Allgemeine Berichte | 27.06.2023

Miguel Wolf begeisterte in Synagoge Niederzissen

Auf den Spuren jüdischer Tangokomponisten

Miguel Wolf. Foto: privat

Niederzissen. „Ein tolles Konzert“, „Emotionen pur“. Das sind nur zwei Eintragungen im Gästebuch der ehem. Synagoge Niederzissen, die den Spirit des Konzertes „Tango, barcos y judios“ mit Miguel Wolf wiederspiegeln. Der Musiker, ein Nachfahre Deutscher, nach Argentinien und Chile ausgewanderter Juden, begab sich mit seiner Konzertgitarre, Gesang und einfühlsamen Geschichten auf die jüdischen Spuren im argentinischen Tango. Die begeistert lauschenden Zuhörer erfuhren, dass bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert wegen der Pogrome im Zarenreich und in anderen Ländern viele osteuropäische Juden, unter ihnen ausgezeichnete Musiker, nach Argentinien auswanderten und dort gerne in Orchester aufgenommen wurden, aber auch bedeutende Tangokomponisten und -texter wurden.

Ein großer seiner Zunft war Luis Rubinstein, der eigentlich Moses Rubinstein hieß und dessen Familie 1906 aus der Ukraine kam, sich aber, wie viele andere, einen argentinischen Künstlernamen gab, um damit besser in der Tangoszene zu bestehen. Mit gleich zwei Stücken „Olvido – vergessen“ und „Cautivo – gefangen“ präsentierte Wolf diesen Komponisten, der mit seinen 3 Brüdern, die Tangoszene in Argentinien aufmischte. Sie gründeten ein Tangokonservatorium, verlegten die Lieder und Kompositionen in eigenen Musikverlagen und präsentierten sie persönlich in Radiosendungen.

Und immer wieder ging es um die nicht erwiderte Liebe und die Qualen des Mannes, der verlassen wurde. Da war der Weg nicht weit zu Raúl Kaplún, der bürgerlich Israel Kaflun hieß und dessen Familie aus Bessarabien stammte. Mit den beiden Musikstücken „La mesa de un café“ und „Una emoción“ konnten die Konzertbesucher tief in die Gefühlsebene des Tango eintauchen. Einfühlsam trug Miguel Wolf Gedanken zu Carlos Gardel, dem größten und bis heute in Argentinien sehr verehrten Komponisten mit seinen Verbindungen zum französischen jüdischen Komponisten Marcel Lattès vor, der in Auschwitz ermordet wurde. Das entsprechende Lied „Cuando tu no estas“ – Bist Du nicht hier?“ berührte emotional und war ein weiterer Höhepunkt des Konzertprogramms. So gehört, nach den Worten Wolfs, „En carne proria - im Fleisch“ von Calos Bahr und Manuel Sucher zum „Finstersten“ in der Gefühlswelt des Tangos. Aber auch junge Komponisten, wie Alfredo Rubin, halten den Tango jung, was Miguel Wolf mit dem 2004 veröffentlichten Lied „Aire sin final“ als Abschluss des Konzertes spielte und sang. Die begeistert applaudierenden Konzertbesucher wünschten sich eine Zugabe, die der Musiker gerne, diesmal allerdings kein Tango, sondern mit einem Bolero „Cuenta conmigo“, komponiert von Chico Novarro, gab.

Miguel Wolf. Foto: privat

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