Gefangen in Abu Dhabi: von der Kreuzfahrt zum Kriegsgebiet
Mayener und Neuwieder Familien Heinen auf „Mein Schiff 4“: Aus dem Urlaub wird ein Alptraum
Neuwied/Mayen/Abu Dhabi. Viele Leserinnen und Leser von BLICK aktuell kennen die Familien Heinen.
Der gebürtige Andernacher Schausteller Peter Heinen und seine Frau Elke sowie die in Mayen lebenden Peter und Andreas Heinen sind unter anderem als Betreiber das Andernacher Weihnachtsdorfes, als Aussteller beim Michelsmarkt oder Lukasmarkt oder als Karnevalisten erfolgreich und beliebt.
Nun wurde bekannt, dass die vier im Kriegsgebiet auf „Mein Schiff 4“ in Abu Dhabi „gefangen“ sind. BLICK aktuell (Thomas Manstein) hat Kontakt zu Familie Heinen und die Möglichkeit ein paar Fragen zu stellen.
BLICK aktuell: Es sollte für Euch eine ganz normale Urlaubsreise werden. Ihr seid am 22.02.2026 in Dubai angekommen und habt dort die Kreuzfahrt gestartet. Da gab es noch keinerlei Warnungen, Reisebeschränkungen oder sonstiges. Wie ging es da weiter?
Andreas Heinen: Am 28.02.2026 sind aus dem Oman in Abu Dhabi angekommen, waren vormittags noch auf einen Landgang in die Mall zum Shoppen und Stöbern. Ein Bekannter aus Deutschland schrieb:“ Passt auf euch auf“. Wir haben bis zu dem Zeitpunkt nichts mitbekommen, saßen beim Kaffee trinken in der Mall. Kurz darauf sahen wir, wie die Security nervöser wurde, im Laufschritt durch die Mall rannte. Wir haben uns dann schnellstens Richtung Schiff aufgemacht. Auf dem Weg wurden wir dann auch durch die TUI informiert, dass wir zum Schiff zurückkommen sollen, auf dem direkten Wege.
BLICK aktuell: Von Abu Dhabi war ja geplant, dass Ihr am Abend wieder Richtung Dubai auslaufen solltet. Wann habt Ihr erfahren, dass Ihr im Hafen bleiben müsst und wie werdet Ihr aktuell über den Sachstand informiert?
Andreas Heinen: Relativ früh wurde uns durch den Captain Jan Fortun gesagt, das wir bis auf weiteres in Abu Dhabi bleiben müssen. Nach Rücksprachen mit den Örtlichen Behörden gilt der Hafen als besonders gesichert. Auch Flughäfen rundum sind geschlossen worden. Der Luftraum gesperrt, ebenso die Wasserstraßen. Wir werden seitdem wir in Abu Dhabi gestrandet sind, täglich bis zu drei Mal über Borddurchsagen informiert - ob positive oder auch negative Ereignisse. Unser Captain versucht alles gläsern zu halten, was wie wo passiert und geregelt wird.
BLICK aktuell: Wie ist/war die Stimmung an Bord allgemein und bei Euch?
Andreas Heinen: Die Stimmung an Bord ist relativ angespannt, aber respektvoll. Es kommt zwischendurch zu Drohnen/Bomben/Raketen Alarmen - leider auch zur Nachtzeit und da ist an Schlaf leider kaum zu denken. Einige Passagiere sind auch schon auf eigene Gefahr von Bord gegangen. Hier heißt es, einmal von Bord und ausgecheckt, bleibt auch draußen. Wie es uns in dieser Situation geht, wir haben Angst, große Angst. Wir wollen nur zurück, Heim auf deutschen Boden.
Uns geht‘s hier körperlich auf dem Schiff sehr gut, hier wird versucht, ein reichhaltiges Programm auf die Beine zu stellen, das für jeden Abwechslung dabei ist. Wir haben leckeres Essen, Getränke, ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Hier könnte es uns schlechter ergehen.
BLICK aktuell: Was dürft Ihr auf dem Schiff oder an Land machen und was nicht?
Andreas Heinen: Seit dem Ausbruch ist das Pooldeck gesperrt, aus Sicherheitsgründen, ebenso alle Balkone sowie nicht überdachte Außenbereiche. Seit gestern (03.03.2026) dürfen wir allerdings bis zum Hafen-Terminal, auf eigene Gefahr raus, um uns die Beine zu vertreten und im Terminal zu shoppen.
BLICK aktuell: Was habt Ihr vom Krieg und den Angriffen selbst mitbekommen?
