Projekt "Baukultur konkret"
Alanus-Architekturstudenten präsentierten ihre Rauminstallation
Vier weite, im Kreis aufgestellte Stuhlreihen rund um die Linde sollen zu einem angeregten Dialog motivieren
Unkel. Verärgert reagierten Mitte voriger Woche Unkeler, die es gewohnt sind, widerrechtlich auf dem Willy-Brandt-Platz zu parken. Ein Verkehrschild samt Sperrgitter mitten auf der Frankfurter Straße an der Einmündung der Lühlingsgasse machte ihnen die Weiterfahrt unmöglich. Der Grund: 16 Architekturstudenten der Alanus Hochschule waren seit Anfang der Woche dabei, im Rahmen des Projekts „Baukultur konkret“ das Zentrum der Kulturstadt Unkel zusammen mit Professor Jan-Willem Beeren temporär umzugestalten, um so ganz im Interesse der Entwicklungsagentur um die Vorsitzenden, Rex Stephenson und Daniel Schmitz, in einen Dialog mit den Unkeler über dieses Thema treten zu können.
Vorgestellt wurde dieses einer breiteren Öffentlichkeit zunächst am späten Freitagnachmittag im ehemaligen Café Knäpper, in dem die „LandLuft“-Wanderausstellung aufgebaut war. „Als Architekt hat man die Aufgabe, Bildungsarbeit in Sachen Baukultur zu leisten“ sowie „Wir verbinden Vergangenheit mit Zukunft, weil auch die Neuzeit Tradition hat“ oder aber „Man muss das Gesicht des Ortes wahren, aber auch den Zeitgeist hereinlassen“, war auf großen, gelben Plakaten zu lesen. An hohen Stellwänden wiederum wurden Beispiele aufgezeigt, wie die neun Vorgänger der letzten Dreiergruppe des Forschungsprojekts „Baukultur“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, das nun von der Unkeler EA zusammen mit der Dorfwerkstatt Pleß und dem Verein „Dübener Heide“ abgeschlossen wird, Profit aus dem öffentlichen Dialog gezogen haben, gemäß der Aussage: „Wir wollen den Menschen näher bringen, dass Bauen auch immer eine öffentliche Wirkung hat!“
Begrüßt wurden die interessierten Bürger vom Alanus Architekturprofessor Swen Geiss, der die Veranstaltung moderierte und der zusammen mit seinem Kollegen Florian Kluge sowie der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Miriam Hamel das Unkeler Projekt „Dialog Baukultur konkret“ leitet. Namentlich begrüßten konnte er neben dem Hausherrn, Heinz Justen, natürlich auch Bürgermeister Gerhard Hausen. „Unkel lebt von seine reizvollen Gegensätzen, Man muss die Geschichte der Stadt kennen, um das verstehen zu können“, so der Stadtchef. Ausruhen auf der Tatsache, das Unkel früher vor allem für Künstler, Unternehmer und Wissenschaftler so attraktiv gewesen sei, dürfen man sich nicht. Vielmehr gehe es darum, wie Unkel für Einheimische und Gäste noch attraktiver gestaltet werden könne, um zum Verweilen und Leben einzuladen.
„Ein Aktion, wie die unserer Studenten auf dem Willy-Brandt-Platz, ist sicher kein Allheilmittel um Probleme zu lösen“, erklärte Jan-Willem Beeren, nachdem Daniel Schmitz die Ziele der Entwicklungsagentur vorgestellt hatte. Allerdings trage sie dazu bei, über Kunst und Architektur in einen Dialog einzutreten. In Vorgesprächen wäre den Studenten aufgefallen, dass der Willy-Brandt-Platz mit dem gut besuchten Willy-Brandt-Forum am Kopfende ein sehr lebendiger Ort ist, auch wenn die Einstellungen von resignierter Stimmung bis hin zu zukunftsorientierten Idee reichen würden. „Bereits mit ihrer Bitte, ihnen einen Stuhl zu schenken, sind die Studenten mit den Unkelern ins Gespräch über Sinn und Zweck der Aktion gekommen“, erinnerte Jan-Willem Beeren. Dann hätten sie sich Gedanken machen müssen, wie die vielen unterschiedlichen Sitzgelegenheiten aufgestellt werden sollten. Miriam Hamel überreichte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen im Namen der Alanus-Akteure einen Dialog-„Le(h)erstuhl“.
Anschließend machten sich die Teilnehmer an der Veranstaltung auf, das Projekt der Studenten auf dem nahen Willy-Brandt-Platz in Augenschein zu nehmen. Für das hatten die Studenten in drei Meter Abstand von den metallenen Sitzbänken rund um die Linde vier weite Stuhlkreise in unterschiedlicher Sitzrichtung aufgebaut, während Scheinwerfer von der Mitte aus den Platz mit rotem Licht in Segmente einteilten. Außerdem projizierte ein Beamer einen großen faserig-gemalten Mund auf die Fassade der ehemals so stolzen Gaststätte „Löwenburg“. Damit wiesen die Studenten ganz generell auf den erwünschten Dialog über Baukultur hin. Gleichzeitig griffen sie aber auch die Jahrzehnte lange Diskussion über diesen Schandfleck der Stadt auf, über den sich nahezu alle Unkeler schon den Mund fusselig geredet hatten.
Abgeschlossen ist das Projekt „Baukultur im Dialog“ mit der Aktion auf dem Willy-Brandt-Platz noch längst nicht. So ist die Wanderausstellung noch bis Sonntag, 6. März, in der Frankfurter Straße 24, zu sehen. Am Montag, 7. März, wird zudem im Willy-Brandt-Forum der Film „Ort schafft Orte“ zum Thema „Wie Baukultur Menschen und Orte verändert“ zu sehen sein, der sich direkt auf die Wanderausstellung bezieht.
Letzte Besprechung von Florian Kluge (r.) mit Swen Geiss, Daniel Schmitz und Miriam Hamel, während Jan-Willem Beeren (l.) sein Manuskript überfliegt. Fotos: -DL-
