Frauentreff Meckenheim besichtigte Theaterwerkstätten in Bonn
Alles Wissenswerte in zwei Stunden
Meckenheim. Bei einer zweistündigen Führung erfuhren die Mitglieder des Frauentreffs Meckenheim von Leiter Jan Schulze (fast) alles Wissenswerte über die Werkstätten des Theaters Bonn. Hier werden die Kulissen, Dekorationen, Requisiten und Kostüme für Oper und Kammerspiele hergestellt. Wenn es freie Kapazitäten gibt, arbeitet die Werkstatt auch für andere Bühnen. Werkstattleiter Schulze ist Diplomingenieur für Medientechnik und sichtlich stolz auf seine riesige Werkstatt und seine 25 Mitarbeiter.
Die Werkstätten sind in einer ehemaligen Juteweberei untergebracht. Riesige Hallen erleichtern die Arbeit der Handwerker, denn alles, was sie herstellen, ist riesengroß. Zunächst sehen die Frauen die Dekorationswerkstatt. Hier arbeiten drei Kollegen und ein Azubi. Es werden Vorhänge, Polster, Wandbespannungen und Bodenbeläge hergestellt. Die Bühnentextilien werden von vier deutschen Unternehmen bezogen, die die schwer entflammbaren Materialien herstellen. In dieser Halle sind auch Modelle einer zukünftigen Aufführung in der Oper zu sehen, anhand derer das endgültige Aussehen der Vorhänge besprochen wird.
Bis zu 2,5 Jahre dauert der Vorlauf für eine Aufführung. Der Spielplan wird geplant, der Regisseur schlägt einen Bühnenbildner vor, und etwa ein Jahr vor Spielbeginn findet die Konzeptabgabe statt. Bei der Bauprobe auf der großen Bühne werden die Kulissen mit billigen Stoffen simuliert.
In der nächsten Halle arbeiten die Theaterplastiker. Sie stellen alle Figuren her, die für die Bühne gebraucht werden - und zwar aus Styropor, Holz oder Schaumstoffen. Die Theaterplastik ist ein Lehrberuf. Die Schlosserei hat fünf Mitarbeiter und einen Azubi. Hier werden alle Teile aus Metall angefertigt, die für eine Aufführung nötig sind. Sechs Gesellen und ein Azubi arbeiten in der Schreinerei, wo die Kulissen hergestellt werden. Die Ausstattung mit Maschinen ist beeindruckend. Zum Beispiel gibt es ein Laserschneidegerät, das filigrane Verzierungen schneiden kann. So eine Maschine kostet 14.000 Euro. Die Kulissenwände sind 2,5 mal sieben Meter groß und passen in Lkw, die die Kulissen in die Oper und zurück transportieren. Im Malsaal arbeiten fünf Maler und die Leiterin der Abteilung. Riesige Abbildungen werden auf Stoffbahnen gemalt und dann auf die Kulissenwände aufgeklebt. Dann geht es in den Montagesaal, der über große Hebevorrichtungen verfügt, damit die großen Teile schonend angehoben werden können. Durchschnittlich kostet die Ausstattung für eine Oper 23.000 Euro (nur Materialkosten). Im Kulissenmagazin arbeiten fünf Mitarbeiter, die für die Lagerung und den Transport zuständig sind. Wenn ein Stück später noch einmal in den Spielplan aufgenommen werden soll, werden die Kulissen und Requisiten eingelagert. Da in der Oper oft mehrere Produktionen auf dem Spielplan stehen, können in der Oper Kulissen für bis zu fünf Stücke eingelagert werden, damit sie nicht ständig hin und her gefahren werden müssen.
Zuletzt besuchten die Frauen die Kostümabteilung, wo Kostüme fürs Theater hergestellt werden (die Kostüme für die Oper werden dort angefertigt). Regisseur und Kostümbildner entscheiden, welche Kostüme gebraucht werden. Viele werden selbst genäht, wobei darauf geachtet werden muss, dass die Stoffe waschbar und strapazierfähig sind, denn auf der Bühne fließt schon mal „Blut“ - oder es gibt eine Schlägerei, bei der die Garderobe kaputtgeht. Das muss beim Nähen berücksichtigt werden. Außerdem müssen die Kleidungsstücke schnell an- und ausziehbar sein. Bei Kaffee und Kuchen ließen die Frauen dann die Fülle der Informationen sacken und fuhren sehr zufrieden nach Meckenheim zurück.
