Allgemeine Berichte | 14.06.2019

Lateinkurs des Bendorfer Gymnasiums auf literarischer Entdeckungsreise in der Ewigen Stadt

Auf den Spuren der alten Römer

Das darf nicht fehlen: Das Gruppenfoto des Bendorfer Lateinkurses.

Bendorf. „Anderer Orten muss man das Bedeutende aufsuchen, hier werden wir davon überdrängt und überschüttet.“ Diese Zeilen schrieb Johann Wolfgang von Goethe in sein Tagebuch, als er am 7. November 1786 in Rom weilte. Die Stimmung, die in diesen Worten anklingt, konnten auch die Schülerinnen und Schüler des Bendorfer Wilhelm-Remy-Gymnasiums (WRG) allzu gut nachempfinden, als sie eine Woche lang die Schönheit der italienischen Hauptstadt bestaunen durften. Großzügige Unterstützung erfuhr das Vorhaben auch in diesem Jahr durch den Förderkreis des WRG. Unter der Leitung der beiden Lateinlehrer Claudio Civello und Matthias Prill war die Reise monatelang vorbereitet worden. „Das Konzept der Reise besteht darin“, so Civello, der die literarische Studienfahrt im Jahre 2015 ins Leben gerufen hat, „nicht einfach die bekanntesten Sehenswürdigkeiten abzulaufen, sondern sich vor Ort mit einigen der schönsten Texte der Weltliteratur zu befassen.“ Dabei hat der passionierte Philologe, der neben Latein unter anderem auch fließend Französisch, Italienisch, Spanisch und natürlich Englisch spricht, nicht nur die römische Literatur im Sinn. Vielmehr geht es ihm darum, „über den Tellerrand der Römer hinauszusehen und auch Texte in den Blick zu nehmen, die in der Bewunderung für die klassische Antike entstanden sind: etwa von Petrarca, Du Bellay, Goethe oder auch Spenser.“ Und natürlich dürften auch die griechischen Autoren nicht fehlen, ergänzt sein Kollege Prill, der selbst unter anderem in Italien Altgriechisch studiert hat. Intensive Vorarbeit erfordert jedes Mal die Erstellung eines eigenen Reiseführers, für den alle Mitreisenden mindestens eine Doppelseite mit den Texten und nützlichen Zusatzinformationen gestalten. Vor Ort dient dieser dann als Grundlage für die literarische Stadterkundung, die– davon sind die beiden Literaturliebhaber fest überzeugt– Vergangenes immer wieder eindrucksvoll lebendig werden lässt. „Die Romreise ist nicht bloß eine Kursfahrt wie die anderen: wir Schüler sind von Anfang an in die Organisation und Planung eingebunden. Vor Ort sind wir dadurch ein bereits eingespieltes Team, genau wie unsere Lehrer: Man merkt, dass sie lieben, was sie tun“, schwärmt Jonas Westphal (MSS 12), der in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal an der Studienfahrt teilgenommen hat. Zu den Highlights der diesjährigen vierten Studienreise gehörten unter anderem drei nächtliche Spaziergänge durchs antike Stadtzentrum. „Als wir am ersten Abend aus der Metrostation kamen und das in der Dunkelheit beleuchtete Colosseum vor uns sahen– das war schon atemberaubend“, erinnert sich Roland Petty begeistert. An ihrem zweiten Tag in der Ewigen Stadt wagten die Schülerinnen und Schüler den Aufstieg auf die Kuppel des Petersdoms, wo sich ihnen am italienischen Nationalfeiertag ein toller Blick über die Stadt bot. Zudem nutzte Gina Velten diesen ausgefallenen Ort, um ihre Mitreisenden– und auch andere aufmerksame Zuhörer– über die Geschichte des Petersdomes und der Obelisken, die sich wie ein roter Faden durch die Stadt ziehen, zu informieren. Es folgten im Laufe der Woche zahlreiche Referate zu den verschiedensten Epochen der römischen Literatur und Architektur sowie der Besuch der Vatikanischen sowie Kapitolinischen Museen. Für ihren Vortrag über den Circus Maximus hatten sich Nico Banks und Lars Velten etwas ganz Besonderes überlegt: Auf der antiken Rennbahn ließen sie ihre Mitreisenden ein Rennen austragen; auf diese Weise schafften sie es, die Atmosphäre des von ihnen vorgestellten Pliniusbriefes lebendig werden zu lassen. Und natürlich ließen es sich die Schülerinnen und Schüler hier nicht nehmen, die in der Ars amatoria studierten Flirttipps eines Ovid vor Ort auszuprobieren. Am vorletzten Tag besuchte die Bendorfer Reisegruppe schließlich Neros Geburtsstadt Antium und die Ruinen seines ehemaligen Kaiserpalastes.

