Allgemeine Berichte | 18.11.2015

Bad Emser Friedensmarsch zur Martinskirche

Angst entschuldigt keine Gewalt

Grenzerfahrungen lassen um Weisheit und Frieden bitten

Ein schlichtes Holzkreuz auf dem Altar, das von einem vor Lampedusa gekenterten Boot stammt.privat

Bad Ems. „Die vergangenen Tage haben uns gezeigt, wie machtlos wir gegenüber gewaltbereiten Menschen sind“, sagte der katholische Diakon Bernhard Müller, als er die Besucher des Bad Emser Friedensmarsches in der voll besetzten Kirche St. Martin begrüßte. Von zwei Seiten der Kurstadt aus hatten sich die Menschen dorthin auf den Weg gemacht, um auf Einladung der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde gemeinsam für den Frieden zu beten. Anhand biblischer Verse machten die Liturgen Hans-Georg Kreuseler von der evangelischen Kirchengemeinde und Wolfgang Dott von der jüdischen Gemeinde in Neuwied zusammen mit den Besuchern deutlich, dass keiner ein Recht habe, über andere zu richten. Im Vers heißt es dazu weiter: „Richtet vielmehr, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgerns darstelle.“ Wie schwierig das im Alltag ist, machte Vikarin Iris Schneider-Ungar deutlich, als sie über die Grenzerfahrungen in der Begegnung von Menschen sprach; insbesondere die mit den vielen in Deutschland Zuflucht suchenden Flüchtlingen, die anders aussehen und eine fremde Sprache sprechen. „Das kann auch verunsichern oder Angst machen“, so Schneider-Ungar. „Aber Angst darf nicht zur Entschuldigung für Gewalt werden!“

Unsicherheit müsse nicht verurteilt, sondern wahrgenommen und ausgesprochen werden, um dann nach Wegen zu suchen, sie zu überwinden.

Christen dürften für diesen Weg Gott um Weisheit, Kraft und Liebe bitten. An die Not der Flüchtlinge erinnerte auch ein schlichtes Holzkreuz auf dem Altar, das von einem vor Lampedusa gekenterten Boot mit Flüchtlingen stammt. Kerzen, die an die Besucher ausgeteilt wurden, symbolisierten den Wunsch nach Frieden in der Welt. Die Teilnehmer des Marsches, unter ihnen Josef Oster, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Ems, und Josef Winkler, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), dankten dafür, in einem Land leben zu dürfen, in dem Frieden herrscht und jeder ein Dach über dem Kopf zum Schlafen finden könne, was weltweit überhaupt keine Selbstverständlichkeit sei.

„Wir streben doch alle Frieden an, ganz gleich ob und welcher Religion wir angehören“, sagte Dr. Hildegard Simons von der katholischen Kirchengemeinde, die den Teilnehmern für ihre Solidarität dankte und im Namen der Vorbereitungsgruppe anregte, den Friedensmarsch zu einer alljährlichen Aktion zu machen. Die Bitte um Frieden in der Martinskirche hatte Lutz Brenner an der Orgel musikalisch begleitet.

Ein schlichtes Holzkreuz auf dem Altar, das von einem vor Lampedusa gekenterten Boot stammt.privat
Von zwei Seiten hatten sich die Menschen auf den Weg zur Kirche St. Martin gemacht.privat

Von zwei Seiten hatten sich die Menschen auf den Weg zur Kirche St. Martin gemacht.Foto: privat

Ein schlichtes Holzkreuz auf dem Altar, das von einem vor Lampedusa gekenterten Boot stammt.Foto: privat

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