Allgemeine Berichte | 05.01.2026, 10:56 Uhr

Häusliche Gewalt, Mißbrauch und Entfremdung: Mit ihren Büchern möchte die 88-Jährige Mut machen und aufrüttteln

Autorin Lieselotte Kamper widmet sich Ungerechtigkeiten, die unter die Haut gehen

Lieselotte Kamper widmet sich in ihren Büchern menschlichen Schicksalen mit viel Einfühlungsvermögen.  Foto: privat
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Rhein-Sieg-Kreis/Sankt Augustin. Lieselotte Kamper aus dem Rhein-Sieg-Kreis ist Autorin mehrerer Bücher, die sich mutig und intensiv mit gesellschaftlich und persönlich sensiblen Themen auseinandersetzen. Von häuslicher Gewalt über Kindesentfremdung bis hin zu Schicksalen, die unter die Haut gehen. Lieselotte Kampers Werke eröffnen intime Einblicke in die Lebensrealität ihrer Protagonisten - und auch ihres eigenen Lebens. Im Interview mit BLICK aktuell spricht sie über ihren Schreibprozess, die Beweggründe hinter ihren Büchern und die Botschaften, die sie an ihre Leserinnen und Leser weitergeben möchte. Alle ihre Romane drehen sich um Schicksale, die sich im unmittelbaren Umfeld von Lieselotte Kamper wirklich ereignet haben. Außerdem hat sie weitere Geschichten zusammengetragen, wie die von Edith Seppelt, die 1945 die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten überlebt hat.

BLICK aktuell: Frau Kamper, Sie schreiben Bücher über ein sehr besonderes und gleichzeitig intimes Thema. Was sind die Inhalte Ihrer Werke?

Lieselotte Kamper: Häusliche Gewalt war in meinem ersten autobiographischen Roman das Thema. Im Laufe der Jahre griff ich Kindesentfremdung, Kindesentzug und Kindesmissbrauch als Thema auf. Ich schrieb über Sterbebegleitung einmal ganz anders, als man sie sich vorstellt, und über intime Einblicke in die Gedankengänge eines Familienvaters. Ich verfasste ein Buch über häusliche Pflege, indem ich mir nicht nehmen ließ, das Gesundheitssystem anzuprangern, und vertiefte mich in das Schicksal von Edith. Edith, die die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten überlebt hat, bei der sie Mann und Kind verlor. In meinem letzten Buch, welches ich veröffentlichte, geht es um den Leidensweg eines Homosexuellen. Alles diskussionswürdige Themen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass in jedem meiner Bücher zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten passieren.

BLICK aktuell: Ihre Bücher entstehen aus sehr persönlichen und oft schmerzhaften Erfahrungen. Was hat Ihnen letztlich den Mut gegeben, diese Geschichten nicht nur aufzuschreiben, sondern auch öffentlich zu machen?

Lieselotte Kamper: Ich hatte von Anfang an das Ziel, die Geschichten, die mir anvertraut wurden, zu veröffentlichen. Nachdem ich meine ersten zwei Bücher in die Öffentlichkeit getragen hatte, kamen die Protagonisten zu mir. Es hat sich einfach so ergeben. Sie erzählten mir von ihren schmerzlichen Erfahrungen mit dem Wunsch, dass daraus ein Buch wird.

BLICK aktuell: Sie haben erst im Rentenalter mit dem Schreiben begonnen und sofort große Resonanz erfahren. Heute sind Sie 88 Jahre alt. Was bedeutete es für Sie, dass Ihr erstes Buch „Draußen wartet die Angst“ so viel Aufmerksamkeit erhielt – bis hin zur Einladung in eine TV-Sendung mit Jürgen Fliege?

Lieselotte Kamper: Natürlich wollte ich mit meinen Erfahrungen Interesse wecken. Ich wollte Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich damals, Mut machen zu gehen. Es anders zu machen, als ich es tat. Ich wollte aber auch Männer, die zu Gewalt neigen, Mut machen, professionelle Hilfe anzunehmen, um den Kindern die Geborgenheit des Elternhauses zu erhalten.

Und die Resonanz, die ich erhielt, machte mich einerseits stolz. Auf der anderen Seite konnte ich mein Leben im Schneckenhaus nicht aufgeben. Hätte ich es gekonnt, dann wäre ich nicht ans Schreiben gekommen. Es gäbe also mein erstes Buch nicht und auch nicht die anderen.

BLICK aktuell: Sie beschreiben das Schreiben als einen Prozess, bei dem sich Ihre Vergangenheit noch einmal mit aller Wucht geöffnet hat. War das Schreiben für Sie eher Befreiung, Verarbeitung oder auch eine erneute Konfrontation mit dem Erlebten?

Lieselotte Kamper: Anfangs habe ich gar nicht darüber nachgedacht, was es mit mir machen könnte. Ich wollte meine Erfahrungen weitergeben, mehr nicht. Anfangs begab ich mich beim Schreiben ja in meine unbeschwerten Kindheits- und Jugendjahre. Dass mich die Vergangenheit dann aber so brutal überrumpeln würde und kaum verheilte Wunden wieder aufriss, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber da war ich doch schon mittendrin und ein Aufgeben kam nicht in Frage.

BLICK aktuell: Auf die Frage, warum Sie sich immer wieder schweren, sensiblen Themen widmen, antworteten Sie einmal: „Das Schöne will ich doch selbst erleben.“ Was wünschen Sie sich, dass Leserinnen und Leser nach der Lektüre Ihrer Bücher mitnehmen – für ihr eigenes Leben?

Lieselotte Kamper: Im Übermut hatte ich mich einmal so geäußert. Aber zu der Frage, was ich mir wünsche: Dass sie aufmerksam und verständnisvoll sind. Und, dass sie hinsehen.

Viele weitere Informationen zu den Werken der Autorin gibt es online unter www.lieselotte-kamper.de

ROB

Lieselotte Kamper widmet sich in ihren Büchern menschlichen Schicksalen mit viel Einfühlungsvermögen. Foto: privat

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