Allgemeine Berichte | 05.06.2018

Kultursalon Koblenz auf Tauchfahrt ins 13. Jahrhundert

Als Koblenzer noch Duisburger waren

Der „Koblenzer Turm“ in Duisburg – Zeichen einer wahren Freundschaft. Petra Lötschert

Koblenz. Doppelte Stadtbürgerschaft zwischen alten Handelsdrehscheiben - Duisburg und Koblenz, was bedeutet das? Diese Partnerbindung geht weit, fast 1.000 Jahre zurück. Zwei Hafenstädte verbündeten sich einst auf originelle und nachhaltige Weise, um ihren Handel zum Blühen zu bringen, am Blühen zu halten. Der Koblenzer hatte in etwa die gleichen Rechte wie ein Duisburger in seiner Stadt und umgekehrt. Zusätzliche Steuer- und Mauterlässe garantiert. Darüber hinaus gab es ein Schutz- und Trutzbündnis. Ein Zeichen dafür sind die hohen Wehrtürme aus dem 13. Jahrhundert. Koblenz erbaute den „Koblenzer Turm“ in Duisburg, bis heute die höchste Erhebung der historischen Stadtmauer.

Wann gibt es ein Ochsenturmfest

Die Duisburger bauten den Koblenzern im Gegenzug den „Ochsenturm“ 1286 zum Schutz gegen Feinde an die Mosel und bewirteten diesen, stellten eigene Soldaten zum Schutz. Welch eine Freundschaftsgeste. Die Stadtmauer verlief damals von der Mosel zum Rhein (der neue Wehrturm, auch „Ochsenturm“ genannt, stand einst auf dem Areal der heutigen Moseleisenbahnbrücke). Die Stadtmauer war ca. neun Meter hoch, einen Meter dick verlief zur Weißergasse, zur Fichel/Löhrstraße, durch das heutige Kleinschmidttsgässje, quer über den Zentralplatz zur Schanzenpforte bis zum Eckturm am Rhein. Darüber hinaus blieb das gute Verhältnis zwischen den beiden Flussstädten Duisburg und Koblenz bis ins 20. Jahrhundert bestehen. Wer weiß eigentlich, dass der Unternehmer Karl Haniel von der bedeutenden Haniel Reederei in Duisburg ein gebürtiger Koblenzer war? Wer weiß noch, dass der Stahlbaron Peter Klöckner nur eine einzige Werft außerhalb von Duisburg besaß? Diese lag in Koblenz und hier war er 1863 geboren worden.

Als Koblenzer noch Duisburger waren

Im Frühjahr 2017 spazierte die Gründerin Kultursalon Koblenz mit einer Kamera bewaffnet den Duisburger Innenhafen entlang, heute eine Museums- und Gastromeile. Und was sie dort entdeckte, hielt sie gleich mit der Kamera fest, den „Koblenzer Turm“. Ein gewaltiges Monument innerhalb der Duisburger Stadtmauer. Ein Stück Koblenz an der Ruhr. Und wie das Schicksal so will, korrespondierte sie im Frühjahr 2018 mit dem Kreativquartier Duisburg, erinnerte sich im Telefongespräch an den Koblenzturm im Innenhafen, recherchierte - und entdeckte eine alte Freundschaft zwischen den ca. 170 Kilometer entfernt liegenden Flussstädten. Diese Freundschaft muss gepflegt werden, beschloss sie, diese ist sensationell, originell, authentischen Ursprungs. Es gelingt ihr, den Chef des Duisburger Kreativquartiers Ruhrort Heiner Heseding sowie die Koblenzer Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz für diese fast 1.000 Jahre alte historische Partnerschaft zu begeistern. Jetzt sitzt auch der Duisburger Kulturchef Thomas Krützberg mit im Boot. Alte Liebe rostet nicht. Sie ist eher ansteckend. Der erste fundierte Informationsaustausch ist bereits im Gange.

