Bänke in Rheinbach beschmiert - 200 Euro Belohnung ausgesetzt
„Neue Pfade“ renovieren mutwillig zerstörte und morsche Sitzgelegenheiten
Rheinbach. „Wir können kaum so schnell nacharbeiten, wie die Bänke im Stadtgebiet beschmiert und zerstört werden.“ Werner Gerhards, Peter Beyer, Vladimir Ziuzin und Ewald Becker sind sauer. Sie stehen im Rheinbacher Stadtwald an zwei Bänken - gerade vor ein paar Monaten aufgestellt, sind sie mit grellgrüner Farbe beschmiert. Dass die meist jüngeren „Nutzer“ dieser Sitzgelegenheiten nur auf den Lehnen hocken und dadurch die Sitzflächen mit ihren Schuhen verdrecken und beschädigen, ist an fast allen Bänken in der Stadt zu sehen. Gepflegt, neu aufgebaut und teilweise von Grund auf erneuert werden diese gerade für ältere Bürger sehr wichtigen Raststellen von der Stadt, den Förstern und zum größten Teil von den „Neuen Pfaden“, der Organisation der St. Georgs Pfadfinder in Rheinbach. Sie führen arbeitslose Jugendliche an das Arbeitsleben heran und versuchen, sie in feste Arbeitsverhältnisse zu bringen. „Dazu dienen auch die Arbeiten an den Hunderten von Bänken im Stadtgebiet. Die jungen Arbeitslosen lernen das Arbeiten mit Flex und anderen Geräten, sie beschäftigen sich mit Holz und Farben. Kurz: Sie lernen viele Dinge kennen, um ihre Neigungen und Fähigkeiten zu erproben. Natürlich machen sie das nur unter fachlicher Anleitung“, sagt Vorsitzender Werner Gerhards. Viele Aktivitäten in der Stadt zeugen von dem sozialen Engagement des Georgsrings.
Ein Segen für die Stadt
Für die Stadt ist es ein Segen, dass der Georgsring sich so stark einbringt. Waldkapelle, Stadtmauer, Römerkanal und viele andere Sehenswürdigkeiten prägen das Stadtbild. Alles gestaltet und umgesetzt von den „Neuen Pfaden“. Die Stadt ist froh, dass sie bei leerer Kasse lediglich mit dem Bauhof mitarbeiten muss oder nur Material dazugibt. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist hervorragend“, erklären die vier früher aktiven Pfadfinder. Das wird auch bei den Bänken wieder so sein. Sponsoren helfen mit Sachspenden, die Stadt übernimmt Spanndienste durch den Bauhof, Hand legen die „Neuen Pfade“ an. Dass die beschmierten Bänke erst seit dem 4. Dezember stehen und nun schon für die Reparatur abgebaut werden müssen, macht die Pfadfinder zornig. Um die Farbe abschmirgeln zu können, muss das Holz abmontiert und in der Werkstatt bearbeitet werden. „Ein großer Aufwand, wenn man es vernünftig macht. Denn Bänke in der Öffentlichkeit müssen sehr stabil sein, um die Normen zu erfüllen. Und sie müssen natürlich so fest sein, dass sie nicht leicht wieder zerstört werden können“, umschreiben Beyer, Ziuzin und Becker das, was auf die jungen Leute nun zukommt.
Ein Bänke-Kataster
Um die Bänke im ganzen Stadtgebiet zu erfassen, haben die Pfadfinder ein Kataster ausgearbeitet, das alle Bänke von der Kernstadt bis zu den kleinsten Ortschaften auflistet. Regelmäßig werden sie in Augenschein genommen. Denn nicht nur durch Vandalismus werden die Helfer auf den Plan gerufen. Wie ebenfalls im Stadtpark zu sehen ist, nagt der Zahn der Zeit selbst am behandelten Holz. Oft werden die „Neuen Pfade“ angerufen und über morsches Holz oder andere Schäden informiert. „Schon bezeichnend, dass die Leute gleich bei uns anrufen. Die wissen also, dass wir die Bänke betreuen und wiederherstellen“, sieht Gerhards einen gewissen Bekanntheitsgrad für seine Gruppe und ihre Arbeit. „Wir würden natürlich lieber anderen Beschäftigungen nachgehen, als diesen mutwilligen Zerstörungen hinterherzulaufen. Deshalb haben wir wegen der beiden beschmierten Bänke eine Belohnung von 200 Euro ausgesetzt. Vielleicht wird da ja jemand schwach und gibt der Polizei einen Tipp“, hoffen die „Neuen Pfade“ auf eine Aufklärung. An manchen Stellen in Rheinbach haben die ständigen Schäden und die entsprechend hohen Kosten dazu geführt, dass zum Beispiel wie in Bahnhofsnähe beschädigte Sitzgelegenheiten nur noch abgebaut, nicht aber erneuert wurden.
Verdreckt und morsch sind einige der Bänke im Stadtpark.
