Ahrweiler feierte Weinfest bei Kaiserwetter
Annika Schooß begeistert als Burgundia
Der traditionelle Festzug am Sonntag lockte erneut die Besuchermassen an
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit vielen Jahrzehnten stehen in Ahrweiler die ersten beiden Septemberwochenenden ganz im Zeichen des Ahrweins. Wie eh und je machte jetzt das viertägige Winzerfest den Anfang und versetzte die Rotweinmetropole in einen vinophilen Ausnahmezustand. Dabei steht der Ahrweiler Marktplatz mit Bühne, Ständen und rustikalen Sitzgelegenheiten im Mittelpunkt des Geschehens, auch zum Festauftakt, wenn am Freitagabend die neue Burgundia proklamiert wird.
Mehr als 100 Termine
Zuvor galt es jedoch, die scheidende Regentin Irena Schmitz feierlich zu verabschieden. Mehr als 100 offizielle Termine hat Irena Schmitz während ihrem Regentschaftsjahr als Weinkönigin von Ahrweiler wahrgenommen, dabei viele Menschen kennengelernt und als überaus sympathische Botschafterin ihrer Heimatstadt viele neue Freunde für den Ahrwein gewonnen. In bewegenden Abschiedsworten dankte Irena Schmitz allen Unterstützern und vor allem ihrer Familie. „Ich werde dieses Jahr niemals vergessen“, so Irena Schmitz, die als Ahrweinkönigin noch einige Zeit die Ahr und ihre Winzer repräsentiert. Aus den Händen ihrer Burgundia-Vorgängerin Theresa Ulrich erhielt sie anschließend die „Burgundienkette“, womit sie automatisch Teil des „Burgundienstammtischs“ aller ehemaligen Ahrweiler Weinköniginnen wird. Die am nächsten scheidende Weinkönigin, Denise Gemke aus Bachem, hatte ein Erinnerungsbild im Gepäck, die Chorgemeinschaft MGV Ahrweiler/MGV Lyra Walporzheim sang ein Abschiedsständchen.
Eine schöne Tradition ist auch die alljährliche Ehrung der Jubiläumsweinköniginnen. In diesem Jahr waren dies Goldjubilarin Hildegard Willerscheid geborene Ulrich und Silberjubilarin Alexandra Rohleder geborene Küls, die mit viel Applaus bedacht wurden. Sie habe zu ihrer Amtszeit nicht so viele Termine wahrnehmen müssen, wie eine Königin heutzutage, gab Hildegard Willerscheid zu Protokoll. Allerdings sei sie acht Tage bei der „ANUGA“-Messe in Köln zu Gast gewesen. Alexandra Rohleder sammelte als Burgundia-Page schon zehn Jahre vor ihrer eigenen Regentschaft Erfahrungen in Sachen Weinkönigin.
Je später es wurde, desto mehr stieg auf dem Marktplatz die Spannung. Wer wird in der Saison 2017/2018 Ahrweiler als Burgundia vertreten? Bis schließlich Musik, Fackelgeleit und ein offenes Cabriolet endlich die neue Majestät ankündigten. Im strahlend roten Kleid wurde Annika Schooß samt Bacchus Bernd Krah auf die Bühne geleitet und der jubelnden Menge präsentiert. Die neue Burgundia ist 26 Jahre jung und die insgesamt 72. Ahrweiler Weinkönigin seit 1936. Bereits ihre Mutter Rosel Schooß geborene Kriechel amtierte im Jahr 1986 als Burgundia, ebenso ihre Großmutter Helene Schooß.
Annika Schooß studiert derzeit Lehramt an der Universität Koblenz Landau und widmet sich in ihrer Freizeit gern dem Zeichnen und der Malerei. Wein-affin ist sie dank der familiären Beziehung zum Traditionsweingut Peter Kriechel schon seit Kindertagen und kennt alle Facetten des Weinanbaus. Bürgermeister Guido Orthen war erster Gratulant der neuen Burgundia und hatte für Vorgängerin Irena Schmitz den „Stadtring“ als Erinnerungsgeschenk dabei.
Schon immer ein Traum
In ihrer Begrüßungsansprache sagte Annika Schooß, dass es für jedes Ahrweiler Mädchen ein Traum sei, einmal als Burgundia zu amtieren. Sie selbst habe durch die Arbeit im familiären Weingut Kriechel - egal ob im Weinberg oder im Weinstand - die hohe Qualität des Ahrweins kennengelernt. „Die Handlese zeichnet den Ahrwein aus, das ist auch zu schmecken. Jeder sollte das Wochenende nutzen, um sich von der einzigartigen Qualität der Weine zu überzeugen“, rief Annika Schooß den Besuchern zu, bevor sie anschließend das Weinfest offiziell eröffnete, musikalisch begleitet von der Musikvereinigung Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Der Winzerfest-Samstag bot bei Live-Musik der Gruppe „Skybagg“ beste Partystimmung. Sonntags folgte mit dem großen Festzug das unbestrittene Highlight des Winzerfestes. Ihn auch am Samstag durch Ahrweiler ziehen zu lassen, darauf verzichteten die Veranstalter in diesem Jahr. Unverändert blieb die zuverlässige „Bewachung“ aller Ahrweiler Stadttore durch die St. Sebastianus Bürger-Schützen. Wahre Besuchermassen säumten den Zugweg und knubbelten sich auf dem Marktplatz. Die Gäste kamen aus allen Himmelsrichtungen. Ob aus dem Schwabenland, dem Sauerland, den Benelux-Ländern, England oder sogar den USA - das Ahrweiler Wzzaus aller Welt.
