Schlepperfreunde Wienau trafen mit erster großer Traktoren-Veranstaltung den Geschmack des Publikums
Alte Trecker haben eine große Fangemeinde
Wienau. In der Nähe des Flugplatzes, auf dem Firmengelände von Weßler Fenster- und Türenbau, fand am Samstag ein großes Treckertreffen statt. Der junge Verein der Schlepperfreunde Wienau richtete seine erste Großveranstaltung aus. Eine etwas kleinere Treckerschau hatten sie bereits im vorigen Jahr auf die Beine gestellt. Jonas Weßler und Waldemar Neufeld von den Schlepperfreunden Wienau erklärten: „Wir haben voriges Jahr eine kleinere Veranstaltung unter uns Vereinsmitgliedern gemacht. Da waren ungefähr 40 Traktoren. Dabei kam die Idee, nochmal so ein Treffen zu organisieren, aber diesmal größer und mit mehr Werbung.“ Aus allen Himmelsrichtungen tuckerten am Samstag kleine und große landwirtschaftliche Fahrzeuge Richtung Wienau und folgten der guten Beschilderung bis in die Feldstraße. Auf einer großen Wiese direkt neben der Landebahn des Flugplatzes stellten die stolzen Besitzer ihre kostbaren Schätze in Reih und Glied auf. Auf dem Firmengelände von Weßler waren Strohballen zum Spielen für die Kinder verteilt, es gab eine kleine Kaninchen- und eine Hühnerschau und in einer Halle servierten Vereinsmitglieder Speisen und Getränke an die Besucher. Zur Unterhaltung der Zuschauer gab es kleine Wettbewerbe für die Treckerfahrer: Auf einer Holzwippe mussten sie ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen und millimeterweise so weit vorfahren, bis die Wippe frei schwebte. Dieter Weßler war einer der ersten, dem das mit seinem roten Porsche-Trecker gelang. An einem kurzen, steilen Hang konnten die Trecker ihre Schleppkraft unter Beweis stellen. Je nach Stärke des Zugfahrzeugs wurden ein schwererer größer Traktor angehangen oder sogar an diesen noch ein Anhänger.
Mit Gas und Bremse konnte das gezogene Fahrzeug den Ziehenden unterstützen oder etwas abbremsen, wenn die Prüfung zu leicht gelang.
Spannende Geschichten
Aber wichtiger als Leistung sind den meisten Schlepperfreunden die Geschichten, die sie zu jedem Fahrzeug zu erzählen haben. Ein Opa mit seinen Enkelkindern erinnerte sich beim Anblick eines Oldtimers an die Zeiten in Russland, wo er einen von einem Holzvergaser angetriebenen Schlepper auf Eisenrädern gesteuert hatte. Auch die Ersatzteilbeschaffung und die erforderlichen Reparaturen oder Nachlackierungen bieten bei jedem Trecker Stoff für stundenlange Erzählungen. Immer handelt es sich dabei auch um ein Stück deutsche oder internationale Wirtschaftsgeschichte.
Wechselvolle Geschichte
Denn die Hersteller der Traktoren machten im Laufe der Jahrzehnte auch eine wechselvolle Geschichte durch. Manchmal werden die in der Landwirtschaft eingesetzten Fahrzeuge im Ruhestand besser behandelt als die Autos. „Mein restaurierter Traktor steht in der Garage. Ich hole ihn nur raus,
wenn es nicht regnet“, sagt ein Besucher aus Raubach.
Der Verein der Schlepperfreunde Wienau umfasst momentan 20 bis 30 Mitglieder, „Tendenz nach oben!“ sagt Jonas Weßler. Wer erwarten würde, dass es hauptsächlich rüstige Rentner sind, die sich für alte landwirtschaftliche Technik interessieren, der irrt. Die Wienauer Schlepperfreunde sind zwischen 8 und 80 Jahre alt, der Großteil der Organisatoren der jüngsten Veranstaltung dürfte nicht viel älter sein als 20. Demnächst sind regelmäßige Treffen der Clubmitglieder geplant. Aufgenommen werden auch Mitglieder aus anderen Ortschaften. Mit ihren Traktoren fahren sie zu vielen anderen Veranstaltungen. Isenburg gehört dazu, aber auch Rückeroth, Mündersbach, Gieleroth, Eichelhardt oder Maroth. Von alt bis neu ist bei den Maschinen alles dabei. Auch die Größen der Fahrzeuge variieren sehr stark. Zu den kleinsten gezeigten Geräten gehörten ein Deutz oder ein Lanz Bulldog. Die großen Trecker erinnern schon eher an Lkws. Sie sind mit bis zu 200 PS motorisiert. Die Kosten für so ein Fahrzeug sind leicht auszurechnen: „1.000 Euro pro PS“, sagt Waldemar Neufeld. So ein Ungetüm ist ein gezeigter österreichischer Steyr-Traktor mit 170 PS. Seine Mähwerke haben zusammen eine Arbeitsbreite von 9,40 Meter und er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Die kleinsten Trecker der Schlepperfreunde haben 15 oder 20 PS und sind teilweise schon bis zu 70 Jahre alt.
Alte Trecker als Wertanlagen
Aber auch sie sind nicht (mehr) für einen Appel und ein Ei zu haben: „Alte Trecker kann man schon als Wertanlage bezeichnen. Sie steigen momentan unheimlich im Preis. Unseren Porsche haben wir vor zehn Jahren für 1.850 Euro gekauft. Momentan hat er einen Wert von 8.000 Euro“, berichtet Jonas Weßler. „Einen Lanz Bulldog Baujahr 1950 bekommt man nicht mehr unter 15.000 Euro“, ergänzt Waldemar Neufeld. Sowohl die Zahl der Treckertreffen nehme kontinuierlich zu, haben die beiden beobachtet, wie auch die Größe der Fangemeinden für die alten Fahrzeuge. Und das sei keine Frage des Alters.
Ans Ende der diesjährigen Veranstaltung haben die Schlepperfreunde wieder - wie schon voriges Jahr - eine Rundfahrt durchs Dorf gestellt, an dem diesmal deutlich mehr Trecker teilnahmen als bei dem kleinen Treffen vor einem Jahr. Das die Schlepperfreunde nicht nur an Technik denken, sondern auch mit offenen Augen und Ohren die Not von Menschen in anderen Teilen der Welt wahrnehmen, beweisen sie mit der Absicht, einen Teil des Erlöses der Veranstaltung einem Kinderdorf auf Haiti zu spenden.
