Fünf Jahre „Bad Breisiger Abendmusik in St. Marien“
Barocker Glanz zum kleinen Jubiläum
Bad Breisig. Kaum zu glauben: Nun gibt es die „Bad Breisiger Abendmusik in St. Marien“ bereits fünf Jahre. Im Jahr 2013 hatte die neu in Betrieb genommene Barockorgel große Begeisterung ausgelöst. Vor allem die Tatsache, dass der ursprünglich für unerfüllbar gehaltene Wunsch des Neubaus einer Orgel im Stil des norddeutschen Orgelbaumeisters Arp Schnitger sich dank großzügiger privater Spenden, des Einsatzes vom Orgelbau-Förderverein und der Verbindung zu Orgelbaumeister Rowan West endlich doch umsetzen ließ, führte zu ungeahnten Aktivitäten. Besonders dem in die außergewöhnliche Qualität der neuen Orgel verliebten und für die alte norddeutsche Orgelkunst schwärmenden Virtuosen Sven Scheuren ist die Idee zu verdanken, damit eine Folge von „Abendmusiken“ zu verbinden, wie sie einst bei Meister Dietrich Buxtehude in der Lübecker Marienkirche üblich waren. In seiner Ehefrau Carmen Scheuren, der für die Niederbreisiger Pfarrei verpflichteten Organistin, aber auch in der kunstsinnigen Pfarrreferentin Christel Fassian-Müller, fand der Ideengeber zupackende Abnehmer für seine Pläne: Die einmal je Monat stattfindende „Abendmusik in St. Marien“ war geboren.
Seitdem haben eine Menge bemerkenswerter musikalischer Ereignisse in der Marienkirche stattgefunden, und immer wieder sind die Verantwortlichen bemüht, die allmonatlichen Abendmusiken zu musikalischen, aber auch religiösen Erlebnissen zu machen. Sie werden dabei gelegentlich von der Stadt, aber auch beispielsweise vom Verein „Forum Kultur“ unterstützt. Was in den Zeiten musikalischen Umbruchs gar nicht selbstverständlich ist: Es hat sich für die kirchenmusikalischen Events in Bad Breisig ein zuverlässiges, treues Publikum gefunden.
Von Hochbarock bis zu Anklängen der Wiener Klassik
Für die Initiatoren und die interessierten Besucher der Konzerte galt es, gemeinsam das Jubiläum „Fünf Jahre Bad Breisiger Abendmusik“ gebührend zu begehen. Dazu hatte man den mit der Orgel von St. Marien bereits vertrauten Dan Zerfaß, Domorganist an St. Peter in Worms, gewonnen. Er hatte für diesen besonderen Anlass gleich ein mit der Barockmusik vertrautes Streicherensemble mitgebracht. In dem Orchester begleiteten drei Geigen, zwei Violen, ein Violoncello und ein Kontrabass die von Dan Zerfaß gespielte Barockorgel. Geboten wurde ein für diese Besetzung passendes Programm, zum Beispiel zwei der Konzerte von Georg Friedrich Händel für Orgel und Orchester, die der Komponist 1735 für den englischen Hof des Königs Georg I. geschaffen hatte. Es fällt immer wieder schwer, den kirchlichen Gepflogenheit zu folgen und den für derartige – von der Komposition und von der Wiedergabe her – herausragenden Musikerlebnissen den angemessenen Beifall bis zum Ende der Veranstaltung vorzuenthalten. Das gilt auch für die wunderschöne „Partita“ des einstmals Weimarer Organisten Johann Gottfried Walther, der es verstand, seinen musikalischen Einfall in zehn unterschiedlichen alten Tanzformen zu variieren – eine Interpretation, die vom Publikum nahezu atemlos belauscht wurde. Das Programm blieb im Barock – auch mit Wolfgang Amadeus Mozarts Jugendwerk, der Sonate KV 336 für Streichorchester und Orgel, die aber mit ihrem rokokohaften Glanz schon in die Wiener Klassik hineinragt – ein zauberhaftes Stück Musik, das mit instrumentaler Präzision dargeboten wurde. Ein weiterer Höhepunkt der Abendmusik: die Komposition des barocken Römers Arcangelo Corelli. Er gilt als der Erfinder des „Großen Konzerts“, jener Streichergruppe um ein dominierendes Soloinstrument. Das in St. Marien intonierte „Concerto grosso“ D-Dur ist eine der zwölf posthum veröffentlichten Kompositionen dieses Genres – fünf virtuos gestaltete Sätze, von Dan Zerfaß und seinen Musikern meisterhaft gespielt.
Es wurde tatsächlich der Abend mit „Barockem Glanz“, passend zur barocken Kirche St. Maria Himmelfahrt. Passend dazu auch die verbalen Beiträge von Christel Fassian-Müller, allesamt auch aus der Zeit des Barock; so die Aussagen von Andreas Gryphius („Vanitas“ und „An eine Geschminkte“), Johann Frank („Jesu, meine Freude“) und eine Sicht auf Politiker des Freiherrn Friedrich von Logau. Der äußert in seinen gereimten Versen schon im frühen 17. Jahrhundert eine Sicht auf Politiker, die sich seitdem gefestigt hat: ein wenig Missklang in einer sonst von lauter Harmonien getragenen Abendmusik. Großer Beifall dankte am Ende all jenen, die das Konzert gestaltet und ermöglicht haben. FA
