Mitgliederschwund führte Ende 2024 zur Auflösung der geschichtsträchtigen Institution
Aus nach 142 Jahren für den Obermendiger Steinhauerverein
Obermendig. Als der Mendiger Steinhauer Erich Heuft in seiner Broschüre von 2008 schrieb: „Die Geschichte des Steinhauervereins geht zu Ende. Es fehlt der Nachwuchs. Hoffen wir, dass der immer kleiner werdende Verein auch mit wenigen Mitgliedern noch viele Jahre aktiv bleiben kann“, konnte noch keiner ahnen, dass die Befürchtung 16 Jahre später Realität werden würde.
Der vor 142 Jahren gegründete Verein, der zu den bedeutendsten Kulturträgern in Obermendig zählte und sich bei der Bevölkerung einer großen Anerkennung erfreute, musste Ende 2024 aus genau den von Erich Heuft befürchteten Gründen aufgelöst werden.
Noch bevor in Obermendig Arbeiter- oder Sozial-Vereine gegründet wurden, deren Intention es war, der arbeitenden Bevölkerung in ihrer damaligen Not zu helfen, schlossen die Obermendiger Steinhauer sich zu einem Verein zusammen.
Laut Statuten des Vereins war das Hauptziel, Mitgliedern, die durch Krankheit oder Unfälle in eine besondere Notlage geraten waren, zu helfen. Weiterhin wurden auch die Familien unterstützt, wenn der für den Unterhalt zuständige Haushaltsvorstand durch Krankheit oder Tod ausgefallen war. Diese Form der Unterstützung war insbesondere in Notzeiten für alle, die auf den Layen (Steingruben) gearbeitet haben sowie für deren Familien von elementarer Wichtigkeit.
Im Lauf der Zeit haben die Aktivitäten des Vereins sich verändert. Die Erträge aus Spenden und Mitgliederbeiträgen wurden zu hundert Prozent in die Verschönerung des Dorfes und die nähere Umgebung investiert. Den Anfang der Arbeiten für die Allgemeinheit machte 1962 die Renovierung der St. Genovefa-Kirche. Hier konnten die Mitglieder des Vereins nach zahlreichen Stunden intensiver, unentgeltlicher Renovierungs- und Restaurierungsarbeit ein sehenswertes Ergebnis präsentieren.
Nachdem bei der Jahreshauptversammlung 1970 Roman Müller zum 1. Vorsitzenden, Erich Heuft als Kassierer und Dieter Heuft als Beisitzer gewählt worden waren, folgte die kontinuierliche Schaffung weiterer Werke. So zum Beispiel Skulpturen, Steinmonumente, Steinbänke, Reliefs sowie weitere wunderbare Kunstwerke. Eine Arbeit, die man unbedingt gesehen haben sollte, ist das Relief an der Ecke Oberstraße/Wasserschöpp, welches den Alltag und die Arbeitsabläufe in den heimischen Steingruben widerspiegelt. Viele weitere interessante Werke sind an verschiedenen Stätten in Obermendig zu betrachten. So werden zum Beispiel am oberen Kellbach 17 verschiedene Gesteinsarten präsentiert, die von den Mendiger Steinmetzen bearbeitet und aufgestellt wurden. Im Ort selbst wurden in Lebensgröße und aus heimischem Basalt an markanten Stellen Skulpturen aufgestellt, die verschiedene Berufe der Steinmetze widerspiegeln. Es empfiehlt sich unbedingt diese großartigen Leistungen des ehemaligen Steinhauervereins einmal näher in Augenschein zu nehmen.
Im Gespräch mit Blick aktuell sagte Willi Bömerich, der als Autodidakt dem Steinhauerverein angehörte und sich weit über Mendig hinaus als Autor der Obermendiger Chronik einen guten Namen gemacht hat: „In der 30 Jahre währenden Vorstandszeit von Roman Müller, Erich Heuft und Dieter Heuft, die inzwischen leider verstorben sind, wurden viele künstlerisch hochwertige Objekte in Dorf aufgestellt. Die Realisierung dieser Werke, war verbunden mit harter körperlicher Arbeit, die von den Mitgliedern des Vereins geleistet worden war. Was von den Dreien organisiert und in die Tat umgesetzt wurde, dürfte in dieser Zeit ohne Beispiel sein. An den Aktivitäten waren auch die Mitglieder des Vereins nicht unerheblich beteiligt, da die Aktionen ohne deren Unterstützung nicht möglich gewesen wären. Alle Namen zu benennen, die unentgeltlich für die Allgemeinheit gearbeitet haben, möchte ich nicht riskieren, da die Gefahr besteht, evtl. einen zu vergessen. Stellvertretend für alle die mitgeholfen und sich für die Belange des Vereins engagiert haben, möchte ich an dieser Stelle jedoch benennen: Steinmetzmeister Helmut Pung. Helmut war als Ideenbringer und als aktiver Helfer bei den praktischen Arbeiten an den Objekten eine wichtige Person im Verein.“ Übrigens war es auch Willi Bömerich, der von dem in Bell lebenden ehemaligen Vorsitzenden Anton Gierenstein im Oktober 2024 offiziell bevollmächtigt wurde, die Formalitäten zur Auflösung des Steinhauervereins zu erledigen.
Von 2001 an wurden keine neuen Steinkunstarbeiten mehr aufgestellt. Da inzwischen fast alle Aktiven Rentner waren, konnten sie diese harte Arbeit aus Altersgründen nicht mehr leisten. Im Übrigen kann seit dieser Zeit auch das traditionelle Brunnenfest nicht mehr stattfinden.
Zum Brauchtum des Vereins gehörte bis in die jüngere Vergangenheit auch der „Katharinen-Abend“, an dem die Mitglieder gemeinsam mit ihren Ehepartnern teilnahmen. Dieses gesellige Fest war verbunden mit einem gemeinsamen Essen.
Zu den ehemaligen 19 Mitgliedern zählten 11 Männer und acht Frauen, deren Ehepartner in den vergangenen Jahren verstarben. Durch ihre Ehemänner war die Bindung an den Verein so stark, dass sie diesen bis zur Auflösung unterstützten.
Leider ist der Steinhauerverein von Obermendig nunmehr seit Ende 2024 Geschichte.
FRE