Angeführt von der freiwilligen Feuerwehr folgte der Winzernachwuchs „Karst und Pickel“ der Grundschule Ahrweiler. Mit Sonnenblumenwagen und zünftigen Kostümen wartete das Team der AKNZ auf, die Chorgemeinschaft Ahrweiler-Walporzheim setzte bei ihrem Festwagen ebenfalls auf florale Kunst - Lyra, Weinflasche und Weinglas aus Blüten begeisterten die Zugbesucher.
Historische Weinpresse
Traditionelles bot die Kolpingfamilie Ahrweiler mit historischer Weinpresse, Bottich und überdimensionalen Trauben. An die zu Ehren des heiligen Sebastian gestiftete Glocke erinnerten die St. Sebastianus Bürger-Schützen mit ihrem kreativen Wagen und geizten dabei nicht mit dem Ausschank köstlichen Ahrweiler Rotweins.
Dies traf auch auf die Crew der Weinmanufaktur Walporzheim zu, die mit ihren Mönchs- und Nonnengewändern samt Kloster-Marienthal-Nachbau zu den originellsten Gruppen des Zugs gehörten. Ausgerüstet mit praktischem Bollerwagen war auch eine Formation der Phillipp-Freiherr-von-Boeselager-Realschule plus dabei, die Damen der KFD St. Laurentius zeigten nicht nur ein stilechtes Mühlrad, sondern verteilten auch jede Menge selbst gebackenen Kuchen. Und auch die Jungs und Mädels der Ahrweiler Karnevalsgesellschaft schenkten jede Menge „Ruude“ aus, hatten sie doch gleich entsprechende „Wirtsschürzen“ an.
Eigener Motivwagen
In edler Tracht zogen die Ahrweiler Möhnen durch ihre Heimatstadt. Silberjubilarin Alexandra Rohleder, zu deren Ehren ein eigener Motivwagen dabei war, wurde im edlen Cabriolet chauffiert, genau wie Ahrweinkönigin Irena Schmitz. Das Team des Ahrweiler Winzervereins wusste nicht nur mit edlen Tropfen, sondern auch mit Rotweinkuchen zu gefallen. - mit mindestens sechs Eiern und einem Viertelliter Ahr-Spätburgunder. Eingerahmt in einen „Stadttorewagen“ grüßten die Weinköniginnen aus Walporzheim, Bachem und Heimersheim die Menge, während der Burgundienstammtisch in seinen Trachten fast schon Oktoberfest-Flair versprühte.
Überragt von einem riesigen Blumenherz überblickte Goldjubilarin Hildegard Willerscheid das Geschehen. Bacchus Bernd Krah thronte wie immer hoch oben auf seinem riesigen Weinfass. Natürlich durfte auch der Jubiläumswagen des Weinguts Peter Kriechel nicht fehlen, ebenso wenig wie der „Fahnenwagen“ der Junggesellen-Schützen samt Ahrweiler Stadttoren. Den festlichen Abschluss bildete der prunkvolle, von zwei weißen Rössern gezogene Festwagen von Burgundia Annika Schooß, die bei wahrem Kaiserwetter ein strahlendes Bild abgab.
Mit der Musikvereinigung Niederheckenbach, der Musikvereinigung Lantershofen, den „De Joekkels“ aus der Niederlande, der Musikkapelle Spay, dem Spielmannszug Freiweg Sinzig, der Musikvereinigung Bad Neuenahr-Ahrweiler und dem Spielmannszug Ahrweiler waren gleich sieben erstklassige Musikformationen vertreten. Wie es guter Brauch ist, beendete das montägliche Brillant-Höhenfeuerwerk hoch über den Bergen der Rotweinstadt das Winzerfest. Bereits am Wochenende steht mit dem Weinmarkt das nächste hochkarätige Wein-Event in Ahrweiler an.
Die Kolpingfamilie Ahweiler hatte beim Festzug Weintrauben dabei.
Aus den Händen ihrer Vorgängerin Irena Schmitz erhält die neue Burgundia von Ahrweiler, Annika Schooß, flankiert von Bacchus Bernd Krah, die Weinköniginnen-Amtskette.
Auch die Jubiläumsweinköniginnen Hildegard Willerscheid geborene Ulrich (50 Jahre) und Alexandra Rohleder geborene Küls (25 Jahre) wurden auf der Bühne geehrt.
Weinselige Mönche der Weinmanufaktur Walporzheim.
