Allgemeine Berichte | 23.07.2024

UOKG für Rheinland-Pfalz

„Alles Wissen Wollen. Die Stasi und ihre Dokumente“

V.li. Bürgermeisterin der Stadt Koblenz Ulrike Mohrs, Zeitzeugin und Regeionalbeauftragte der UOKG für RLP Elke Schlegel, Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur Evelyn Zupke, Präsident des Bundesarchivs Prof.Dr. Michael Hollmann, Vertreter der VOS Regins und Siegfried Keil und Barbara und Rainer Hoffmann. Foto: Benjamin Baumgart

Koblenz. 40 Jahre lang beherrschte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands die DDR. Eine zentrale Stütze ihrer Diktatur war das Ministerium für Staatssicherheit: die Stasi. Welche Bedeutung haben die Stasi-Unterlagen und ihre Geschichten für unsere Erinnerungen, unsere Lebensqualitäten und unser heutiges Verständnis als demokratisch verfasste Gesellschaft? Vor der Eröffnung der Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen. Die Stasi und ihre Dokumente“ kamen am 16. Juli zu einer Kranzniederlegung am „Mahnmal Mauersteine“ am Deutschen Eck in Koblenz die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag Evelyn Zupke, der Präsidenten des Bundesarchivs Prof. Dr. Michael Hollmann, die Vizepräsidentin des Bundesarchivs Frau Dr. Andrea Hänger, die Bürgermeisterin der Stadt Koblenz Ulrike Mohrs, die Regionalbeauftragte der UOKG (Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft UOKG e.V.) für Rheinland-Pfalz, Elke Schlegel und Vertreter der VOS (Vereinigung der Opfer des Stalinismus VOS e.V.) Regina und Siegfried Keil. Die Reste der Berliner Mauer können nicht nur in Berlin besichtigt werden. Nach 1989 wurden viele Mauerstücke in die ganze Welt verschenkt. Original-Mauerstücke stehen heute in fernen Ländern, von Südafrika bis Australien, von den USA bis Israel und hier in Koblenz. Im 35. Jubiläumsjahr der Friedlichen Revolution wurde mit einer Kranzniederlegung an die Opfer der deutschen Teilung gedacht. Frau Zupke kam zur Besichtigung des Mahnmals, welches auf Initiative und ehrenamtliches Engagement von Elke und Thomas Schlegel initiiert wurde, und stellte fest, dass dieses Denkmal der Deutschen Einheit am Konrad-Adenauer-Ufer in Koblenz ein Touristenmagnet ist.

Am Abend des 16. Juli wurde im Bundesarchiv die Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen Die Stasi und ihre Dokumente“ mit einem Grußwort des Präsidenten des Bundesarchivs Prof. Dr. Hollmann eingeleitet, an das sich ein Zeitzeugengespräch mit dem ehemaligen politischen Häftling Mario Röllig anschloss. Mario Röllig berichtete von seinem Leben als Homosexueller in der DDR und wie er in die Fänge der Stasi geriet. Danach diskutierten auf dem Podium die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke, Dr. Martin Stief (Projektleiter im Stasi-Unterlagen-Archiv in der Abteilung Vermittlung und Forschung) und Elke Schlegel (Zeitzeugin, Regionalbeauftragte der UOKG für Rheinland-Pfalz) zum Thema „Erinnern für die Zukunft“ über die Bedeutung der Stasi-Unterlagen für das heutige Verständnis unserer demokratischen Gesellschaft. Elke Schlegel, die selbst 1984 aus politischen Gründen im ehemals größten Frauengefängnis der DDR, in Hoheneck, inhaftiert war, hatte schon sehr früh, 1991, Akteneinsicht genommen. Erschlagen durch die Masse von Akten und den darin enthaltenen Schwärzungen hatte sie sich zunächst nicht viel Klärung erhofft. Dennoch konnte sie mit Hilfe der Akten letztlich viel des von ihr erfahrenen Unrechts rekonstruieren. Evelyn Zupke unterstrich, dass es die Akten seien, die für viele Betroffene ein wichtiger Beleg ihrer eigenen Verfolgung sind. Allerdings käme es nicht nur auf die Stasi-Akten an, sondern darauf, dass die Gesamtheit der Akten aus der DDR genutzt werde. „Man hat sich viel zu lange allein auf die Stasi konzentriert. Doch die Stasi arbeitete im Auftrag der SED und diese hat in vielen Bereichen direkt kontrollierend und repressiv gewirkt. So hat auch die DDR-Jugendhilfe als ein Instrument der Repression gedient“, führte die SED-Opferbeauftragte aus. Sie wünsche sich deshalb einen Antrag für alle Akten. „Bei Anträgen auf Akteneinsicht sollten neben den Stasi-Akten auch zum Beispiel Akten der Jugendhilfe oder der DDR-Volkspolizei in eine Aktenprüfung einbezogen werden können.“ Elke Schlegel wünschte sich, die „Tage der Demokratie“ die Schulen laut Lehrplan abhalten sollten und auch Zeitzeugengespräche, am authentischen Ort im Bundesarchiv für Schulen und andere Institutionen begleiten zu können. Die Ausstellung ist in Koblenz bis zum 6. September kostenfrei im Bundesarchiv Potsdamer Str. 1 zu sehen. Weitere Informationen zur Ausstellung finden sich unter: www.alles-wissen-wollen.de Die Wanderausstellung des Bundesarchivs – Stasi-Unterlagen-Archiv präsentiert insgesamt 21 Objekte zur Geschichte der DDR-Geheimpolizei, ihren Methoden und den Folgen der Bespitzelung für die Betroffenen. Die Faksimiles stammen aus den Beständen des Stasi-Unterlagen-Archivs. Das Stasi-Unterlagen-Archiv war 2021 in das Bundesarchiv überführt worden und wurde Teil des Bundesarchivs. Das Stasi-Unterlagen-Archiv sichert und bewahrt die hinterlassenen Unterlagen der Staatssicherheit der DDR und stellt sie auf Grundlage des Stasi-Unterlagen-Gesetzes Privatpersonen, Institutionen und der Öffentlichkeit auf Antrag zur Verfügung. Insgesamt lagern in den Beständen mehr als 111 Kilometer Aktenmaterial, mehr als 1,7 Millionen Fotos sowie Karteikarten, Filme, Tondokumente und Mikrofiches. Mit etwa 120 Besuchern war es ein erfolgreicher Abend. Beim Empfang kam es zu interessanten Gesprächen und noch vielen Fragen aus dem Publikum. Am 17. Juli stand die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke in der Zeit von 10:00 – 12:00 für persönliche Bürgergespräche sowie zu Informations- und Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung. Beratung und Unterstützung für einen Antrag auf Einsicht in die Stasi-Unterlagen durch das Bundesarchiv – Stasi-Unterlagenarchiv gab es auch.

Pressemitteilung

UOKG für Rheinland-Pfalz

V.li. Bürgermeisterin der Stadt Koblenz Ulrike Mohrs, Zeitzeugin und Regeionalbeauftragte der UOKG für RLP Elke Schlegel, Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur Evelyn Zupke, Präsident des Bundesarchivs Prof.Dr. Michael Hollmann, Vertreter der VOS Regins und Siegfried Keil und Barbara und Rainer Hoffmann. Foto: Benjamin Baumgart

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