Allgemeine Berichte | 18.10.2017

Ökumenische Hospizgruppe Rheinbach-Meckenheim-Swisttal

Auch der letzte Lebensabschnitt verdient so viel Lebensqualität wie möglich

Um das Thema machen viele einen großen Bogen – „Was will ich noch tun – bevor ich den Löffel abgebe?“

Bei der Eröffnung der Hospizinfo im Raiffeisenhaus Rheinbach stellten die drei Bürgermeister den ersten „Edel-Smoothie“ mit dem Saft-Fahrrad her (von links): Dieter Engels von der Ökumenischen Hospizgruppe, Bürgermeister Bert Spilles, Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner, Bürgermeister Stefan Raetz und Manfred Engler von der Hospizgruppe.  JOST

Rheinbach. „Es handelt sich um ein Thema, das uns eigentlich alle beschäftigen muss, um das aber viele einen großen Bogen machen“, so charakterisierte Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles die Arbeit der Ökumenischen Hospizgruppe Rheinbach-Meckenheim-Swisttal. Die stellte am Wochenende anlässlich des Welthospiztags mit einem Aktionsstand im Foyer des Raiffeisenhauses in Rheinbach ihre Arbeit vor. „Jeder Moment ist Leben“, so lautete das Thema, mit dem die Hospizgruppe klarmachen wollte, dass auch schwere Krankheit, Sterben und Tod Teil des Lebens seien. Neben Spilles wohnten der Eröffnung auch seine beiden Bürgermeister-Kollegen Stefan Raetz (Rheinbach) und Petra Kalkbrenner (Swisttal) bei.

„Auch der letzte Lebensabschnitt verdient so viel Lebensqualität wie möglich“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Dieter Engels bei der Eröffnung des Aktionsstands. Nach diesem Prinzip habe das Land Nordrhein-Westfalen ein nahezu flächendeckendes Netz von Diensten und Einrichtungen im Hospiz- und Palliativbereich aufgebaut. Eine Vielzahl von professionell und ehrenamtlich Engagierten stehe schwerstkranken und sterbenden Menschen sowie ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite. „Mit einer guten Versorgung, Zuwendung und Unterstützung machen sie es möglich, dass Menschen auch die letzte Lebensphase in der vertrauten Umgebung ihres Hauses oder auch einer Pflegeeinrichtung verbringen können“, beschrieb er das Engagement der derzeit 360 Mitglieder und 55 Aktiven. Dabei gehe die seelische, spirituelle und soziale Begleitung Hand in Hand mit der medizinischen und pflegerischen Versorgung. In jedem Einzelfall werde entschieden, wie dem betroffenen Menschen individuell am besten geholfen werden könne, vom Kind bis zum alten Menschen.

„Hospiz bewegt“ auch den Saftmixer

Unter dem Motto „Hospiz bewegt“ hatten die Besucher dabei auch die Gelegenheit, das neue „Smoothie-Fahrrad“ der Hospizgruppe auszuprobieren. Den ersten „Edelsmoothie“ stellten dabei die drei Bürgermeister in einer gemeinsamen Fahrradstaffel her. Das umgebaute alte Fahrrad soll künftig als „Eisbrecher“ fungieren, mit dem an Infoständen und bei sonstigen Veranstaltungen die Berührungsängste mit dem Thema und der Hospizgruppe abgebaut werden solle. Durch Tretenergie wird nämlich ein Saftmixer betrieben, und die so hergestellten Smoothies wurden an das Publikum verteilt.

Gemeinsam stießen dann die Eröffnungsgäste auf das 15-jährige Bestehen der Hospizgruppe an. Zudem hatten die Besucher die Gelegenheit, sich am „Löffelstand“ mit einem wichtigen Thema auseinanderzusetzen: „Was will ich noch tun – bevor ich den Löffel abgebe?“ Engagierte Schüler der Glasfachschule drehten im Rahmen der Veranstaltung einen Imagefilm für und über die Hospizgruppe, der künftig auf deren Homepage zu sehen sein wird.

Auch den Hinterbliebenen zur Seite stehen

„Was sie in den vergangenen 15 Jahren geschaffen haben, ist wirklich beachtlich“, lobte auch Bürgermeister Stefan Raetz die Arbeit der Hospizgruppe. Das sei auch den handelnden Personen zu verdanken, die unermüdlich für die Idee einträten und die Sache nach vorne brächten. „Es ist wichtig, das Thema nicht nur zur Seite zu schieben, weil es einem unangenehm ist, sondern sich aktiv damit auseinanderzusetzen.“ Dazu gehöre es auch, im Falle des Falles den Hinterbliebenen Kraft, Rat und Unterstützung in ihrer Trauerarbeit zu geben. Ihm gefalle es besonders, dass die Arbeit der Ökumenischen Hospizgruppe sich nicht nur an christlichen Werten ausrichtete, sondern auch noch ehrenamtlich sei, „denn Würde ist nicht bezahlbar.“

Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner fand es bezeichnend, dass der Begriff „Hospiz“ eigentlich eine „lebensbejahende Grundidee“ sei und darauf hinweise, dass das Leben auch in schwierigen Zeiten als sinnvoll erfahren werden könne. Und es entspreche auch dem christlichen Selbstverständnis, etwas für seine mit Menschen zu tun, die ansonsten in einer schweren Situation auf sich allein gestellt wären.

Die Anfragen nach einer Begleitung steigen ständig

Bereits seit 2002 unterstützt die Hospizgruppe lebensbedrohlich Erkrankte und deren Familien im häuslichen Umfeld sowie die Menschen, die trauernd zurückbleiben. Diese große Aufgabe könne man nur durch die ehrenamtliche Arbeit bewältigen. Diese werde von etwa 60 qualifizierten Sterbe- und Trauerbegleitern, drei Koordinatorinen, einer kleinen Gruppe, die bei Veranstaltungen unterstützt, sowie einem 15-köpfigen ehrenamtlichen Vorstand geleistet. Und die Anfragen nach einer Begleitung stiegen ständig.

In Meckenheim und Rheinbach werde zudem jeweils zweimal im Monat ein Gesprächscafé für Trauernde angeboten. Mittlerweile kooperiere die Hospizgruppe mit zahlreichen alten Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten, um diese in ihrer Arbeit zu unterstützen. „Die Hospizbewegung hat schon viel erreicht, aber die Arbeit mit Trauernden muss immer noch vollständig über Spenden finanziert werden“, so Vorstandsmitglied Monika Matern. Deshalb würden Spenden immer wieder gerne angenommen. JOST

Bei der Eröffnung der Hospizinfo im Raiffeisenhaus Rheinbach stellten die drei Bürgermeister den ersten „Edel-Smoothie“ mit dem Saft-Fahrrad her (von links): Dieter Engels von der Ökumenischen Hospizgruppe, Bürgermeister Bert Spilles, Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner, Bürgermeister Stefan Raetz und Manfred Engler von der Hospizgruppe. Foto: JOST Foto: Volker Jost

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