Allgemeine Berichte | 02.11.2018

Kindertrauergruppe Hospizverein Westerwald e. V.

5.000 Euro für die Trauerarbeit mit Kindern

Inken Schneider im Interview mit Heinz Peter Rüffin, Rita Gerhards und Monika Kett

Von links: Monika Kett, Rita Gerhards, Heinz-Peter Rüffin, Linda von Weschpfennig (Assistentin der Geschäftsführung), Dieter Beyer (Gründer und Geschäftsführer). Privat

Westerwald. Mit einer zweckgebundenen Spende in Höhe von 5.000 Euro sichert die Beyer-Mietservice KG für die kommenden drei Jahre die zertifizierte Aus- und Fortbildungen für die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer und den Kauf der benötigten Materialien für die altersgerechte Trauerbegleitung von Kindern durch den Hospizverein Westerwald. Schwerpunkt des Angebotes, das seit einigen Jahren von Rita Gerhards, Othilde Biwer und Monika Kett verantwortet wird, sind Kinder im Grundschulalter. In einem geschützten Raum wird der Trauer Ausdruck gegeben. Durch einfühlsame, kindgerechte und kreative Beschäftigung mit Ritualen, durch Gespräche, Basteln, Malen und Musik finden Kinder ihren persönlichen Weg, um ihren Verlust zu verarbeiten. Für das Unternehmen Beyer-Mietservice ist es eine Herzensangelegenheit, dass auch zukünftig Mädchen und Jungen im Grundschulalter die notwendige Unterstützung erhalten, um die Trauer als einen natürlichen Prozess zu begreifen, und damit sich die Kinder wieder mit Freude dem Leben zuwenden können.

Interview „Kinder haben ein Recht auf ein gutes und fröhliches Leben!“

Im Nachgang zur Spendenübergabe sprach Frau Inken Schneider von der Fa. Beyer Mietservice mit Heinz-Peter Rüffin (Vorstand Hospizverein Westerwald e. V.), Rita Gerhards und Monika Kett (Ehrenamtliche Begleiterinnen) über die Trauerarbeit mit Kindern:

Frage: Wie ist die Aktion Kindertrauergruppe im Hospizverein Westerwald e. V. entstanden?

Vor der eigentlichen Einrichtung unserer Kindertrauergruppe vor einigen Jahren starteten wir mit der Aktion „Hospiz macht Schule.“ Wir haben das Thema Sterben, Tod und Trauer in Grundschulen im Westerwaldkreis getragen und während des Projektes wurde der Bedarf deutlich, dass Kinder, die einen Verlust erlitten haben, eine kindgerechte Trauerbegleitung benötigen. Die Trauer der Kinder äußert sich anders als bei Erwachsenen. Oftmals stellen sie sogar ihre eigene Trauer zurück, um ihre ebenfalls betroffenen Bezugspersonen zu schonen. Sie brauchen deshalb die Wahrnehmung, Zuwendung und auch Informationen durch andere. Hier bieten Kindertrauergruppen neue Perspektiven, um Kindern in Krisen nach Tod und Verlust angemessen zu begegnen.

Frage: Auf welchem Konzept basiert die Arbeit in der Kinder-Trauergruppe?

Die Kinder verarbeiten durch das bewusste Erzählen und mit kreativen Tätigkeiten, die immer unter einem bestimmten Thema stehen, die Trauer. Alles beginnt mit der Fragestellung „Wer bin ich?“ und darauf aufbauend basteln und malen die Kinder in den weiteren Wochen unter bestimmten thematischen Schwerpunkten. Zwei Beispiele sind die Kerzen und die Schatzkisten, die die Kinder basteln. Die Kerze wird während jeder Betreuungszeit zum Gedenken angezündet und in die Schatzkiste legen die Kinder Erinnerungsstücke. Unsere Begleitung befasst sich mit den Todesvorstellungen von Kindern, mit dem Umgang mit Trauer und Trauerreaktionen und mit der Kommunikation mit trauernden Kindern. Wesentlich sind die kreativen Tätigkeiten, damit Kinder ihren eigenen Gefühlen Ausdruck verleihen können. Sehr gute Erfahrungen haben wir gemacht, wenn die Kindertrauergruppe startet, zu trommeln. Kinder trommeln gerne und öffnen sich dann leichter für weitere kreative Tätigkeiten. Unser Konzept setzt erfolgreich auf kreative Trauerarbeit mit Kindern und auf kindgerechte Rituale. Das Ziel unserer Arbeit ist, dass wir den Mädchen und Jungen den Verlust begreifbar machen. Sie sehen in der Gruppe, dass sie nicht allein mit der Erfahrung Trauer sind und lernen gemeinsam durch kreatives Tun und Rituale, dass sie ein Recht auf ein gutes und fröhliches Leben haben.

