Allgemeine Berichte | 24.05.2024, 15:00 Uhr

Jutta Hansen stellte in Mendig Forschung über Schicksal der Juden in Nickenich vor

Antisemitismus, eine Erscheinung erst unserer Zeit?

Jutta Hansen las aus ihrem Buch „Lehitraot Nickenich“ – Ein letzter Blick zurück, Nickenich und die Schicksale der jüdischen Familien vor.  Foto: Hans-Peter Kranz

Mendig.Jutta Hansen, gebürtige Nickenicherin, spürt seit Beginn der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts den Lebensgeschichten der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger von Nickenich nach. Auslöser war das Lesen des Tagebuchs der Anne Frank im Religionsunterricht. Daraus stellte sich der Schülerin die Frage: Gab es in meinem Heimatort auch Juden und wie ist es ihnen ergangen. Die Frage stellte sie auf Anregung ihrer Lehrerin ihrem Großvater. Er, Katholik, war selbst erst 1938 mit seiner Familie im Rahmen von Aufrüstungsmaßnahmen nach Nickenich umgesiedelt worden. Als Landwirt hatte er wie selbstverständlich Kontakt mit jüdischen Mitbürgern, die vielfach als Viehhändler ihren Lebensunterhalt bestritten. Er wurde 1942 aufgefordert, die beiden letzten jüdischen Mitbürger:innen von Nickenich Simon und Jeanetta Eggener zu ihrem Deportationszug nach Koblenz-Lützel zu fahren. Da die beiden sonst keine Möglichkeit hatten ihr Hab und Gut mitzunehmen, fuhr er die beiden mit einem Heuwagen zum Bahnhof. Dort spielten sich schreckliche Szenen ab. Die Eggeners wurden in verschiedene Wagons gesperrt, ihr Gepäck verblieb am Bahnhof und Jutta Hansens Großvater wäre um ein Haar mit deportiert worden. Das war das letzte Lebenszeichen der Eggeners.

Nun startete Jutta Hansen ihre Sisyphusarbeit, Informationen über das Schicksal der jüdischen Mitbürger:innen zu sammeln. Sie durchstöberte Archive, befragte Zeitzeugen, machte Nachfahren ausfindig, übersetzte Dokumente und trug die Informationen in mühsamer Kleinarbeit im Zeitalter vor dem Internet zusammen. In jüngerer Zeit wurde ihre Arbeit durch den Zugang zu Archiven auch im Internet wesentlich vereinfacht. So trug sie Informationen über Schicksale zusammen, die man in der heutigen Zeit nicht vergessen darf.

In der anschließenden Gesprächsrunde mit den Zuhörer:innen blieb die Frage offen, warum sich heute noch diese Vorurteile gegenüber der jüdischen Gemeinschaft halten, obwohl Religion in der heutigen Gesellschaft nicht mehr eine so große Rolle spielt und jüdische Mitbürger:innen in unserer Gesellschaft zahlenmäßig nur eine sehr kleine Minderheit ausmachen. Ebenso offen blieb, wie wir in Zukunft die nachfolgenden Generationen für den Auftrag „Nie wieder!“ sensibilisieren können, wenn immer weniger Zeitzeugen leben, die authentisch von ihrem Schicksal berichten können. Als Fazit blieb, dass wir mit dem Grundgesetz, das an diesem Tag 75 Jahre in Kraft war, ein starkes Schwert in Händen halten, um für das „Nie wieder!“ einzutreten. Eine Jede und ein Jeder ist deshalb angehalten, sich für den Erhalt des Grundgesetzes einzusetzen.

Jutta Hansen las aus ihrem Buch „Lehitraot Nickenich“ – Ein letzter Blick zurück, Nickenich und die Schicksale der jüdischen Familien vor. Foto: Hans-Peter Kranz

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Hausmeister, bis auf Widerruf
Image
Ahrweiler Weinwochen
Anzeige "Filiale Remagen"
Stellenanzeige Elektroniker
Anzeige On Air
Ahrweiler Weinwochen
Empfohlene Artikel
Kino & Vino sind schon seit Jahren ein echter Dauerbrenner.
16

Neuwied. Es gibt Kombinationen, bei denen man sich fragt, wer eigentlich zuerst auf die Idee gekommen ist. Kino und Popcorn? Klar. Kino und Nachos? Von mir aus. Aber Kino und Wein? Im Neuwieder Metropol hat man längst festgestellt: Das passt nicht nur, das funktioniert sogar ausgesprochen gut. Auch die zweite Ausgabe von „Kino & Vino“ in diesem Jahr war am Sonntagabend restlos ausverkauft.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Ramersbacher Straße in Ahrweiler. Foto: ROB
594

Verkehrsteilnehmer müssen sich auf Einschränkungen einstellen

Ab 07.09.: Ahrweiler: Ramersbacher Straße wird voll gesperrt

Ahrweiler. Ab Montag, 7. September 2026, muss die Ramersbacher Straße in Ahrweiler ab der Ahrtorbrücke bis zur Einmündung „Eifelstraße“ voll gesperrt werden. Grund hierfür ist Straßen- und Kanalbauarbeiten. Die Sperrung wird voraussichtlich ein Jahr andauern. Die Umleitung erfolgt über die L 85 und L 83 über Schalkenbach sowie Königsfeld und umgekehrt.

Weiterlesen

Die Stadtsoldaten Andernach feiern ihr traditionelles Grillfest auf dem Krahnenberg
508

Grillfest der Stadtsoldaten Andernach war ein voller Erfolg

„Heut mache mer e Türsche off de Krahneberg“

Andernach. Am 15. August veranstalteten die Stadtsoldaten Andernach ihr traditionelles Grillfest für alle Mitglieder und Freunde des Vereins. Erstmalig konnten die Rot-Gelben dafür das Turnerbundheim „Jüpp Neuhaus“ als Veranstaltungsort gewinnen. Ein besonderer Dank geht an den Turner-Bund Andernach für das entgegengebrachte Vertrauen. Kommandant Michael Krebs konnte über den Nachmittag verteilt über 100 Stadtsoldaten bei sonnigem Wetter auf dem Krahnenberg begrüßen.

Von Aaron Friedland aus Andernach

Weiterlesen