Aschermittwoch der Künstler in der Herz-Jesu-Kirche
„Auf Augenhöhe“
Kirche und Kunst begegnen einander in Gottesdienst und Ausstellung
Koblenz. Ballett vor dem Altar, ein Monolog aus Bertolt Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ und ein kraftvolles Lied aus einem bekannten englischen Musical – solch eine Konstellation gibt es nur einmal im Jahr in der Herz-Jesu-Kirche in Koblenz, und zwar am Aschermittwoch der Künstler. An diesem Tag gibt es jährlich einen Gottesdienst unter der Mitwirkung der Mitglieder der Rheinischen Philharmonie, Künstlerinnen und Künstler des Theaters der Stadt Koblenz, des Koblenzer Jugendtheaters sowie des Jugendkammerchors der Singschule an der Liebfrauenkirche.
Menschen am Rande der Gesellschaft zuhören
„Auf Augenhöhe“ lautete das diesjährige Motto. Deutschland werde bunter und vielfältiger. Vor diesem Hintergrund wolle man sich auf Augenhöhe begegnen, begrüßte der Koblenzer Dechant Thomas Hüsch die Gemeinde und erläuterte den Titel des Gottesdienstes. „Wir gehen nun gemeinsam auf die Suche, was ‚auf Augenhöhe‘ bedeutet“, leitete Hüsch die Predigt von JProf. P. Dr. Edward Fröhling SAC von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar ein.
„Wie schön wäre es, wenn wir uns auf einer Augenhöhe begegnen würden, wenn die Begriffe ‚Schwestern‘ und ‚Brüder‘ nicht nur fromme Worte wären“, erklärte Fröhling. „Wie kann man sich auf Augenhöhe begegnen?“, fragte der Juniorprofessor für Fundamentaltheologie und Theologie der Spiritualität. Man müsse hinabsteigen und den Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, zuhören, ohne diese belehren zu wollen. Es sei durchaus ein Wagnis, von seinem hohen Ross hinabzusteigen. Aber er wolle den Besuchern Mut machen, sich darauf einzulassen, wandte er sich an die versammelte Gemeinde.
Die Dinge hinter der Wirklichkeit sehen
Man solle die Fastenzeit nutzen, um die Dinge hinter der Wirklichkeit zu sehen, so wie Künstlerinnen und Künstler es könnten. „Sie entdecken in der Welt verborgene Möglichkeiten, so wie wir Christen“, zog Fröhling einen Vergleich. Fasten bedeute, sich neu zu beleben und nicht im immer gleichen Trott dahinzuvegetieren. Eine Flamme werde Asche, daran erinnere der Aschermittwoch. Es handele sich aber trotzdem nicht um einen deprimierenden Tag, denn die Christen gäben sich nicht damit zufrieden. Das Leben sei nämlich nicht einfach nur Asche. „Wir können neu anfangen, uns beleben. Das ist Fasten“, ermunterte der Theologe die Frauen und Männer in der vollbesetzen Kirche.
„Ich wünsche Ihnen eine Mut machende und zum Aufbruch bereite Fastenzeit auf Augenhöhe“, schloss der stellvertretende Dechant Stephan Wolff den ökumenischen Gottesdienst, an dem auch Superintendent Rolf Stahl von der evangelischen Kirche teilnahm.
Zwischen den Wortbeiträgen gab es viel Musik. Der Opernchor des Theaters Koblenz präsentierte ein Lied aus „Nabucco“ von Giuseppe Verdi. Der Jugendkammerchor unter der Leitung von Regionalkantor Manfred Faig sang gleich mehrere Stücke und wurde teilweise durch Nikolaus Maler am Fagott begleitet. Richtig poppig wurde es zum Schluss, als das Koblenzer Jugendtheater ein Lied aus dem Musical „Matilda“ eindrucksvoll darstellte. Im Anschluss an den Gottesdienst eröffnete die Arbeitsgemeinschaft Bildender Künstler am Mittelrhein e.V. (AKM) ihre Ausstellung mit dem Titel „Ein Teil des Ganzen IV“ im „Künstlerhaus Metternich“.
Veranstalter des Aschermittwochs der Künstler waren auch in diesem Jahr das Dekanat Koblenz und die Stadt Koblenz.
Pressemitteilung
Bistum Trier
