Neuwieder Umweltschutz e.V.: Werksbesichtigung des Biomasseheizkraftwerkes (BHKW)
Aussichten für Kraftwerk und Energiewende?
Klimamanagerin der Stadt Neuwied gewinnt erste Eindrücke
Neuwied. Der Neuwieder Umweltschutz-Verein startete wieder seine externen Aktivitäten. Die seit Jahren guten und konstruktiven Kontakte zum Neuwieder Umweltschutz wurden durch eine Einladung in das Biomasse-BHKW Flohr weitergeführt. Dazu gehörte eine gut zweistündige Werksbesichtigung im laufenden Betrieb sowie ein allgemeiner und fachlicher Austausch zu Entwicklung und Betrieb des 30-Megawatt-Kraftwerks und insbesondere auch zu den umweltspezifischen Daten, wie zum Beispiel zu den Emissionen oder etwaigen Störfällen. Diese werden zwar nach den gesetzlichen Vorgaben jährlich veröffentlicht bzw. gemeldet, aber im persönlichen Gespräch kommen natürlich noch viele weitere Aspekte zum Tragen. Die sogenannte „Kraft-Wärme-Kopplung“ ist eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende und wird bereits seit über 20 Jahren von der Bundesregierung zum Beispiel über das EEG-Gesetz gefördert. Im Zuge des Klimawandels kann die Gesellschaft es sich immer weniger leisten, wertvolle Wärmeenergie einfach sinnlos in die Luft zu blasen. Leider geschieht aber genau das seit kurzem notgedrungen beim Flohr-Kraftwerk, da die Fa. Rasselstein als Wärmeabnehmer weggefallen ist. D.h. von den gut 30 Megawatt Feuerungs-Leistung des Flohr-Kraftwerkes können aufgrund physikalischer Gesetze und Wirkungsgrade bis ca. 25 Prozent der Energie verstromt werden. Der weit überwiegende Restanteil an Energie wird aber, da z.Zt. kein Wärmeabnehmer da ist, über spezielle Kühler auf dem Dach der Anlage an die Umwelt abgeführt, um einen guten Wirkungsgrad der stromerzeugenden Turbine aufrecht zu halten. Dieses Prinzip ist allgemein üblich bei konventionellen Wärme-Kraftwerken, dazu gibt es bei Großkraftwerken (z.B. Atom- oder Kohle-Kraftwerken) die bekannten Kühltürme. Nur Blockheizkraftwerke (BHKW’s) nutzen die wertvolle Restwärme weitgehend aus. Das Biomasse-BHKW von Flohr hat dieses Potenzial und könnte damit rund 4.500 Einfamilienhäuser oder eine noch größere Zahl an Einzelwohnungen mit Wärme versorgen, beispielsweise auch durch Anbindung an das bereits existierende städtische Fernwärmenetz sowie im Rahmen einer nachhaltigen Planung für existierende und zukünftige Baugebiete im Sinne einer klimafreundlichen Stadt Neuwied mit dem späteren Ziel der Klimaneutralität. Klimaschutz geschieht nicht alleine durch großartige Konferenzen und Abkommen, er muss ständig und immer wieder im Kleinen vor Ort begonnen und umgesetzt werden. Bei dem Potenzial des Flohr-BHKWs und den immer weiter steigenden Kosten für fossile Energieträger, z.B. auch für die städtischen Gas-Heizkraftwerke, kann eine Kooperation nur eine Win-Win-Situation bedeuten und einen Zugewinn für die Bürger sowie das Image der Stadt Neuwied.
Um hierauf aufmerksam zu machen, war auf Anregung des NUV die Klimaschutzmanagerin der Stadt Neuwied Dr. Zuhal Gültekin mit von der Partie beim Flohr-Besuch. Zum einen, um sich einen Überblick zu verschaffen über die existierende gute Kommunikationsebene, wie über die komplexe Materie gefachsimpelt wird und zum andern, welche aktuellen Aussichten es im Rahmen der Klima-und-Energiewende gibt, hier ganz lokal in Neuwied mit dem existierenden Kraftwerk einen wesentlichen Beitrag liefern zu können, wenn das enorme Potenzial an Kraft-Wärme-Kopplung voll genutzt würde.
Beim Rundgang durch das Kraftwerk und Gespräch mit NUV-Vorsitzendem Hendrik Hoeber erläuterte Philipp Engel (Betriebsleiter Biomasse), bereits in 3. Generation des familiengeführten Unternehmens seit Gründung des Neuwieder Traditionsunternehmens Flohr im Bereich Spedition und Holzverwertung und heutigen Flohr AG, welche heute ein zertifiziert klimaneutrales Unternehmen ist: „Wir machen eine vorausschauende Wartung in unserm Kraftwerk, um Ausfälle oder Störungen zu vermeiden – dazu haben wir eigene geschulte und erfahrene Mitarbeiter sowie ein eigenes großes Ersatzteillager für Verschließteile – so halten wir unser Kraftwerk jung und für die Zukunft fit“. Dieser Ansatz, welcher auch der verantwortungsvollen Unternehmensphilosophie entspringt, sorgt nicht nur für hohe Zuverlässigkeit und Langlebigkeit des Kraftwerkes, sondern kommt auch der Umwelt zu Gute, denn der Gefahr eines Störfalles, der potenzielle Umweltrisiken bergen könnte, wird somit bestmöglich entgegengewirkt.
Der NUV engagiert sich seit Jahren als Mitglied im „Klimabündnis Mittelrhein“ im Rahmen des regionalen Zusammenschlusses gemeinnütziger Umweltorganisationen. Die Stadt Neuwied hatte in 2021 den Beitritt zum „Klimabündnis der europäischen Städte“ verkündet. Im Rahmen eines solchen Bekenntnisses der Stadt Neuwied, liegt natürlich auch eine ernstzunehmende Selbstverpflichtung, nicht nur europäisch/international sondern vor allem lokal etwas zu bewegen.
