Allgemeine Berichte | 16.12.2016

Zur Erinnerung an den verstorbenen Pastor Johannes Schüller aus Ramerbach

Auch eine Weihnachtsgeschichte

Von Werner Schüller

Johannes Schüller (links) mit seinen Kameraden vor einem russischen Haus.privat

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Pastor Johannes Schüller erlebte den zweiten Weltkrieg als Soldat und erzählte mir eine Begebenheit die er Weihnachten 1944, im lettischen Winter selbst erlebte. „Es war in „Kurland“, der westlichen Provinz von Lettland. Wir hatten tiefen Winter, verschneite Landschaft und klirrenden Frost. Auf einem Hof mit dem Namen „Drebuli“ hatte ich im November 1944 mit mehreren Kameraden Quartier bezogen. Der Rest der Kompanie verteilte sich auf weitere Höfe. Heiligabend feierten wir in einer großen Scheune, die als Pferdestall genutzt wurde, denn wir waren eine Veterinärkompanie. An den Wänden vorbei standen die Pferde und knabberten am Stroh und scharrten mit den Hufen.

Mitten im Stall stand ein riesiger Tannenbaum. Die wenigen Lichter gaben dem Raum einen bescheidenen Glanz. Der Kompaniechef verlas das Weihnachtsevangelium und sprach von der Sehnsucht der Menschen nach Frieden. Wir sangen gemeinsam „Stille Nacht“, und anschließend verteilten sich kleinere Gruppen in andere Räume, um noch etwas weiter zu feiern.

Da gab es auch kleinere Geschenke, Plätzchen, Schokolade, Nüsse und Äpfel. Mir hängte man einen langen Pelzmantel um, und ich sollte den Weihnachtsmann spielen. Zur Freude der Kameraden hatte ich einige bescheidene Verse gedichtet und trug diese vor. Es gab auch Bier, dass die lettischen Bauern vorzüglich zu brauen verstanden. Erst spät in der Nacht stapften wir durch den Schnee zu unseren zugeteilten Höfen und Schlafstätten. Ich hatte den Pelzmantel immer noch auf den Schultern und auf dem Kopf eine große Pelzmütze. Unser Quartier, der Hof „Drebuli“ war überfüllt, und ich dachte auf dem Weg dabei an die Herbergssuche in Bethlehem. In dem Haus befand sich ein kleiner Vorraum. Rechts davon wohnte in zwei kleinen Räumen der Knecht mit Frau, Sohn und Schwester.

Im nächsten Raum dahinter waren 14 Soldaten untergebracht. Vom Vorraum links ging es in die größere Küche. Dort wohnte eine russische Frau mit drei kleinen Kindern. Im Raum rechts von der Küche lebte der Hofbesitzer, Herr Grasmannis mit seiner Frau, ein älteres Ehepaar. Durch die Küche geradeaus ging es in mein „Büro“, denn ich war Schreiber der Lazarettstaffel. In diesem Raum hatte ich mit noch zwei weiteren Kameraden auch die Schlafstätte. Wenn meine Kameraden oder ich nun in unser Zimmer wollten, mussten wir immer zuerst durch die Küche, so auch an diesem Abend. Es war ja schon spät und wir drei wollten ganz leise sein, um niemand zu wecken.

Weihnachtsfreude für ein kleines russisches Mädchen

Eine Taschenlampe gab ein wenig Licht. Da fiel das Licht der Lampe auf die kleine Olga, ein achtjähriges Mädchen, das friedlich in seinem Bettchen schlummerte. Ich weiß nicht mehr, wie es kam. Auf einmal standen wir alle drei um das Bettchen herum und legten all unsere Geschenke auf die Bettdecke: Schokolade, Gebäck, Nüsse und Äpfel. Die kleine Olga war aufgewacht. Wir sahen die großen staunenden Augen. Sie konnte es nicht fassen, was geschehen war.

Ich stammelte einige russische Worte, die sollten so wie „Frohe Weihnachten“ klingen. Die beiden anderen Kinder kamen auch dazu und auch die Mutter. Sie weinte und wollte uns unbedingt die Hände küssen. Wir wurden ganz verlegen und verdrückten uns schnell in unser Zimmer.

An diesem Abend waren auch wir froh und glücklich in diesem schrecklichen Krieg. Wir hatten die Freude, die wir mit unseren Geschenken erhalten hatten, weiter verschenkt. Kann man schöner Weihnachten feiern? Freude empfangen und Freude weitergeben, das gehört doch zu Weihnachten.“

Pastor Johannes Schüller

Pastor Johannes Schüller wurde 1916 in Ramersbach dem heutigen Stadtteil von Bad Neuenahr – Ahrweiler geboren. Er machte 1935 Abitur in Prüm, studierte im Priesterseminar in Trier. Er war Soldat von 1940 bis 1945, plus einem Jahr in russischer Kriegsgefangenschaft. Die Priesterweihe erhielt er am 4. August 1946. Er wirkte als Priester in Waldbreitbach, Kirf, Fischbach, und in Düngenheim im Kreis Cochem. Seit 1991 wirkte der geschätzte und unvergessene Geistliche im Ruhestand bis zu seinem Tode am 13. Dezember 2000 in seinem Heimatort Ramerbach.

Johannes Schüller (links) mit seinen Kameraden vor einem russischen Haus.Fotos: privat

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