Müdener Theatergruppe „Ha-rimm“ begeistert mit tollem Spielwitz

Auf der Suche nach Apachen-Häuptling Winnetou

31.10.2022 - 14:18

Müden. Auch die engagierten Akteure der Müdener Theatergruppe „Ha-rimm“ mussten umständehalber eine mehrjährige Zwangspause erdulden, bevor sie jetzt zur Freude von drei ausverkauften Häusern, erneut die Bungert-Bühne in Beschlag nehmen durften. Und dies mit viel frischem Wind, erkennbar großer Spielfreude und reichlich Herzblut, wie das erwartungsfreudige Publikum bereits bei der Premiere begeistert feststellen konnte. So versprach der Titel des neuen Theaterstücks „Karl-May-Festspiele in Miere“ bereits im Vorfeld ein kunterbuntes Bühnenspektakel, das sich aufgrund seiner Besetzung mit hervorragend agierenden Darstellern in einer tollen Kulisse, absolute Bestnoten verdiente. Das dargebotene Stück aus der Feder von Beate Irmisch präsentierten die Aktiven in „Miera Platt“ und liefen dabei zur Hochform auf. Zur Geschichte: Beim arroganten und selbstverliebten Ortsbürgermeister Alfons Hägele (eine Paraderolle für Harald Kron) ist die Anfrage eines Filmproduzenten eingegangen, der auf dem Müdener Dorfplatz Szenen für einen Karl-May-Film drehen und diesen überdies mit Statisten aus dem Ort besetzen will. Dorschen Rütz, alias Sonja Loch, erhofft sich als treu ergebene Sekretärin von Alfons Hägele den gemeinsamen Gang zum Traualtar mit diesem, obwohl die genervte Büro-Emanze kein gutes Haar an ihm lässt.

Sie hat die von ihrem Chef verschlampte Zusage der Produktionsfirma gefunden, was auf dem Dorfplatz mit allen seinen Anwohnern als Tratsch-Thema Nr. 1 in die Geschichte eingeht. Da wäre Coiffeur und Paradiesvogel Winfried Puh (herrlich tuntig - Andreas Emmerich), der nicht nur in High-Heels über das Parkett stöckelt, sondern auch mit einem farbenfrohen Outfit die Fraktion „Regenbogen“ trefflich vertritt. In seinem Friseurladen ist die junge Lotte (süß, schüchtern - Franziska Loosen) beschäftigt, die sich heimlich in den Dorf-Dappes Hubsi Wibbel (überzeugend trottelig - Jochen Möntenich) verliebt hat. Der betreibt mit Mutter Alwine Wibbel (tolldreist und resolut - Beatrix Preuß) einen Bauernhof mit Schweinezucht und vorgelagertem Misthaufen. Dieser grenzt unmittelbar an den Dorfplatz und stinkt auch zum Ärger des temperamentvollen Pizzeria-Betreibers Eros Ratzini (perfekter italienischer Akzent - Ulrich Möntenich) erbärmlich gen Himmel. Seine Gattin Maria Ratzini, alias Michaela Dehen, ist nicht auf´s Maul gefallen und weiß ihrem „Pappagallo“ stets die passende Antwort zu geben und in seine Schranken zu weisen. Als sich der Regisseur des neuen Karl-May-Streifens Dieter Wiedel (trefflich unbeholfen und weltfremd - Hans Schmitt) und seine Hauptdarstellerin Uschi Obergeier (Filmsternchen par excellence - Sinah Kneip) am Set für ein Casting anmelden, ist die Aufregung in Miere groß. Oberste Priorität: „Der Misthaufen von Wibbels muss weg!“ Dagegen wehrt sich Alwine Wibbel vehement, bis sich beim Eintreffen der Filmleute die Ereignisse überschlagen. Ein Unfall hat den Hauptdarsteller des

Winnetou außer Gefecht gesetzt und so ist die Crew jetzt ersatzweise auf der Suche nach einem geeigneten Müdener Darsteller. Dies löst unisono einen Konkurrenzkampf ungeahnten Ausmaßes aus, denn nicht nur Coiffeur Winfried Puh und Bürgermeister Alfons Hägele, sondern auch Pizzabäcker Eros Ratzini und Schweinebauer Hubsi Wibbel halten sich für den besten Häuptling mit Federkopfschmuck. Vor allem die drei Letztgenannten, weil sie mit Uschi Obergeier als „Apanatschi“ eine sexy Hauptdarstellerin direkt an ihrer Seite haben würden. „Komm in meinen Wigwam“, weiß OB Alfons diesbezüglich liebestoll zu intonieren. Die Folge sind wahre Eifersuchtsdramen die sich auf dem Miera Dorfplatz abspielen, denn mit Alwine Wibbel greift jetzt auch ein echtes Bauerntrampel ins Geschehen ein, da ihr der Regisseur die Rolle von Winnetous Mutter versprochen hat. In dem Tohuwabohu entdeckt Filmsternchen Uschi Obergeier ihre Zuneigung zu Wutzen-Hirt Hubsi, dem deren Umgarnung vorzugsweise schmeichelt und auf die er sich gerne einlässt, obwohl er eigentlich in Friseurmädel Lotte verliebt ist. Bühnenreife Filmszenen spielen sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Dorfplatz ab, als sich die Rollenbewerber im Indianeroutfit am zuvor vom Regisseur verteilten Script versuchen. Dabei will Pizzeria-Eros seine Mitkonkurrenten verbal in die ewigen Abgründe statt Jagdgründe schicken, während der Bürgermeister sich mit einem Anschlag auf die Verdauungsorgane der Häuptlingsbewerber versucht. Ranziges Öl aus der Pizzeria-Küche kommt dabei zum Einsatz und trifft nach dem gemeinsamen Pasta-Essen

am Set, abschließend die falschen Darsteller. In der Folge bleibt es nicht nur beim Run auf die begehrte Hauptrolle des Winnetou, sondern ebenfalls um einen auf das stille Örtchen. Zuvor zwingen Bauchkrämpfe die Konkurrenten in die Knie, die Winnetou-Bewerber Eros gleich vor Ort skalpieren will. Ein chaotisches Ende ist in Miere jetzt vorprogrammiert und nimmt einen für das Publikum überaus amüsanten Verlauf. Wobei sich bei diesem heftig fließende Lachtränen während der Aufführung als willkommene Hauptakteure offenbaren.

TE

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juergen mueller:
Bevor solche Kommentare in Umlauf gebracht werden, sollte man sich vorher genau informiert haben. Gibt es solche Sitzungsgelder, dann ist das rechtens, denn umsonst gibt es heutzutage nichts mehr (Zeit heutzutage will vergütet werden). Hier geht es auch nicht darum, wer was erhält, sondern welche...
Bernhard Sommer:
Wirtschaftliche Perspektive? Ich hoffe dass Herr Langner dann auch keine Sitzungsgelder usw. als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung und Aufsichtsratsmitglied bekommt !!!! Und er kann das dem Weihnachtsmann erklären, dass es erst eine Woche vor Fälligkeit auffällt, dass kein Geld mehr da ist..........
juergen mueller:
Wirtschaftliche Perspektive? Wenn ein Unternehmen, wie das GKM, kontinuierlich Liquiditätsprobleme hat, dann geht man zuerst an diejenigen, die dafür am wenigsten können? Herr Langner ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung u. sitzt im Aufsichtsrat. Wenn im Januar oder Februar wieder diese...
juergen mueller:
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