Neuer Dirigent und neues Repertoire – Bewährte Stücke und tolle musikalische Gäste
Abwechslungsreiches Neujahrskonzert in der Kleinmaischeider Kirche
Kleinmaischeid. Die Big Band Georg Wolf, mittlerweile als eigengetragener Verein unterwegs, lud ein zum Neujahrskonzert. Diese Konzertform gehört für die seit den 1980ern aktive Truppe ebenso zur Tradition, wie der Ursprung der Gründung der Band, der da lautet: Menschen helfen, denen es nicht so gut geht wie den Musikern, die sich regelmäßig mit Konzerten engagieren, deren Erlös jeweils einem anderen guten Zweck zufließt.
Doch darum sollte es beim Neujahrskonzert in der Kleinmaischeider Kirche St. Wendelinus weniger gehen, wo die Big Band erstmals unter der Leitung von Günter Seliger auftrat, der die bekannte Formation seit rund einem Jahr leitet. Dem Profimusiker gelang in der Programmgestaltung eine gelungene Kombination aus bewährten und vom Publikum erwarteten Stücken sowie etlichen musikalisch anspruchsvollen Neuerungen im Repertoire.
Bevor die Big Band mit dem Klassiker „St. Louis Blues March“ in ihrem bekannt sonorem Sound den musikalischen Reigen eröffnete, mussten die mehr als 300 Gäste in der Kleimaischeider Kirche zunächst dicht zusammenrücken, denn das Konzert war innerhalb weniger Tage ausverkauft und so traten die Akteure vor absolut vollem Haus auf.
Im ersten Block präsentierte die Big Band die gesamte Bandbreite Ihres Könnens und legte mit Boogie, klassischem Blues und Pop-Interpretationen absolute Vielfältigkeit aufs Notenpult und klanglich perfekt in den Kirchenraum. Souverän gab sich hierbei der Bandleader Günter Seliger nicht nur als erfahrener Dirigent, sondern auch als unterhaltsamer Conférencier, der neben den Infos zu den Stücken auch einige Anekdoten aus dem „allgemeinen Musikerleben“ zum Besten gab. In der ersten Hälfte begeisterten die Gäste durch leichtfüßige karibische Klänge („Creole Love Call“) oder anspruchsvolle Pop-Interpreationen („I´m still standing“) mit dem bewährten Big Band Sound, den die Aktiven immer dem jeweiligen Stil perfekt anzupassen wussten. Etliche brillante Soli in den verschiedenen Sätzen sorgten für Abwechslung und bewiesen die Klasse der Großmaischeider Formation immer wieder. Besonders beeindruckten auch die mit Gesang dargebrachten und von der Band sanft begleiteten Stücke wie „This is me“, bei dem Sängerin Britta Kittel -in „Baby“-Vertretung für die bewährte Stimme der Band, Michaela Eul- beeindruckte oder das weltbekannte „Bridge over troubled water“, das Gitarrist und Sänger Uwe Hoff mit gigantischem Stimmumfang und überaus emotional rüberbrachte.
Nach dem ersten Teil der Big Band formierten sich auf der Tribüne der Kirche die musikalischen Gäste. Der Chor „Zeit-Geist“ von der katholischen Kirchengemeinde St. Clemens in Dierdorf. Doch was die rund 25 Sängerinnen und Sänger im musikalischen Gepäck hatten, war durchaus komplett anders als Kirchenchor-Standard. Denn mit Bearbeitungen moderner Lieder wie „Ein Kompliment“ (Sportfreunde Stiller), „Hinterm Horizont“ (Udo Lindenberg) oder „Zeit“ (Rammstein) bewies der Chor unter der Leitung von Bernhard Bätzing hohes sängerisches Niveau und moderne Vielseitigkeit. Höhepunkt des Gastauftritts war gewiss die Balade „The Rose“ (Amanda Mc Broom), die von vier Solistinnen gefühlvoll und mit sanfter Begleitung des Chores dargebracht wurde.
Ihren zweiten Block eröffnete die Big Band mit der fulminanten Filmmelodie aus „Rocky“: „Gonna fly now“. Wie bei allen Stücken zeigten hier die Bläser ihr Können und ließen das Gotteshaus durch immense Dynamik erschallen. Zum Mitsingen eingeladen wurden die Gäste dann mit dem Titel von Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“, den Dirigent Seliger und Britta Kittel als Duett sangen. Dabei wurde das Urgestein der Big Band, der erkrankte Johannes Kern, gesanglich durch den Bandleader vertreten. Ihre stimmliche Qualität bewies anschließend Britta Kittel erneut bei der Interpretation von „From a distance“, bei der auch die Band alle Register ihrer instrumentalen Qualität unter Beweis stellte. Jazzige Anklänge, absolut passend für eine Big Band Formation, kamen dann mit dem Titel „Smile“ beim Publikum bestens an, bevor Günter Seliger und Britta Kittel gemeinsam mit den harmonischen Klängen der Big Band gesanglich die Frage stellten: „Warum hast Du nicht nein gesagt?“ (Roland Kaiser). Einen Anklang an die vergangene Weihnachtszeit boten die Musiker dann mit dem bekannten „Feliz Navidad“ in einer überaus karibischen, rhythmisch höchst anspruchsvollen Version und schlossen das Konzert mit dem Song, der inhaltlich als Sinnbild für die caritative Grundidee der Big Band steht und seit jeher den Schluss deren Konzerte bildet. Denn mit „Ist das nichts?“ (Udo Jürgens) forderte die Formation zu Dankbarkeit und Demut auf und Uwe Hoff stellte hierbei erneut seine stimmliche Brillanz unter Beweis.
Tosender Applaus und standing ovations waren der Dank des begeisterten Publikums für ein abwechslungsreiches, in der Liedauswahl stimmiges und musikalisch anspruchsvolles Konzert der seit Jahrzehnten aktiven Big Band Georg Wolf, dessen Vorstandsmitglieder Thomas Kaballo und Harald Stein zum Schluss den Musikern, Gästen, Sponsoren und Unterstützern herzlich dankten.
Als Zugabe erklang dann mit dem „Radetzky-Marsch“ eine gänzlich andere Stilrichtung. Der Klassiker setzte den musikalischen und gleichsam humoristischen Schlusspunkt, denn zwei Musiker der Rhythmusgruppe wähnten sich bereits im Feierabend und mussten daher separat auf die Bühne gebeten und für ihre Aufgabe an der großen Trommel und an den Becken neu eingewiesen werden. So gelang die Zugabe im vierten Anlauf tadellos und beschwingt trat anschließend das zufriedene Publikum den Heimweg an.