Das letzte Referat im Laufe einer lehr- und ereignisreichen Woche blieb dem Ovidliebhaber Claudio Civello vorbehalten; am Flughafen ließ er seine Zuhörer die traurige Stimmung des 8. n. Chr. aus Rom verbannten Dichters beim Abschied aus seiner Heimat nachempfinden: „Wenn mir das – ach! – so traurige Bild jener Nacht wieder einfällt, welche der letzte Rest Zeit in meiner Stadt für mich war, wenn ich erinner‘ die Nacht, in der so viel Liebes ich da ließ, fließt aus den Augen auch jetzt mir eine Träne heraus.“ Diese Verse stimmten auch die Bendorfer traurig. Lateinlehrer Civello vermochte sie jedoch ein wenig über ihren Abschiedsschmerz hinwegzutrösten: „Für Ovid gab es leider kein Zurück, wir aber können und werden wiederkommen.“

Pressemitteilung

Wilhelm-Remy-Gymnasium

Besuch der Kapitolinischen Museen.Fotos: privat

Besuch der Kapitolinischen Museen.Fotos: privat

Gina-Maria Velten bei ihrem Vortrag auf der Kuppel des Petersdomes.

Gina-Maria Velten bei ihrem Vortrag auf der Kuppel des Petersdomes.

Das darf nicht fehlen: Das Gruppenfoto des Bendorfer Lateinkurses.

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Daueranzeige 2026
Anzeige Alles für die Schule
Kirmes Moselweiß
Dauerauftrag 2026
Titel
Empfohlene Artikel
Kita-Pilotprojekt zur Mülltrennung erfolgreich umgesetzt.  Foto: Valeriia Weckert, Abfallwirtschaft Landkreis Neuwied
11

Kreis Neuwied. Mit der Übergabe neuer Bildungsmaterialien und Mülltonnensets an die städtischen Kitas sind die „Müllprojekttage“ erfolgreich abgeschlossen. Das Vorschulprojekt zum Thema „Müll“ wurde von Ende 2025 bis Mitte 2026 erstmals in allen städtischen Kindertagesstätten in Neuwied angeboten und stieß bei Kindern und Erzieher*innen gleichermaßen auf große Begeisterung.

Weiterlesen

Festliche Stimmung auf dem Weinlesezug der 10.000 Lichter.
47

Mit dem Beginn der Weinfest-Saison Ende Juli startet im Ahrtal eine Reihe von Veranstaltungen rund um den regionalen Wein. Zahlreiche Orte entlang der Ahr laden bis in den Oktober zu Weinfesten mit Weinverkostungen, kulinarischen Angeboten und einem abwechslungsreichen Musikprogramm ein. Lesen Sie mehr im RegioMAGAZIN

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Vorfreude auf die Meisterschaften sind schon groß.  Foto: AKS
485

Bad Breisig. Der Tennisclub Blau-Weiss Bad Breisig wurde 1957 gegründet und gehört mit ca. 300 Mitgliedern, darunter etwa 100 Kinder und Jugendliche zu den größten Vereinen der Quellenstadt. Zehn Erwachsenenmannschaften und sieben Kinder- und Jugendmannschaften nehmen an Ligenspielen teil, wobei neben dem sportlichen Ehrgeiz auch Fairness und Teamgeist im Mittelpunkt stehen. Damit ist der Tennisclub auch ein wichtiger Anbieter von sozialer Jugendarbeit.

Weiterlesen