Allgemeine Berichte | 21.07.2025

Bauverzögerung in der Poststraße: Notwendige Pflastersteine aus China sind irgendwo auf hoher See unterwegs

Baustelle in Bad Neuenahr: Die Nerven liegen blank

Die nördliche Poststraße soll Ende Oktober fertig sein. Foto: GS

Bad Neuenahr. Die beste Baukolonne kann nicht arbeiten, wenn kein Material da ist. So sieht es derzeit in der südlichen Poststraße in Bad Neuenahr aus. Ein Umstand, der die anliegenden Geschäftsleute in Harnisch und die Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (AuEG) in Bedrängnis bringt. So sprach denn auch Reinhold Goisser von der AuEG bei einer Informationsveranstaltung von „einem schwierigen Tag“, an dem man „nichts unter den Teppich kehren“, sondern die „Grundzüge der Probleme erläutern wolle. Dazu hatte er das beteiligte Bauunternehmen, Lieferanten und Planer an einen Tisch geholt, um Rede und Antwort zu stehen.

Fakt eins ist, die benötigten Pflastersteine fehlen und der ursprüngliche Termin für die Fertigstellung der südlichen Poststraße, 31. Juli, kann nicht eingehalten werden. Es wird wohl Ende September werden. Denn die Pflastersteine dümpeln auf hoher See irgendwo zwischen China und Hamburg daher. Wobei Bastian Imenkamp vom Steinlieferant Metten zunächst von Problemen mit dem Steinbruch gesprochen hatte und erst auf Nachfrage erklärte, dass sich dieser in Fernost befindet. Ein Umstand, der den Entscheidungsgremien in Bad Neuenahr-Ahrweiler laut Aussage von Stadt-Vize Peter Diewald so nicht bekannt gewesen war.

Zielhafen Hamburg

Fakt zwei ist, das Containerschiff mit den Steinen wird erst in der ersten Augustwoche im Hamburger Hafen erwartet. Ein Weitertransport an die Ahr wird dann erst nach einer weiteren Woche Zollabfertigung erfolgen. Erst dann kann der Einbau erfolgen. Die erste Charge Pflaster ist hingegen verbaut, weshalb die zweite Charge für die südliche und dann die nördliche Poststraße auf sich warten lässt und nicht früher bestellt wurde, war die Kritik aus den Reihen der Geschäftsleute: „Das hätte früher disponiert werden müssen.“ Da half es auch nicht, dass Imenkamp „jahrelange gute Zusammenarbeit mit den Partner ohne Verzögerungen“ ins Feld führte. Der Stadt ist der Missstand jedenfalls „sehr unangenehm“ und Peter Diewald appellierte, dass man „künftig bei Lieferanten gut beraten sei, mindestens drei bis vier Wochen draufzuhauen“. Die Stadt ist laut AuEG jedenfalls bemüht, alles baldmöglichst hinzukriegen.

Da spielt auch das Bauunternehmen Wahl mit. Dessen Sprecher Jürgen Ritter unterstrich, dass die Firma für die weiteren Arbeiten auf zusätzliches Personal setze, dafür auch Urlaube freiwillig verschoben worden seien und künftig auch samstags in der Poststraße gearbeitet werde. Auf die Bestellung des Materials habe seine Firma keinen Einfluss gehabt.

30 Prozent Umsatzeinbuße

All das ändert nichts daran, dass bei den Geschäftsleuten die Nerven blank liegen. So machte Hans Georg „Hugo“ Heinzen von Hugos Plattenkiste aus der Poststraße deutlich: „Im ersten Quartal waren es 25 Prozent Umsatzrückgang, im zweiten 30 Prozent und das Sommergeschäft ist durch.“ Er rege sich nicht über die Formen auf, die gäben sich totale Mühe, doch bei der Kommunikation seitens der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft gebe es Defizite. Die aktuelle Informationspolitik fand Lob im Publikum, doch der Rückblick fiel weniger freundlich aus: „Das macht ihr gut, nur zwei Jahre zu spät. Es wird zuviel.“ Da sah auch Diewald „noch Spielraum nach oben“.