Zeit der Archivare

Der Leiter des Koblenzer Stadtarchivs Michael Koelges ist von diesem Projekt entflammt, auch wenn es erst einmal viel Arbeit macht, seinem Kollegen Dr. Andreas Pilger in Duisburg geht es ebenso. Der „Ochsenturm“, den die Duisburger im 13. Jahrhundert für die Koblenzer an der Mosel erbauten, wurde einst von den Franzosen im 18. Jahrhundert wie die Philippsburg gesprengt und geriet daher in Vergessenheit. In den Analen des Koblenzer Stadtarchivs und in Gemälden des Rhein-Museums in Koblenz-Ehrenbreitstein und des Mittelrhein Museums der Stadt Koblenz wird derzeit nach diesem alten Freundschaftsturm geforscht. Mit Erfolg und einer gewissen Leidenschaft. Geschichte wird wieder lebendig. Dürfen die Koblenzer vielleicht mit einem Ochsenturmfest rechnen? Die Duisburger sind bereit für ein Koblenzer Turm-Fest.

Kultur zum Austauschen

Der Kulturaustausch mit der alten Hafenstadt Duisburg wird derzeit repräsentiert durch den Ruhrort, die Wirkstätte von TV-Kommissar Schimanski. Dieser Stadtteil verfügt über den größten Binnenhafen Europas. Die hier ansässige Haniel Reederei ist kunstaffin – mit entsprechender Kunstsammlung, Skulpturenpark, einer Konzerthalle, einem eigenen Museum, Archiv wie einer eigenen Akademie. Duisburg das gut viermal größer als Koblenz, die Stadt an Rhein und Mosel ist. Die Stadt an Rhein und Ruhr hat heute noch, was der ehemaligen Flößerstadt Koblenz fehlt, den wirtschaftlichen Bezug zum Wasser, die einzigartige Hafenatmosphäre und eine besser erhaltene historische Stadtmauer. Der Kulturaustausch der alten Partnerstädte könnte daher recht spannend werden. Was beiden Städten bis heute gemeinsam ist: ihre Bürger sind gastfreundlich, Fremden gegenüber aufgeschlossen, Freundschaften halten hier lange, überdauern sogar ein Jahrtausend. Welche Stadt hat schon so ein Potential?

Willkommen Koblenz

Die Duisburger planen ein Koblenzer Turm-Fest, angedacht ist ein Fest, das alle zwei Jahre gefeiert wird. Es soll am Koblenzer Turm auf der Museums-Meile starten, richtig gefeiert wird dann dort, wo Rhein und Ruhr zusammenfließen – auf der gemütlichen Mühlenweide im Ruhrort. Alle Koblenzer und Freunde der Region sind als Gäste willkommen. Duisburg ist eine Reise wert. Das Kreativquartier Duisburg wird von dem Unternehmen Haniel wohl auch an diesem Tage unterstützt.

Der Kultursalon Koblenz heißt den Kulturaustausch mit Duisburg willkommen und wird für diese besondere Partnerstadt an der Ruhr eine Freundesseite unter dem Stichwort Denkmalpflege einrichten, kontinuierlich über die Historie des „Koblenzer Turms“ und „Ochsenturm“ berichten, Fotos wie Filme zeigen. Freundesschiff ahoi - www.kultursalonkoblenz.de.

Pressemitteilung des

Kultursalon Koblenz

Koblenz besaß im 12. Jahrhundert einen „Ochsenturm“, den ihm die Stadt Duisburg an die Mosel stellte.Stadtarchiv Koblenz

Koblenz besaß im 12. Jahrhundert einen „Ochsenturm“, den ihm die Stadt Duisburg an die Mosel stellte.Foto: Stadtarchiv Koblenz

Der „Koblenzer Turm“ in Duisburg – Zeichen einer wahren Freundschaft. Foto: Petra Lötschert

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