer sind grundsätzlich kostenlos. Weitere Informationen gibt es bei Jutta Lehnert unter Tel. (02 61) 20 43 90 09 oder per E-Mail an jutta.ksj@gmail.com.
Der Helmut-Simon-Preis wurde zum achten Mal an innovative ehrenamtliche Initiativen oder Institutionen verliehen, die sich für die Überwindung von Armut und sozialer Ausgrenzung einsetzen. Träger des Preises sind die Diakonie Hessen, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche der Pfalz sowie die Diakonie in Rheinland-Westfalen-Lippe. Der Preis ist bewusst nicht konfessionell gebunden. Pressemitteilung des
Bistums Trier
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