Traditionskirmes in Koblenz-Moselweiß
Aufstellen des Kirmesbaumes durch Manneskraft
Ein alter Brauch wird immer noch gepflegt und ist nicht mehr wegzudenken
Koblenz-Moselweiß. Das Aufstellen des Kirmesbaumes bei einer Kirmes ist altes Brauchtum und darauf möchte keiner verzichten. Auch bei der diesjährigen Kirmes in Moselweiß war es wieder soweit - am ersten Kirmestag gegen Mittag standen 20 Helfer der Kirmesgesellschaft „Mosella“ mitten im Stadtwald und suchten den passenden Kirmesbaum.
Schnell war der etwa zwölf Meter hohe Baum gefunden, abgeschlagen und die Äste, bis auf die Krone entfernt. Bereits jetzt war die Muskelkraft der Männer gefordert, denn der Stamm musste auf Schultern vom Wald auf den Fahrweg getragen werden. Dann ging es hinunter nach Moselweiß, wo sie den Stamm erst einmal vor dem eigentlichen Aufstellplatz ablegten.
Am gleichen Abend war es dann, nach Abschluss des Kirmesumzuges endlich soweit und das „Ungetüm“ sollte aufgestellt werden. Auch hier wieder mit geballter Manneskraft.
Unter lautstarker Anleitung von Udo Hartmann, bekannt als ein Spezialist im Aufstellen von Kirmesbäumen in Koblenzer Stadtteilen ging das Ganze auch schnell und unkompliziert über die Bühne. Zumindest von Außen sah es für die Hunderten Zuschauer so aus, doch es steckt doch wirklich viel Kraft und Können dahinter. Erschwerend kam in diesem Jahr hinzu, das zwar mit Holzstangen, wie schon immer gearbeitet wurde, doch eine neu installierte Umlenkrolle an einem Neubau direkt an der Einlassstelle für den Baum war zum ersten Mal im Einsatz. Diese erwies sich aber als gut angebracht und durchaus nützlich, um den Baum in die Senkrechte zu befördern.
Langsam kam der Baum in die Senkrechte und dann ein kräftiger Anlauf der Männer und der Baumstamm federte in seinen Standplatz. Nun wurde er schnell mit großen Holzkeilen verankert und das Publikum jubelte begeistert. Der leichte Baumschmuck war vorher schon angebracht worden, genauso wie die neue Halterung mit samt dem Plastikfisch am oberen Teil des Kirmesbaumes.
Baumjunge sprach den Kirmesspruch in luftiger Höhe
Jetzt kletterte ein „Baumjunge“ mit Steigeisen am Stamm hinauf und brachte hier den Kirmesspruch zum Besten: „Unser Moselweiß hat sich gewandelt, aber der Kirmesbaum steht“, ließ er verlauten. „Unser Schiffschaukel steht, ein neuer Imbiss und ein neuer Weinstand, das Bier aus einem großen Fass“, so sprach er weiter. Dazu hatte er noch die musikalische Umrahmung aufgezählt und erklärte, wie schwierig der Aufbau und wie eng die Anlieferung waren. Zum Abschluss rief er alle auf, miteinander ausgelassen zu feiern und eine schöne Kirmes zu erleben, und schloß seine Rede mit einem „Mosella Heil“.
Jetzt zeigte sich doch, wie sehr diese alte Tradition geschätzt wird, denn alle Besucher schauten erst einmal dem Aufstellen des Kirmesbaumes zu, bevor sie sich dann gemeinsam auf den Kirmesplatz begaben, um dann endlich die Kirmes zünftig zu begehen. Doch am Rande des Geschehens fragte ein fremder Zuschauer in die Runde, warum eigentlich beim Aufstellen des Kirmesbaumes keine Frau mit dabei sei? Zuschauen also ja aber mit Anpacken nein – entspricht das nicht der Tradition? Die Zeiten ändern sich – mal sehen, wie sich das Aufstellen eines Kirmesbaumes noch verändern kann. In Moselweiß jedenfalls sind sie stolz auf ihre Kirmestraditionen und pflegen sie ständig jedes Jahr wieder mit viel Begeisterung.
US
Die Männer der Kirmesgesellschaft „Mosella“ konnten mal wieder stolz auf ihr Erreichtes sein – der Baum wurde ohne Probleme aufgestellt.
Bevor der Baum in die Höhe kam, wurde noch schnell der Plastikfisch angebracht, das ist Tradition in Koblenz-Moselweiß.
Der Kirmesbaum steht, der Fisch hängt fest und der Baumjunge kann nach seinem gelungenen Kirmesspruch wieder hinabsteigen.
