Allgemeine Berichte | 16.12.2022

1. Bundeskönigin unterstützt Interventionsstelle der Caritas Rhein-Wied-Sieg

Andrea Reiprich hilft Opfern von Gewalt

Exklusiver Charity-Pin kommt Betroffenen zugute

Lichtblicke für Frauen in Not schaffen ist das Ziel der Benefizaktion von Bundeskönigin Andrea Reiprich und ihrem Prinzgenmahl Thomas Herschbach zugunsten der Interventionsstelle der Caritas Rhein-Wied-Sieg in Neuwied. In Szene gesetzt wird die Wohltätigkeitsaktion durch den Charity-Pin, dessen Erlös der Caritas-Stelle zu Gute kommt und der sich auch auf den Tafeln des Grafikers Lutz Lehrach wiederfindet. Foto: HOERB Kommunikation

Kreis Neuwied. Ihren historischen Triumph empfindet sie nach eigenen Worten als „ein großes Glück“. Solches muss man sich bekanntlich verdienen, es wird aber auch größer, wenn es geteilt wird. Da ist es nur konsequent, dass sich Andrea Reiprich, 1. Bundes(schützen)königin in der fast hundertjährigen Geschichte des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, und ihr Prinzgemahl Thomas Herschbach im Rahmen ihrer „royalen“ Amtszeit für einen wohltätigen Zweck engagieren.

Genau genommen handelt sich beim Adressaten der Hilfe um die Interventionsstelle Neuwied (IST) der Caritas Rhein-Wied-Sieg. Dort erfahren Opfer in Stadt und Landkreis Neuwied, die von körperlicher und psychischer Gewalt in engen sozialen Beziehungen und von Stalking betroffen sind, Unterstützung in Form eines direkten und leicht zugänglichen Beratungsangebots. Eingerichtet wurden solche sozialen Brückenköpfe vom Land Rheinland-Pfalz; die Interventionsstelle in Neuwied besteht seit September 2008.

Unter anderem werden die Betroffenen dort über ihre rechtlichen Möglichkeiten nach dem Gewaltschutzgesetz informiert; zudem erhalten sie Hilfe bei der Antragsstellung vor Gericht und beim Umgang mit Behörden. Das Augenmerk der Interventionsstelle gilt dabei auch den Kindern, die von der Gewalt zumeist mitbetroffen sind.

Das Thema der Gewalt in Partnerschaften ist von trauriger bundesweiter Aktualität. Seit 2015 wertet das Bundeskriminalamt (BKA) Gewalt in Partnerschaften in ganz Deutschland statistisch aus. In seiner Analyse erfasst das BKA die Opfer von vollendetem Mord und Totschlag sowie Körperverletzung mit Todesfolge durch Partnerschaftsgewalt. Die Opfer sind zu fast 90 Prozent Frauen. Im Jahr 2021 starben 113 Frauen und 14 Männer durch Gewalt in der Partnerschaft.

Diese Zahlen hat auch die 1. Bundeskönigin vor Augen: „Es wäre im Sinne der Betroffenen wirklich wünschenswert, wenn auch im Landkreis Neuwied ein Frauenhaus eingerichtet würde“, erklärt Andrea Reiprich.

Ebenfalls im vergangenen Jahr registrierte das BKA in der Summe 146.655 Fälle von körperlicher und psychischer Gewalt - beispielsweise Nötigung - in einer bestehenden oder ehemaligen Partnerschaft. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre ist dies eine Steigerung um 3,4 Prozent. Aus einem Bericht des Bundeskriminalamtes geht darüber hinaus hervor, dass es in ganz Deutschland jeden Tag einen polizeilich registrierten Tötungsversuch an einer Frau gibt. Fast jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners.

Die Soziologin Diane Russel prägt dafür bereits im Jahr 1976 den Begriff „Femicide“ (Femizid), unter dem die vorsätzliche Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind, zusammengefasst wird. Femizide sind vor dem Hintergrund geschlechtsspezifischer Macht und Hierarchieverhältnisse zu sehen und werden besonders häufig durch männliche Partner oder Ex-Partner verübt. In ihrer Einschätzung sind sich Juristen und Psychologen zumeist einig: Der Mann wähnt sich in dem Glauben, dass die Frau ihm gehört, er die totale Macht über sie hat. Ein solches Besitzdenken in der Selbstgewissheit, bestimmen zu können, was die Partnerin macht, ist nicht an eine bestimmte soziale Herkunft gebunden. Die Täter kommen vielmehr aus allen Schichten; es gibt eben nicht den einzigen Täter-Typus, sondern jeder kann Täter werden. Zugleich bleibt Gewalt in sozialen Beziehungen oft verborgen. Viele haben Angst, zur Polizei zu gehen, weil sie fürchten, dass ihnen nicht geglaubt wird. Die Dunkelziffer vermisster und schwer verletzter Betroffener, zumeist eben Frauen, kennt niemand.

