Matthias Bertram hatte eine besondere Kunst-Idee:
Ahrtaler Künstler malt Bilder aus Flutschlamm
Ahrweiler. Darauf muss man erst einmal kommen: In der größten Not, das eigene Haus zerstört, das Atelier verwüstet und von meterhoch durchströmendem Wasser der Ahr überflutet, denkt ein der Künstler Matthias Bertram daran, einige Eimer Flutschlamm beiseitezustellen. Was zunächst wie eine bizarre Aktion erscheint, entpuppt sich Jahre später als Ausgangspunkt für ein außergewöhnliches künstlerisches Projekt.
Fast fünf Jahre nach der verheerenden Flut im Juli 2021 ist das Haus von Matthias Bertram aus Ahrweiler längst wieder bewohnbar. Auch sein Atelier befindet sich inzwischen an einem weniger gefährdeten Ort. Doch der damals gesicherte Flutschlamm ist geblieben und hat nun eine neue Bestimmung gefunden.
Die einstigen Schlammschollen werden heute zerkleinert, fein gemahlen und mit transparentem Acryl als Bindemittel vermischt. Aus diesem Material entstehen in Ahrweiler authentische Bilder von hoher Symbolkraft. Der Schlamm der Katastrophe wird zur Farbe und damit zum Träger von Erinnerung, Reflexion und Hoffnung.
Viele dieser Werke tragen das seit Jahren verwendete Logo des Künstlers: einen Fisch. Das Symbol ist Ausdruck seiner engen Verbindung zur Ahr und dem Fischfang.
Matthias Bertram stammt aus einer Winzerfamilie, die seit Jahrhunderten auch im Ahrfischfang tätig war. Bis heute gehört er zu den Pächtern der Ahr. Schon im frühen 19. Jahrhundert fing seine Familie an der Mittelahr sogenannte „Rümpchen“. Nach einem langen Fußmarsch wurden die Fische damals in Bonn verkauft; unter anderem an preußische Beamte. Der Schriftsteller und Revolutionär Gottfried Kinkel beschrieb diese verbreitete Form des Fischfangs bereits 1846 in seinem Buch über das Ahrtal.
Eine tiefe Verbundenheit
Diese familiäre Tradition und die tiefe Verbundenheit mit Landschaft, Geschichte und Menschen des Ahrtals spiegeln sich heute in einer Serie von „Flutschlammbildern“ unterschiedlicher Größe wider. Eines der Werke zeigt den Fisch als geheimes Glaubenssymbol der frühen Christen im alten Rom. Die Darstellung greift zugleich die Wellen der Flut von 2021 auf und weist – symbolisch unterstützt durch ein im Bild integriertes Hufeisen – auf einen hoffnungsvolleren Weg in die Zukunft.
Warum sich Bertram in seinen Gemälden und plastischen Arbeiten so intensiv mit der Flut auseinandersetzt, beantwortet der Künstler klar: Es sei wichtig, sich mit den Ursachen der Katastrophe zu beschäftigen und daraus zu lernen. Nur so könne man zuversichtlich nach vorne schauen. „Jammern über die Vergangenheit bringt die Menschen im Tal nicht weiter“, sagt er.
Wer mehr über die Werkzyklen „Flutgedenken“ und „Flutschlammbilder“ erfahren möchte, kann direkt Kontakt mit dem Künstler in Ahrweiler aufnehmen. Ende April werden die Arbeiten zudem bei den „Tagen des Offenen Ateliers“ präsentiert. Eine erste Vorstellung erfolgt zuvor im Newsletter „Rhine-Ahrt“. Interessierte können Besichtigungen und Führungen über die Website des Künstlers vereinbaren: www.ahrthal.de
Der Ahrtaler Künstler Matthias Bertram. Foto: privat
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Das Fisch-Symbol findet sich in Bertrams Flutschlamm-Bildern immer wieder. Foto: privat
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