Andreas Heinen: Wir bekommen vom Krieg nicht viel mit, klar hört man es knallen, wenn die Abwehrsysteme auslösen, auch ist eine Drohne im Hafen von Abu Dhabi ca. 500 Meter vom Schiff eingeschlagen, was wir beobachten konnten. Auch werden Drohnen und Raketen abgefangen und schon in der Luft unschädlich gemacht. Die Angst und der Respekt stehen immer im Vordergrund. Durch die sozialen Medien bekommen wir Schlagzeilen gezeigt, welche große Zeitungen schreiben, was alles einfach übertrieben ist. Viele Fotos und Videos sind unserer Meinung nach mit KI bearbeitet.
BLICK aktuell: Wie sieht es heute aktuell am 04.02.2026 aus?
Andreas Heinen: Der gestrige Tag war ein relativ entspannt, hier gab es nur eine Meldung über Drohnen, die abgewehrt worden sind. Die Nacht war zwar ruhig, aber an durchschlafen ist nicht zu denken. Ständig Durchsagen im Kopf, Sirenen usw. Am heutigen Mittag wurden wir wieder einmal wegen einer aktuellen Bedrohung ins Schiffsinnere durch eine Durchsage des Captains zitiert.
BLICK aktuell: Gibt es eine Vorausschau auf eine Rückkehr nach Deutschland?
Andreas Heinen: Wir sollen am kommenden Samstagabend wieder zurück sein bzw. ausgeflogen werden. Aber wie bei allem ist der Krieg dynamisch und unberechenbar.
BLICK aktuell: Gibt es sonst noch etwas, dass Du anmerken möchtest?
Andreas Heinen: Hier möchten wir einfach mal dem Captain Jan Fortun seiner Besatzung, dem Krisenstab hier auf dem Schiff und den Behörden danken! Unser aller Dank gilt auch den Freunden in der Heimat, die uns durch zahlreiche Einträge bei Facebook, per WhatsApp Mut zugesprochen haben. Wir bitten um Verständnis, dass wir nicht allen antworten können und freuen uns auf Mayen, Neuwied und Andernach.
Social Media Beitrag von Andreas Heinen vom 1. März
Zum Abschluss hier noch ein Beitrag, den Andreas Heinen am 1. März 2026 auf den Sozialen Medien geteilt hat. Dieser Post spiegelt die Gemütslage und Emotionen, nicht nur der vier „Heinen“ sehr gut wider. Dort schreibt er:
Die Lage über Tag war traumatisch. Zirka 400 Meter neben unserem Schiff, ist eine Drohne eingeschlagen. Ein Lagergebäude des US-Militär ist getroffen worden. Hier auf dem Schiff wurde darauf hin, angeordnet das wir alle ins Innere des Schiffsrumpfes in Sicherheit zu gehen haben. Im „Klanghaus“ verweilten wir ca. 1 Stunde bis der Kapitän Jan uns wieder frei gegeben hat. Uns wurde durch die Besatzungsmitglieder Wasser gereicht. Alles ist in Ruhe passiert, keine Hektik, keine Panik. Peter hat leider den Einschlag gesehen. Wir haben hier leider mit vielen Emotionen zu kämpfen. Kommen wir heim? Wann kommen wir heim? Wie lange müssen wir noch hierbleiben? Selbst der Kapitän weiß zurzeit nichts Weiteres. Steht aber mit den Behörden in Verbindung. Flugverkehr ist gesperrt. Die Wasser Straßen am Irak vorbei sind gesperrt. Wir sitzen hier leider mitten in einem Hexenkessel fest. Weiterhin dürfen wir nicht von Bord, außer auf eigene Verantwortung, und dann nicht mehr zurück. Pooldeck ist geschlossen. Balkone dürfen mal wieder nicht benutzt werden. Wir akzeptieren alles. Solang uns hier nichts passiert. Die Angst ist groß. Gedanken was passiert die Nacht? Was kommt, was kommt nicht. Die wichtigsten Sachen, Ausweise, Geld, und Wasser, tragen wir in einem Rucksack jetzt bei jedem Schritt und Tritt auf dem Schiff mit. Damit wir im Ernstfall nicht mehr auf die Kabine müssen. So nun gehen wir nach dem Tag mal was essen. Und eventuell später das Abend Programm gucken. Die Tränen laufen hier wie ein Wasserfall. Müssen uns ablenken. Ich hoffe wir sehen uns alle munter wieder. Auf bald….“ WAM
Drohneneinschlag zirka 400 Meter neben dem Schiff Foto: Andreas Heinen
Die erste Meldung von „Mein Schiff“ kam am 28.02.2026 auf das Handy. Foto: Andreas Heinen
