Auf den Spuren ehemaliger Mühlen
Adenau. Aktive Mühlen am Adenauer Bach gehören seit über 50 Jahren der Vergangenheit an. Und dennoch: Spuren von den ehemals 13 Mühlen entlang des Einzugsgebietes des Gewässers sind von der Quelle in Quiddelbach bis zur Mündung in die Ahr in Dümpelfeld zu finden, wie der Geograph Winfried Sander aus Leimbach aus verschiedenen Quellen weiß. Hierzu zählen Bücher, Aufsätze, Karten (u.a. die historische Sandfort-Straßenkarte von 1780 und der allgemeinen Tranchot-Müffling-Karte aus den Jahren 1800 bis 1820) sowie Fotos, eigene Erkundungen im Gelände und Gespräche mit Zeitzeugen. Zu diesem wichtigen Thema war er kürzlich mit Wanderwarten aus dem gesamten Einzugsbereich des Eifelvereins auf einer eintägigen Fortbildungsveranstaltung entlang des Adenauer Baches unterwegs. Sie begann nicht schon im Quellbereich, sondern aus Zeitgründen erst an der bis in die 1960er Jahre laufenden Mühle an der Exbach mit ihrem Gebäude aus heimischen Bruchsteinen aus toniger und sandiger Grauwacke. Das Gebäude ist leer geräumt, an der Wand lehnt noch der schwere Mühlstein aus poriger Basaltlava. In der Nähe führt die Nordschleife des Nürburgrings vorbei, in Teilen ist noch der ehemalige Mühlteich mit dem Zulauf des Mühlgrabens aus dem Adenauer Bach zu erkennen. Der Graben wurde beim Bau der Rennstrecke übertunnelt.
Die Exkursion ging weiter Richtung Zentrum Adenau, vorbei an Häusern und Flächen, die nur schwer als Mühle oder Mühlteich zu identifizieren sind. Lediglich Hinweise wie Mühlenstraße oder Mühlenpesch weisen teilweise in Adenau darauf hin. Sander informierte hier über die Versorgung des Raumes mit Wasser und die Entsorgung von Abwasser über den Bach bzw. über die Kanalisation seit den 1970er Jahren, ehe in den1990er Jahren endgültig der Anschluss an die Kläranlage in Dümpelfeld stattfand. Nicht zuletzt kamen natürlich Fragen zu den verschiedenen Hochwassersituationen aus den letzten 100 Jahren zur Sprache. Weiter ging es Richtung ehemaliges Krankenhaus, in dessen Nähe sich zuvor ein so genannter Herrenhof „Zur Mühlen“ befand; ein Hinweis auf die Mühle, von der es außer Kartenmaterial leider nur ein arg verschwommenes Bild mit Mühlrad gibt.
Stadtauswärts war am Alten Wehr die nächste Station. Es diente wahrscheinlich dem Aufstau von Wasser zur Berieselung und Düngung der angrenzenden ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Gemarkung Leimbach wurde erreicht und ein zum Teil im Adenauer Bach liegendes, umspültes, großes Wehrbauwerk aus Beton und Eisen bestaunt. Über den Radweg auf dem ehemaligen Bahndamm erreichte die Gruppe die Mühle zu Leimbach, zum ersten Mal urkundlich erwähnt im hohen Mittelalter (1216). Ferner erkundeten die Teilnehmenden zuvor das von Hochwassern 2016 und 2021 zerstörte Betonwehr mit dessen Hilfe bis zuletzt über eine Turbine in der Mühle Strom erzeugt worden ist. Schütz, Mühlgraben und Mühlteich sind zerfallen bzw. verlandet.
Anschließend ging es vorbei an der von Napoleon geschleiften und völlig verschwundenen Kurfürstlichen Mühle in Leimbach auf dem Gelände der ehemaligen Polsterfabrik WECO. Zuletzt kam die Gruppe bei einer Regenschauer an der Birnbachsmühle in Leimbach vorbei, deren heutiger Teich aber nicht zur ehemaligen und völlig ausgeräumten Mühle gehörte, sondern zur späteren Tuchfabrik, die auf dem Gelände errichtet wurde.
Thema war vor Niederadenau im dialogischen Austausch auch der Standort eines potenziellen Rückhaltebeckens mit überörtlicher Wirkung mit einem Damm von fast 25 Metern Höhe und einem Stauvermögen von bis zu vier Millionen Kubikmetern Wasser.
Nur auf der Sandfort-Karte eingezeichnet ist die Mühle mit zwei Wasserrädern vor Niederadenau, von der nichts mehr existiert als Reste eines Wehres im Adenauer Bach und die Abzweigung zum nicht mehr vorhandenen Mühlgraben. Von der Mühle in Dümpelfeld selbst blieb nur eine Kennzeichnung auf der Tranchot-Karte