Somit kommt Interventionsstellen wie in Neuwied eine äußerst wichtige Funktion zu. Die Opfer müssen beim Polizeieinsatz lediglich zustimmen, dass Sie mit einer Weitergabe ihrer Daten an die Interventionsstelle einverstanden sind. Dann erhält die Interventionsstelle die Daten von der Polizei und meldet sich zeitnah bei den Betroffenen. Man bezeichnet dies als „proaktiven Ansatz“, es ist eine zugehende Beratung auf die oft traumatisierten Menschen, denen vielleicht die Kraft fehlt, von sich aus eine Beratung zu suchen.

Da es im Landkreis Neuwied keine andere Beratungsstelle für Opfer von Gewalterfahrungen gibt, können sich Leidtragende auch ohne vorherigen Polizeieinsatz melden. Manche finden von sich aus den Weg zur Beratung, andere werden über das Jugendamt, den Kindergarten, Schule, Freunde oder Familie an die Interventionsstelle vermittelt. Pro Jahr bekommt die Interventionsstelle rund 140 Meldungen von Frauen, die Gewalt erleben, davon sind ca. 2/3 Meldungen über die Polizei, die anderen melden sich von selbst.

Die wichtigste Aufgabe der Beraterinnen ist es zunächst, mit den Notleidenden ihre Gefährdungssituation zu klären und mögliche Maßnahmen zu ihrem Schutz und zum Schutz ihrer Kinder, zu besprechen. Finanzielle Fragen, mögliche Folgen einer Trennung für sie und die Kinder oder auch Bedingungen für einen Verbleib in der Beziehung sind neben vielen anderen Fragen Gegenstand der Beratung. Weiterhin wird besprochen, welche weiteren Unterstützungsmöglichkeiten durch andere Institutionen oder durch ihr soziales Umfeld bestehen. Vorrangig ist die Beratung eine eher kurzzeitige Krisenintervention, aber manche Betroffene werden auch über Monate begleitet, bis sich deren Situation stabilisiert hat.

Die finanzielle Not der Opfer ist oft groß, so zum Beispiel bei Frauen, wenn sie keinen Zugang zu einem Konto haben, das alleine der Mann verwaltet. Bei einer Trennung stehen sie dann völlig mittellos da, und bis die staatliche Hilfen anlaufen, dauert es einige Zeit. Für andere müssen Fahrtkosten in ein Frauenhaus oder zu Verwandten finanziert werden, wo sie in Sicherheit leben können.

Alles in allem gute Gründe, weshalb sich die 1. Bundeskönigin für ihr Engagement für Opfer von Gewalt in sozialen Beziehungen entschieden hat. „Uns ist es wichtig, ausdrücklich allen Opfern und eben nicht nur Frauen zu helfen. Mit meinem Lebensgefährten Thomas Herschbach habe ich mich dafür entschieden, unsere Wohltätigkeits-Aktion mit einem eigens gestalteten „Charity-Pin zugunsten der Caritas-Interventionsstelle auch sichtbar zu machen“, unterstreicht die Bundeskönigin.

Der Bundeskönigin-Pin ist unter anderem an folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Blumen Reiprich, Ringmarkt 5, Neuwied sowie in Waldbreitbach: Auen-Eck Pflegeservice Accessoires, Marien-Apotheke und in der Tourist-Info.

Lichtblicke für Frauen in Not schaffen ist das Ziel der Benefizaktion von Bundeskönigin Andrea Reiprich und ihrem Prinzgenmahl Thomas Herschbach zugunsten der Interventionsstelle der Caritas Rhein-Wied-Sieg in Neuwied. In Szene gesetzt wird die Wohltätigkeitsaktion durch den Charity-Pin, dessen Erlös der Caritas-Stelle zu Gute kommt und der sich auch auf den Tafeln des Grafikers Lutz Lehrach wiederfindet. Foto: HOERB Kommunikation

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