In der Festung Ehrenbreitstein hat die neue Saison begonnen – Auftakt ist das Festungsleuchten täglich noch bis zum 2. April
Auf Eiszeit-Safari gehen
In die 200 Jahre alten Festungsräume zieht mit der Ausstellung die neueste Hightech Augmented Reality ein
Koblenz. Mit Eiszeit-Safari und täglicher Lichtkunst bis zum 2. April beginnt die neue Spiel- und Ausstellungssaison auf der Festung Ehrenbreitstein. Eiszeit? Natürlich, die gab und gibt es gefühlt oft bei der Lichtkunst auf dem Festungsplateau, wenn dort abends ein schneidend kalter Wind weht. Aber diese Eiszeit ist anders, es ist eine Eiszeit-Safari innen in der Festung.
Auftakt der Safari für drei Generationen ist ein Tor aus Mammutzähnen. Bei einer Safari geht es logischerweise um Tiere und fast 40 davon sind in der Ausstellung des Landesmuseums Koblenz, es ist in der Festung beheimatet, bis zum 30. Oktober zu sehen.
Dr. Brigitte Schmutzler, Direktorin des Landesmuseums, stellte die Eiszeit-Safari vor und berichtete ebenfalls über die teils logistischen Meisterleistungen, dieses Zeitalter darzustellen. „Das riesige Mammut unbeschädigt ins Obergeschoss einer preußischen Festungsanlage zu bringen, war eine absolute Herausforderung. Das galt auch für den Riesenhirsch.“ Die ausgestellten Tier-Replikationen wie Mammutfamilie, Wollnashorn samt Jungtier, Höhlenbären und Steppenbison in Lebensgröße wurden vom Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum in Auftrag gegeben und sollen nach unbestätigten Informationen zwischen 200.000 und 250.000 Euro gekostet haben. Direktor Dr. Wilfried Rosendahl erklärte, dass für diese Wanderausstellung ein Original-Skelett in Mainz aufwendig in 3d fotografiert wurde, um es dann per Computerunterstützung für diese Eiszeit-Safari herzustellen.
Wer dort aber Infotafeln über die Eiszeittiere und auch Menschen lesen will, wird enttäuscht. „Wir wollten das nicht mit Plakaten und Tafeln zumüllen“, sagte Dr. Rosendahl und setzt auf Hightech, von der die Preußen beim Wiederaufbau der Festung vor 200 Jahren nicht mal hätten träumen können. Smartphone-Besitzer laden die Gratis-App herunter, scannen die QR-Codes, insgesamt gibt es 60, und können sich per Internet umfangreich über das ausgestellte Projekt informieren. Hinzu kommt über Smartphone die Augmented Reality (erweiterte Realität), die als neue Form der Mensch-Computer-Interaktion virtuelle Objekte lagegerecht in die reale Umgebung einbindet. So wird die reale Umwelt des Besuchers mit zusätzlichen Informationen, wie 3D-Objekte, Videos wie die Tiere und Menschen in der Eiszeit vor 30 000 Jahren lebten sowie mit Bildern und Texten erweitert. Also eine fast echte Zeitreise und Safari, die vor allem die junge Smartphone-Generation begeistern dürfte.
Fotografieren nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht
Übrigens: Anders als in anderen Ausstellungen ist hier das Fotografieren nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht.
Die derzeit laufende Lichtkunst ist etwas anders als sonst. Generaldirektor Thomas Metz wies darauf hin, dass auf dem Festungsplateau nur ein kleiner Teil des Programms gezeigt wird, das meiste ist in den retirierten (zurückgezogenen) Gräben der Festung. Der künstlerische Leiter Richard Röhrhoff hat für das beeindruckende Licht- und Klangspektakel acht Stationen aufbauen lassen. Dabei ist wohl das Videomapping „3000 Jahre befestigter Ort“ im oberen Schlosshof die bedeutendste Leuchtshow. Die Projektionen nehmen die Zuschauer mit auf eine Zeitreise in die Geschichte der Festung und ihre Veränderungen. Dabei fliegen Steine und man erlebt in Licht und Klang die Sprengung der Festung durch die Franzosen.
Diesen beiden fulminanten Auftaktevents folgen aber bald weitere Highlights. Im Haus des Genusses wird ab Mitte Juni über den blauen Dunst informiert, also die Kulturgeschichte des Rauchens. Ferner können von Anfang Mai bis Ende Juni die Bilder der Preisträger des Nachwuchsförderungsprojekts „gute aussichten – junge deutsche fotografie“ im Haus der Fotografie bestaunt werden. Es folgen Ausstellungen der Fotografen Frank Kunert, Markus Redert und Toni Schneiders.
Und dann ist auf der Festung Ehrenbreitstein noch Berti Hahn mit seinem Riesenprogramm. Das reicht vom Konzert der Kölschrocker Brings im Mai über viele Rock-, Popp- und Jazzgruppen sowie Gitarristen, Solisten und Comedians bis hin zum Gauklerfest, das ab sofort nur noch auf der Festung Ehrenbreitstein stattfindet.
Nur wenig wird auf den Infotafeln über die Eiszeittiere erklärt, denn die Verantwortlichen setzen auf Hightech. So erfährt man alles Wissenswertes über QR Code und schließlich per „Augmented Reality“ (erweiterte Realität).
In Originalgröße wurden etwa 40 Eizeittiere als Replika aufwendig hergestellt
Diesen Riesenhirsch unbeschadet ins Obergeschoss der preußischen Festung zu bekommen war eine logistische Meisterleistung.
