Allgemeine Berichte | 28.08.2019

Ariendorfer Besonderheiten: War Pfarrer Jakob Brock in Bad Hönningen unbekannt?

Auf den Spuren von Pfarrer Brock

Pfarrer Brock um 1950. Foto: Karl Heinz Kreul; Pfarrarchiv St. Dionysius Essen-Borbeck

Bad Hönningen. Einige Nachfragen nach einem Pfarrer Jakob Brock, machten Heinz Günter Heck neugierig. Der Pfarrer soll in Bad Hönningen gelebt haben.

Bei Recherchen in der Stadt, war das Ergebnis dürftig. Nur ganz wenige Bürger können sich an ihn erinnern. Gisbert Rings, der gelegentlich als jugendlicher Messdiener am Altar in der Ariendorfer Kapelle bei Pfarrer Brock gedient hat, hat ihn gekannt. Um mehr über ihn zu erfahren, waren Recherchen unter anderem im Archiv des Bistums Trier und im Pfarrarchiv Essen-Borbeck notwendig.

Kurzbiografie bringt Licht ins Dunkle

Eine Kurzbiografie über das Leben von Pastor Brock, die Heins Günter Heck FJ Gründges aus Hanau zur Verfügung stellte, brachten Licht ins Dunkle.

Jakob Brock wurde am 25. Januar 1876 in Düren geboren. Er studierte von 1895 bis 1899 in Bonn und Köln. Am 15. August 1899 wurde er in Köln zum Priester geweiht. In Essen-Borbeck war er bis 1906 Kaplan und anschließend bis 1911 Kaplan in Krefeld. Von 1911 bis 1922 war er dann Pfarrer in Oberhausen Styrum.

Am 22. März 1922 wurde er Pfarrer in St. Dionysius in Essen-Borbeck. Die neue Pfarrstelle brachte ihm kein Glück. Zwischen 1924 und 1928 wurden auf sein Betreiben mehrere große aber auch teure Baumaßnahmen abgewickelt, die jedoch nicht immer vom Kirchenvorstand und von den vorgesetzten Kirchenbehörden genehmigt waren. So wurde unter anderem neu gebaut und erweitert: die Marienkapelle am Düppenberg, der Neubau des Philippusstifts (heute das Kath. Klinikum in Essen), ein Wohnhaus mit einer Kapelle am Exerzitienhaus des Klosters der Oplaten, ein Neubau für die Salesianer Don Boscos und ein Neubau des Mutterhauses der Franziskusschwestern.

Zur Finanzierung und Deckung der immens hohen Kosten, wurde in Holland von Jakob Brock und Franz Pothmann (kirchlicher Wohltäter, Bauunternehmer) eine hohe Bankanleihe aufgenommen. Durch trickreichen Umgang mit Schuldscheinen (Bistumsarchiv Essen Akte K 481) aus dieser Anleihe, versuchten Pothmann und Brock, die hohen Kosten für den teuren Krankenhausbau zu finanzieren.

Ein finanzielles Desaster

Weil man viel Geld aus der Anleihe in eine Zementfabrik investiert hat, die später in Konkurs ging, kam es zu einem finanziellen Desaster. Pastor Jakob Brock versuchte, in einem Schreiben an den Kirchenvorstand die eigenständigen Transaktionen zu erklären. Daraufhin bekam er doch noch Rückendeckung vom Kirchenvorstand.

Im Kirchenblatt vom 17. März 1929 der Pfarrei war zu lesen: „Der Herr Pastor ist von der Erzbischöflichen Behörde beurlaubt worden. Seine Verdienste um die Entwicklung Pfarrgemeinde sind groß. Die lieblose und zum Teil gehässige Kritik hat er nicht verdient. Alle, die eine Entscheidung über die Dinge dem Bischöflichen Generalvikariat überlassen, tun der Gemeinde den größten Dienst.“

Auch die lokale Presse berichtete über das finanzielle Desaster der Pfarrei. Jetzt wurde ein Sündenbock gesucht. Am 1. April 1929 wurde Pfarrer Brock durch das Generalvikariat in Köln beurlaubt. In einem Schreiben an den Generalvikar des Erzbistums Köln Joseph Vogt (1930 wurde er Bischof von Aachen) ließ er diesen wissen, dass er zur Zeit gänzlich mittellos sei, da er alles an Privatvermögen und Ersparnissen in der Pfarrei Borbeck zur Abschwächung der Schulden gelassen habe. Er wolle bis Ostern im Kloster von Hiltrup (Herz-Jesu-Kloster der Hiltruper Missionare) bleiben.

