Allgemeine Berichte | 06.07.2026, 13:23 Uhr

Schock für die Eltern: Eine sicher Nutzung des Provisoriums der Kita Sankt Laurentius sei derzeit nicht gegeben, sagen die Behörden

Ahrweiler: Kita-Kinder stehen vor ungewisser Zukunft

Aus für das Provisorium: Das Ausweichquartier Calvarienberg darf per behördlicher Anordnung nicht mehr genutzt werden.  Foto: GS

Ahrweiler. Ein Brandbrief ist ein öffentlicher Hilferuf. Einen solchen hat Miriam Radermacher für den Elternausschuss der Ahrweiler Kita Sankt Laurentius verfasst. Denn die Eltern treiben Sorgen um die Betreuung ihrer Kinder um. Was ist geschehen?

Fünf Jahre nach ihrer Verwüstung durch die Flut steht die Kita erneut vor einer ungewissen Zukunft. Die Einrichtung, die bis zur Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 im Lindenweg 6 untergebracht war, befand sich seitdem in einer Übergangslösung im ehemaligen Kloster Calvarienberg. Nun darf auch das Provisorium nicht mehr genutzt werden. Nach einem Brand am Abend des 29. Mai 2026 wurde der Kita-Betrieb zunächst nur noch im Notbetrieb aufrechterhalten. Der durch einen Rasenmäher ausgelöste Brand hatte auf die Heizungsanlage des Klosters übergegriffen, wodurch es zu einer extremen Rauchgasausbreitung im Gebäudekomplex gekommen war.

„Schock für die Eltern“

Eine spätere Bewertung durch Feuerwehr, Brandschutzdienststelle und Untere Bauaufsichtsbehörde bestätigte die Tragweite des Vorfalls: Eine sichere Nutzung der Einrichtung sei derzeit nicht gegeben und deshalb einzustellen. Das geschah am 2. Juli. „Ein Schock für die Eltern und zugleich der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die aus unserer Sicht seit Jahren zu langsam vorankommt. Unsere Kinder brauchen nicht irgendwann eine Lösung, sondern jetzt. Viele Familien stehen ohne verlässliche Betreuung da. Nach fünf Jahren Provisorium darf es nicht sein, dass Kinder und Eltern erneut ohne Perspektive bleiben““, wie Miriam Radermacher schreibt.

Aktuell besuchen nach Angaben des Elternausschusses 116 Kinder die Kita. Davon wechseln nach den Sommerferien 30 Vorschulkinder in die Schule. Zugleich werden neue Kinder eingewöhnt, sodass der Betreuungsbedarf weiterhin hoch bleibt. In den vergangenen Wochen konnten laut Elternausschuss nur noch etwa die Hälfte der Kinder im Notbetrieb betreut werden. Dies in verschiedenen katholischen Einrichtungen von Heimersheim bis Mayschoß. Betreut wurden sie vom Team der Kita Sankt Laurentius, das die volle Wertschätzung des Elternausschusses erfährt. Dennoch: „Eine verlässliche Perspektive für die Zeit nach den Sommerferien 2026 gibt es derzeit nicht“, schreibt Miriam Radermacher.

Antwort aus Koblenz

BLICK aktuell hat daraufhin die Kita gGmbH Koblenz als Träger der Einrichtung mit den Sorgen der Eltern konfrontiert. Und deren Sprecherin Eva Schlaf reagierte umgehend: „Wir bemühen uns aktuell auf verschiedenen Ebenen in enger Rücksprache mit den zuständigen Behörden darum, für die Zeit nach den Sommerferien geeignete Ausweichräumlichkeiten zu finden, in denen die Kinder in größeren Gruppen betreut werden können, um die unmittelbare Lösung, die Kinder und das Personal nach dem Brand auf umliegende Kitas zu verteilen, abzulösen. Aufgrund der Kürze der Zeit seit der für uns überraschenden Bekanntgabe der zukünftigen Nutzungsuntersagung der Räumlichkeiten im Kloster Calvarienberg können wir leider noch keine belastbaren Auskünfte für die Zeit nach den Sommerferien geben. Dem Kitabetrieb in alternativen Räumlichkeiten gehen immer Prüfungen durch verschiedene Behörden voran, die im Anschluss an die Findung von geeigneten freien Räumlichkeiten stattfinden müssen. Aktuell prüfen wir gemeinsam mit den zuständigen Behörden, welche Möglichkeiten im Stadtgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler in Frage kommen könnten und hoffen, den Familien und Mitarbeitern so zeitnah wie möglich geeignete Ausweichmöglichkeiten bieten zu können.“

„Bieten Unterstützung an“

Eine Botschaft, die BLICK aktuell umgehend an den Elternausschuss weiterleitete. Für diesen sagte dann Miriam Radermacher: „Die vergangenen Wochen waren für unsere Kinder, die Familien sowie das gesamte pädagogische Team von großer Unsicherheit geprägt. Umso wichtiger ist es, dass nun gemeinsam mit den zuständigen Behörden an einer tragfähigen Lösung gearbeitet wird. Uns ist bewusst, dass nach der kurzfristigen Nutzungsuntersagung nicht von heute auf morgen eine perfekte Lösung entstehen kann und dass die Prüfung alternativer Räume Zeit benötigt. Als Elternausschuss möchten wir die Kita-Leitung, das Team und den Betriebsträger hierbei konstruktiv unterstützen. Wir wissen das Engagement aller Beteiligten zu schätzen und erkennen an, dass die Sicherheit und das Wohl der Kinder dabei oberste Priorität haben. Gleichzeitig bleibt für die Familien die Frage der Betreuung ab dem 10. August sehr dringlich. Viele Eltern sind auf eine verlässliche Betreuung angewiesen, um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können. Deshalb hoffen wir auf eine möglichst zeitnahe und transparente Information über die nächsten Schritte sowie einen belastbaren Zeitplan. Über die kurzfristige Lösung hinaus richten wir den Blick auch auf die Zukunft: Da fordern wir mehr Tempo im Verfahren zum Wiederaufbau des alten Standortes im Lindenweg.“

Die Baugenehmigung liegt vor. Was sich der Elternausschuss jetzt wünscht, ist eine transparente Darstellung des Planungsstandes, ein realistischer und verbindlicher Zeitplan sowie Klarheit über künftige Betreuungsplätze und die Zukunft der Mitarbeiter. GS

Verschlossen: Seit der Flut steht das Gebäude der Kita Sankt Laurentius in Ahrweiler leer.  Foto: GS

Verschlossen: Seit der Flut steht das Gebäude der Kita Sankt Laurentius in Ahrweiler leer. Foto: GS

Aus für das Provisorium: Das Ausweichquartier Calvarienberg darf per behördlicher Anordnung nicht mehr genutzt werden. Foto: GS

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