Rheinbacher Schuljahrgang 1935/1936 feierte 8. Volksschul-Klassentreffen
80 Jahre und kein bisschen leise
Fußballschuhe aus Autoreifen und einmal in der Woche etwas Schokolade
Rheinbach. Seit Oktober 1981 organisiert Hans Joseph Henk mit einigen Mitstreitern das Klassentreffen des Jahrgangs 1935/1936. Nach jeweils 5 Jahren wird zum großen Treffen eingeladen, an dem sich die ehemaligen Volksschüler in fröhlicher Runde unterhalten können. In diesem Jahr war es wieder soweit und die Einladungen waren an 33 „Ehemalige“ versandt worden. 20 der mittlerweile 80, oder fast 80-jährigen trafen sich letzten Freitag im Restaurant „Streng“. Seniorengerecht und mit kleiner Tageskarte wurde Mittaggegessen. Früher tanzten die ehemaligen Volksschüler in ihrer Jugendzeit dort in den Frühling hinein. „Wir können uns freuen, dass wir „Kriegskinder“ so alt geworden sind und so viel zu erzählen haben“, meinte „Hajo“ Henk. Und tatsächlich ging der Gesprächsstoff an diesem Tag nicht aus. „Weißt Du noch?“ oder „Was macht der …?“, so begannen die meisten Fragen in der geselligen Runde im Café Schlich bei Kaffee, Kuchen und Wein. Es waren natürlich bewegte und aufregende Jahre. Alle hatten die schweren Kriegsjahre miterlebt, mit all den Leiden und Folgen, die unseren Kindern hoffentlich erspart bleiben. Aber neben dem ganzen Leid und den Zerstörungen hatten die Kinder von allem noch etwas für sich abgewinnen können. „Das Beste daraus machen“, war die Devise, an der sich die Seniorinnen und Senioren wohl heute noch halten. Die 57 Kinder wurden am 18. August 1942 in der kath. Volksschule am Voigtstor eingeschult, also mitten im Krieg. Alle 57 Kinder wurden in den 1. ½ Jahren in einem Raum unterrichtet. Aus bombenbedrohten Städten kamen weitere Schüler dazu. „Erweiterte Sommerferien“ gab es dann kriegsbedingt 1944, kurz nach dem Beginn des 3. Schuljahres. Erst am 8. Oktober 1945 konnte der Unterricht der Volksschule in wieder hergerichteten Räumen des Städtischen Gymnasiums am Voigtstor wieder beginnen. Die Geschichte lebt natürlich vor allem durch die persönlichen Erlebnisse. Zahlreiche Anekdoten wurden an diesem Tag zum Besten gegeben. Am 6.März 1945 waren die Amerikaner in Rheinbach. Die Schulspeisung wurde eingeführt und wöchentlich gab es etwas Schokolade. Auch das Kartoffelkäfersammeln stand bei den meisten auf dem Tageskalender, genauso wie das Bucheckern sammeln im Wald. Auch, dass nach dem Krieg zwischen Rheinbach und Oberdrees ein Zug entgleiste. Es kam zu Plünderungen an Mehl, Reis und Zucker, überlebenswichtige Nahrungsmittel für „fast umsonst“. Dass die Kinder damals noch keine Fußballschuhe hatten, war auch kein Problem. Aus alten Autoreifen wurden Sandalen gefertigt, mit denen man trefflich Fußball spielen konnte. Allen noch in Erinnerung ist die erste Firmung nach dem Krieg in Rheinbach am 10. Juni 1948.Insgesamt wurden 397 Kinder der Jahrgänge 1933 bis 1939 in der Notkirche („Saal Burrenkopf) gefirmt. Langeweile gab es bei diesem 8. Klassentreffen nicht. Viel zu schnell vergingen die Stunden, bis dann das Café Schlich seine Pforten schloss und alle hatten dann Zeit „altersgemäß abends frühzeitig zu Hause die Pantoffeln anzuziehen“.
STS