Im Mai 1931 wurden im Generalvikariat die finanziellen Angelegenheiten von Franz Pothmann und Pastor Brock behandelt. Es wurde mit der Pfarrei und der Rendantur vereinbart, dass man versuchte, die ganze Angelegenheit außergerichtlich zu klären. Pothmann und Brock erklärten sich dazu bereit. Nach dem Weggang aus Borbeck, arbeitete Pastor Brock im Erziehungsheim Bernhardshof bei Mayen. Von 1930 an war er in Dahlheim-Rödgen oder in Roetgen bei Aachen als Pfarrer i.R. tätig. Am 14. Juli 1932 wurde er Pfarrer an St. Sebastian in Würselen. Hier blieb er bis Anfang 1936.

Gradlinigkeit und Mut in unsicheren Zeiten

Es waren unsichere Zeiten. Vor der Reichstagswahl im Jahr 1933 erscheint im Aachener Generalanzeiger ein Wahlaufruf von mehreren Pfarrern mit dem Satz: „in dieser verwirrten und verwirrenden Zeit legen wir Wert darauf, öffentlich zu bekunden, dass wir nach wie vor treu zum Zentrum stehen“ (die Deutsche Zentrumspartei)! Pastor Brock war offenbar eine selbstbewusste, eigenwillige und auch durchsetzungsfähige Persönlichkeit, was mancherorts zu Vorbehalten führte.

Dass sich Pastor Brock im Dezember 1935 offen gegen lokale Nazi-Größen wie gegen den Ortsgruppenleiter Paul Schöner stellte, war ein Beweis für seine Gradlinigkeit und den Mut zur Offenheit. Ortsgruppenleiter Paul Schöner wurde am 16. September 1942 in Aachen wegen Vorteilsnahme und Untreue zum Tode verurteilt.

Die Ortspolizei führte eine Liste über „politisch verdächtige“ Personen, in der Pfarrer Brock an erster Stelle stand. Er war den lokalen Nazi-Größen ein Dorn im Auge. Die NSDAP von Würselen zeigte Pastor Brock im Dezember 1935 wegen Beleidigung an. Zusätzlich wurde noch ein Strafverfahren gegen Pastor Brock wegen Regimekritik eingeleitet.

Pfarrer als Dorn im Auge der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands

Die NSDAP übte schließlich Druck auf das Bistum Aachen aus, um den unbequemen Pfarrer loszuwerden. Im Januar wurde er nach Willich bei Krefeld versetzt. Die Nazis ließen nicht locker. 1936 folgte dann ein Unterrichtsverbot. Trotz des Verbotes blieb er auf Konfrontationskurs gegen die Nazis.

Am 22. Januar 1940 musste er auf Druck der NS-Behörden die Pfarrei verlassen, weil er unter anderem in einer Predigt die Reichsführung kritisiert hat. Nach dem Krieg gab Pastor Brock bei den Behörden an, dass die Gestapo gegen ihn ein Aufenthaltsverbot für mehrere Regierungsbezirke und das gesamte Rheinland verfügt hatte. Dies wurde nach einem Jahr aufgehoben.

Danach folgte eine Vertretung in Schlangenbad im Taunus, dass zum Bistum Limburg gehört. 1941, zog er im Alter von 65 Jahren nach Hönningen am Rhein. Hier war Pfarrer Peter Helbach (von 1933 bis 1953) Seelsorger. Auch er war im Widerstand gegen die Nazis. Bis 1959 hat Jakob Brock in Hönningen als Geistlicher i.R. gelebt und war auf freiwilliger Basis hier tätig.

Gestorben ist er am 18. Juli 1959 in Bad Hönningen. Er wurde auf dem Friedhof am Paffelter beigesetzt. Laut dem Friedhofsverzeichnis wurde das Grab 2007 aufgelöst.

Pressemitteilung des

Bürgervereins Ariendorf e. V.

Pfarrer Brock um 1950. Foto: Karl Heinz Kreul; Pfarrarchiv St. Dionysius Essen-Borbeck

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