Allgemeine Berichte | 12.01.2024

Aufarbeitung der Ortsgeschichte

Die Übergabe an den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post Klaus Zumwinkel durch den Kempenicher Burgherrn fand 2003 vor dem Capitol in Washington statt.  Foto: privat

Kempenich.Fast dreißig Interessierte an der Kempenicher Ortsgeschichte, mit den Ausarbeitungen zu den Bewohnern der einzelnen Straßen seit 1825, waren beim letzten Treffen dabei. Die Häuser im vorderen Teil der Hardtstraße wurden zwischen 1850 und 1900 gebaut. Mit dem Bau der Grundschule (1908-1910) schlossen sich nach und nach die weiteren Häuser an. Gegenüber der Grundschule wohnte bereits 1856 Balthasar Schmitz, auch „Postbältes“ genannt. Der Name kam von seiner Tätigkeit als Postschaffner. Bis 1901 holte er jeden 2. Tag die Post in Adenau ab - am anderen Tag wurde diese dann in Kempenich ausgetragen. Der Lohn dafür betrug 300 Taler im Jahr. Er wohnte in dem Haus wo ab Oktober 1915 die Post eingerichtet wurde. Vorher war die erste Postanstalt in Kempenich seit 1860 in der Großstraße. Postvorsteher im Nebenamt war der damalige Bürgermeister (von 1855-1894) Nikolaus Arens. Bei feierlichen Anlässen trug er vergoldete Epauletten (Schulterbesatz), eine blaue Tuchuniform von militärischem Schnitt mit postrotem Kragen und Aufschlägen und einen Offiziersdegen. Die Verkehrsverbindung zur Kreisstadt Adenau war damals mehr als dürftig. Eine kurze Zeit wurde der Transport durch Joseph Wickert „Wickesch“ ausgeführt. Später waren es Postträger aus dem Umfeld von Adenau. Am 01. April 1878 wurde die Postagentur Kempenich der Abrechnungspostanstalt Niedermendig zugeteilt. Von Niedermendig aus wurde in den 1880er Jahren die erste Fernsprechanlage nach Kempenich eingerichtet. Ein großer Fortschritt für Kempenich war die Anbindung der Brohltalbahn am 07. Januar 1902. Die Agentur wurde dann dem Postamt Brohl zugeteilt. Nikolaus Arens legte am 01. Juli 1894, im Alter von 72 Jahren, sein Amt als Bürgermeister nieder, behielt aber die Postagentur. In den nächsten Jahren übergab er einen Teil der Postgeschäfte an seine Schwiegertochter Eugenie (geb. Freyhold), die dann nach seinem Tod am 01. Juli 1915 zur Postagentin ernannt wurde. Sie erhielt damals ein Gehalt von 1320 Mark. Im gleichen Jahr am 1. Oktober wurde der Postraum, mit Eugenie Arens als Leiterin, in das Wohngebäude von Albert Grones in die Hardtstraße verlegt. Albert Grones übernahm dann die Stelle von ihr. Nach ihm folgte sein Sohn Arthur. Mehrere Briefträger aus Kempenich gab es zu dieser Zeit. Der Bruder von Arthur, Karl, wurde wegen kleinerer Scherze auch „Poststrolch“ genannt. Weiterhin waren bis um 2000 Peter Nonn, Edmund Schmitz „Post Ettche“, Hermann Schlich „Post Häm“ und der freundliche „Post Frank“ tätig. Der Standort wechselte dann nach 2000 in die Bahnhofstraße. 2003 begann dann das Drama zur Schließung der Postfiliale. Die Gemeinde, die gerade den Antrag zur Anerkennung als Grundzentrum gestellt hatte, arbeitete eine Resolution zum Erhalt aus. Die Übergabe an den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post Klaus Zumwinkel durch den Kempenicher Burgherrn fand 2003 vor dem Capitol in Washington statt – siehe Bild. Dies half, denn im Laufe des Jahres 2004 wurde seitens der Deutschen Post mitgeteilt, dass am 30.11.2004 die Filiale in der Straße „Zur Alten Burg“ wiedereröffnet wird. Am 01. März 2012 wechselte die Post wieder zurück in die Bahnhofstraße (Dies und Das). Der verlängerte Vertrag lief am 31.01.2023 aus. Auch jetzt kam es wieder zu Turbolenzen. Da Kempenich mittlerweile Grundzentrum war, steht der Gemeinde eine sogenannte Interimsfiliale zu. Nach einigem hin und her wurde diese Mitte Juli 2023 in der Suppengasse (Entenpfuhl) eröffnet.

Die Übergabe an den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post Klaus Zumwinkel durch den Kempenicher Burgherrn fand 2003 vor dem Capitol in Washington statt. Foto: privat

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