Frage: Wie viele Kinder werden in der Gruppe betreut und über einen welchen Zeitraum erfolgt die Trauerbegleitung?

Die Kindertrauergruppe findet einmal wöchentlich für je zwei Stunden statt. Die Trauerbegleitung für eine Gruppe geht über einen Zeitraum von sieben Wochen und es werden maximal sieben Kinder begleitet. Nur so ist es für uns als Betreuerinnen und Betreuer möglich, auch auf jedes einzelne Kind einzugehen und seinen individuellen Trauerweg zu begleiten. Die Kindertrauergruppe wird einmal im Jahr angeboten und startet in der Regel zum Ende des Sommers. Vor Beginn der Treffen gibt es ein informatives Gespräch mit den Erziehungsberechtigen.

Frage: Gibt es auch ambulante Betreuungsangebote?

Wir bieten auch ambulante Betreuungsangebote zu Hause an. Dies wird beispielsweise dann erforderlich, wenn plötzlich ein Elternteil oder ein Geschwisterkind stirbt und ein Kind eine behutsame und einfühlsame Trauerbegleitung benötigt. Wir sind auch für diese Fälle oft erster Ansprechpartner von Grundschullehrern und Elternteilen, die nicht wissen, was sie tun sollen, wenn ein Kind auf den Verlust mit Stimmungsschwankungen, Essensverweigerungen oder weiteren Auffälligkeiten reagiert.

Frage: Was sind die persönlichen Voraussetzungen für die einfühlsame und behutsame Trauerbegleitung für Kinder?

Menschen, die sich in der Kinder-Trauerbegleitung engagieren, müssen dem Leben zugewandt sein. Bei uns kommen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft aus sozialen oder pädagogischen Berufen.

Zunächst einmal muss man sagen, dass es keine gesetzlichen Vorgaben für die ehrenamtliche Tätigkeit in einem Hospizverein gibt. Wir als Verein geben vor, dass die Interessierten, die sich ehrenamtlich in der Begleitung von Sterbenden und Trauernden engagieren wollen, am Grund- und Aufbaukurs zur Befähigung Sterbender und ihrer Angehörigen teilnehmen und danach eine praktische Phase über 30 Stunden zur Beurteilung der eigenen Belastbarkeit für diesen Dienst absolvieren. Erst danach erfolgt die Fortbildung zur allgemeinen Trauerbegleitung mit 80 Unterrichtsstunden und später eine Weiterbildung mit 40 Unterrichtsstunden für die Kinder-Trauerbegleitung.

Frage: Die Weiterbildung zur Trauerbegleitung mit über 40 Unterrichtseinheiten, an denen die Betreuerinnen und Betreuer teilnehmen, schließt mit einer Zertifizierung ab. Was sind die Inhalte und Ziele der Weiterbildung?

Die Fortbildung zur Trauerbegleitung für Kinder vermittelt die Grundsätze und Rahmenbedingungen, damit die Trauerbegleitung für Kinder gelingt. Die Inhalte vermitteln, wie Kinder trauern, und das auch unter Berücksichtigung von körperlichen, psychischen und sozialen Verhaltensreaktionen. Jede Art von Verlust wird individuell von Kindern erlebt. Deshalb vermittelt die Fortbildung auch das nötige Wissen für die individuelle Kinder-Trauerbegleitung bei Verlust eines getrennt lebenden Elternteils, eines Geschwisterkindes oder eines Elternteils durch Suizid. Das Ziel der Fortbildung ist es, dass die Betreuerinnen und Betreuer das nötige Wissen und die Sensibilisierung erhalten, um Kinder auf ihrem eigenen Trauerweg zu begleiten und den Mädchen und Jungen das Sterben und den Tod als Teil des Lebens begreifbar zu machen. Die Betreuungspersonen lernen, Kindern den Weg zu zeigen, dass sie auch bei einem Verlust das Recht auf ein fröhliches, gutes Leben haben.

Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihrem Verein alles Gute für die Zukunft. Wir freuen uns, dass wir in den kommenden drei Jahren Ihre Arbeit unterstützen und begleiten dürfen.

Pressemitteilung des

Hospizvereins Westerwald e. V.

Von links: Monika Kett, Rita Gerhards, Heinz-Peter Rüffin, Linda von Weschpfennig (Assistentin der Geschäftsführung), Dieter Beyer (Gründer und Geschäftsführer). Foto: Privat

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