Aber wie geht es weiter? Wenn die Pflasterlieferung Bad Neuenahr erreicht hat wird es rund sechs Wochen dauern, bis die südliche Poststraße fertiggestellt ist. Was dann im Herbst noch folgt sind die Baumpflanzungen. Bei der nördlichen Poststraße soll der Termin der Fertigstellung laut AuEG bis Ende Oktober eingehalten werden.

Warum aber nicht alle zwei Chargen Pflaster für die gesamte Poststraße auf einmal bestellt und dann pünktlich geliefert wurden, war eine durchaus spannende Frage. Imenkamp führte dazu die frühere Zuverlässigkeit seiner Partner und fehlende Lagerkapazität vor Ort an. Letzteres wollte indes FWG-Fraktionschef Alfred Förner gegenüber Blick aktuell nicht stehen lassen: „Platz hätten wir genug gehabt.“ Und CDU-Fraktionschef Peter Ropertz wird in einer Stellungnahme deutlich: „Was wir hier erleben, wirkt auf mich nicht mehr nur wie eine Frage der Logistik, sondern eher mangelnder Koordination und einer Salamitaktik.“ Für die Gewerbetreibenden in der Poststraße gehe es indes um ihre Existenz. Für diese bleibt zu hoffen, dass die jetzt angekündigten Termine eingehalten werden.

Die nördliche Poststraße soll Ende Oktober fertig sein. Foto: GS

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Hausmeister, bis auf Widerruf
Dauerauftrag 2026
Gläser
Titelanzeige
Image
Rabattaktion
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0009#
Blaulichtfest in Grafschaft-Ringen, 11. – 12.07.26
Empfohlene Artikel
Über 100 Mitglieder mit 47 Fahrzeugen der „Streetka-Community“ waren ins Ahrtal gekommen.
456

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ein ungeschriebenes Gesetzt besagt, dass all jene Veranstaltungen, die mindestens dreimal am gleichen Ort stattgefunden haben, als „Tradition“ zu werten sind – zumindest im Rheinland und in der Eifel.

Weiterlesen

Horst Gies. Foto: privat
416

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach 15 Jahren im Mainzer Landtag endet für Horst Gies eine prägende politische Etappe. Von 2011 bis 2026 vertrat der CDU-Politiker den Wahlkreis 14 mit Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Grafschaft, Altenahr und Adenau im Landtag in Mainz. Rückblickend sagt der 65-Jährige: „Es war für mich das Wichtigste, stets für die Menschen da zu sein.“ Lesen Sie den vollständigen Artikel im BLICK aktuell-Regio-Magazin

Weiterlesen

Der Marktplatz von Ahrweiler.  Foto: ROB
508

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch in diesem Jahr lädt die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wieder zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung anlässlich des nunmehr fünften Jahrestags der Flutkatastrophe ein, die in diesem Jahr unter Beteiligung der Landesregierung ausgerichtet wird. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 14. Juli, um 19 Uhr auf dem Ahrweiler Marktplatz statt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Aus für das Provisorium: Das Ausweichquartier Calvarienberg darf per behördlicher Anordnung nicht mehr genutzt werden.  Foto: GS
603

Schock für die Eltern: Eine sicher Nutzung des Provisoriums der Kita Sankt Laurentius sei derzeit nicht gegeben, sagen die Behörden

Ahrweiler: Kita-Kinder stehen vor ungewisser Zukunft

Ahrweiler. Ein Brandbrief ist ein öffentlicher Hilferuf. Einen solchen hat Miriam Radermacher für den Elternausschuss der Ahrweiler Kita Sankt Laurentius verfasst. Denn die Eltern treiben Sorgen um die Betreuung ihrer Kinder um. Was ist geschehen?

Weiterlesen

Flaschen, Plastikverpackungen, Einweggeschirr: Am Ufer des Sees türmt sich gerade nach Wochenenden der Müll.  Foto: Gabi Becker
574

Mit großer Besorgnis beobachte ich die zunehmende Verschmutzung am Laacher See. Besonders nach den Wochenenden bleiben nach Partys häufig Flaschen, Plastikverpackungen, Einweggeschirr und anderer Müll am Ufer, entlang der Wege und sogar mitten im Wald zurück. Dieses rücksichtslose und antisoziale Verhalten schadet der Natur und der Tierwelt gleichermaßen und beeinträchtigt die Erholung aller Besucherinnen und Besucher.

Weiterlesen