Allgemeine Berichte | 24.05.2022

Anmerkung zu 75 Jahre Rheinland-Pfalz

Die Skepsis gegenüber dem von der französischen Militärregierung geschaffenen Bundesland war auch im Kreis Ahrweiler zunächst groß

Kreis Ahrweiler.Das von der französischen Militärregierung nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Besatzungszone geschaffene neue Bundesland wurde durch freie und geheime Wahlen „von unten nach oben“ legitimiert. Auf die ersten Gemeinderatswahlen am 15. September 1946 folgten am 13. Oktober 1946 Kreistagwahlen und schließlich am 18. Mai 1947 Landtagswahlen, die mit dem Volksentscheid über die Landesverfassung und die Schulfrage in Rheinland-Pfalz verknüpft waren. Während auf Landesebene die Verfassung von Rheinland-Pfalz mit einem denkbar knappen Ergebnis von 50,3 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde, votierten im Kreis Ahrweiler 79,1 Prozent der Wähler dafür. Für den Schulartikel, der die Bekenntnisschule forderte, im AW-Kreis sogar 84,7 Prozent. Landesweit sprachen sich 52,4 Prozent für diese Schulen aus. Erst unter Helmut Kohl wurde die Bekenntnisschule flächendeckend abgeschafft. Sie zeitigte mancherorts geradezu absurde Zustände. So erlebten wir noch Anfang der 1960-er Jahre in Niederbreisig, dass im gleichen Gebäude eine katholische und evangelische Volksschule untergebracht waren. Getrennt nach Konfessionen waren sogar die Außenklos. Allerlei Hänseleien bis hin zu gehässigen Pöbeleien und Schlägereien auf dem Schulhof der Volksschule sind mir noch in lebhafter Erinnerung.

Die Entwicklung des Landes Rheinland-Pfalz, das lange als Land der „Rüben und Reben“ galt, wurde sehr skeptisch betrachtet. Im Kreis Ahrweiler spielten dabei die starken, geschichtlich gewachsenen Bindungen an den Köln-Bonner-Raum eine zentrale Rolle. Vor diesem Hintergrund lässt uns heute eine Äußerung schmunzeln, die im Protokoll der 7. Kreistagssitzung vom 26. Mai 1951 festgehalten ist. Rheinland-Pfalz wurde danach als Land ohne Zukunft angesehen:

„Kreistagsmitglied Beu schloss sich der Stellungnahme des Kreistagsmitgliedes Schütz hinsichtlich der Nichtlebensfähigkeit des Landes Rheinland-Pfalz an und machte den Vorschlag, Bittgottesdienste abzuhalten, damit ein guter Gott gnädig sei, dass das von Frankreichs Gnaden und Diktat geschaffene, nicht existenzfähige Land bald aufgelöst würde.“ Was für eine Fehleinschätzung!

Übrigens saß Eduard Schütz für die CDU und Josef Beu für die SPD im Ahrweiler Kreistag. Rheinland-Pfalz hat sich allen Unkenrufen der frühen Jahre zu einem blühenden, modernen Bundesland entwickelt, mit dem sich längst die Mehrheit der Bewohner identifiziert und gegen dessen Auflösung heute gewiss protestiert würde. Das Land kann stolz auf seine 75-jährige Geschichte zurückblicken, die Anlass zum fröhlichen Feiern beim Rheinland-Pfalz-Tag in Mainz ist. Herzlichen Glückwunsch Rheinland-Pfalz!

Leonhard Janta

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