Allgemeine Berichte | 11.05.2018

BEV will die Zwillingstürme der ehemaligen Ludendorffbrücke verkaufen

„Bauwerk von überregionaler kriegshistorischer Bedeutung“ steht zum Verkauf

Die Zwillingstürme am Fuße der Erpeler Ley sind dringend sanierungsbedürftig. DL

Erpel. Die Zwillingstürme der ehemaligen Ludendorffbrücke am Fuße der Erpeler Ley unmittelbar an der B 42 stehen zum Verkauf. „Freistehender Überrest eines monumentalen Brückenbauwerks von überregionaler kriegshistorischer Bedeutung“, so die Objektbeschreibung der Behörde „Bundeseisenbahnvermögen“ (BEV) auf der Immobilien-Internetseite. Eine konkrete Preisvorstellung für das denkmalgeschützte, den Bahnbetriebszwecken gewidmete Gebäude, das provisionsfrei zu haben ist, wird nicht genannt, den Zuschlag bekommt demnach derjenige, der bis Freitag, 18. Mai das höchste Gebot abgegeben hat.

Eins ist sicher: Die Gemeinde Erpel wird es nicht sein. Die ist nämlich heilfroh, dass sie die maroden Zwillingstürme im Sommer 2015 wieder an die Bahn AG zurückgeben konnte, nachdem sie 1988 für eine symbolische Mark Eigentümerin geworden war. Die historische Immobilie ist nämlich dringend sanierungsbedürftig. Das verschweigt die BEV nicht: „Auf Grund der Gefahr durch herabstürzende Fassadenteile muss die Verkehrssicherungspflicht beachtet werden: Fußgänger, Radfahr- und Autoverkehr verläuft in direkter Nachbarschaft“, informiert sie potenzielle Interessenten. Die können sich vor Ort davon überzeugen, dass der Gehweg an den Brückentürmen gesperrt ist, da die Gefahr besteht, dass Steine aus der Fassade herabstürzen. „Ich bin schon sehr gespannt, wer diese Brückentürme kaufen will“, so Bürgermeisterin Cilly Adenauer, die zunächst an einen Aprilscherz gedacht hatte, als sie von den Verkaufsabsichten gehört hatte. Immerhin waren die Sanierungsmaßnahmen zuletzt auf rund 1,4 Millionen Euro geschätzt worden und auch wenn die Gemeinde auf Fördermittel aus Mainz sowie auf Gelder aus verschiedenen Denkmalschutz-Töpfen des Bundes hätte hoffen können, selbst die verbleibende Summe in Höhe von rund 275.000 Euro hätte die hoch verschuldete Kommune nicht aufbringen können.

Cilly Adenauers Vorgänger, Edgar Neustein, hatte den Gemeinderat zum „Kauf“ der Zwillingstürme von der damaligen Bundesbahn bewegt. Zum einen ging es ihm um die Erhaltung eines „Mahnmals für den Frieden“, das bis vor wenige Jahren noch regelmäßig amerikanische Veteranen besucht hatten.

Brücke rettete vielen Deutschen das Leben

Gebaut wurde die nach Generalfeldmarschall Erich Ludendorff benannte Brücke auf Drängen des Militärs, um möglichst schnell über das neutrale Belgien Soldaten von der Westfront in den Osten verlagern zu können. Entsprechend hatte man die Ost-West-Eisenbahnverbindung durch die Eifel gut ausgebaut, so dass dort an einige Stellen sieben Schienenstränge nebeneinander lagen. Als Hindernis erwies sich allerdings der Rhein mit seinen Brücken in Köln, Koblenz und Mainz, so dass man unbedingt die Brückenkapazität erhöhen musste. Der Bau der von dem Architekten Karl Wiener entworfenen, 6000 Tonnen schweren Stahlkonstruktion, die ursprünglich auf zwei Pfeilern im Rhein ruhte, wurde aber erst nach Ausbruch des Krieges im April 1916 begonnen, im August 1918 war sie zwar fertig aber ohne Gleise, so dass die deutschen Soldaten auf ihrem Rückmarsch im November/Dezember den Rhein zu Fuß über die Brücke passieren mussten. Die Schienen wurden erst 1919 als letztes Stück der preußischen Bahn verlegt, zu einem Zeitpunkt, als die Brücke aus wirtschaftlicher Sicht völlig wertlos geworden war. Bedeutung erlangte sie erst wieder 1940 beim Vormarsch der deutschen Truppen im Frankreich-Feldzug und dann als die alliierten Luftangriffe im Frühjahr 1944 auf das Rhein-Ahr-Gebiet begannen und sich dabei natürlich neben Köln auch auf die Ludendorffbrücke als wichtige Verbindungslinie konzentrierten. Schäden konnten aber immer wieder behoben werden, so dass eine kleine Vorhut der 9. US Panzerdivision unter Leitung des deutschstämmigen Leutnants Karl Timmermann am 7. März 1944 um 11 Uhr die völlig intakte Ludendorffbrücke erreichte. Um 13.40 Uhr begannen die alliierten Soldaten von der linken Rheinseite aus den Angriff auf den Brückenkopf auf Erpeler Seite, den sie ohne Gegenwehr einnehmen konnten. „Nicht nur für die Amerikaner war die Brücke Gold wert, wie General Eisenhower gesagt haben soll. Sie rettete vor allem vielen Deutschen das Leben, nicht nur weil durch die unvorhersehbare Rheinüberquerung der Krieg drei Monate früher beendet werden konnte“, pflegt Edgar Neustein als Vorsitzender des Kunst- und Kultusvereins „ad erpelle“ bei der Aufführung „Die Brücke“ im ehemaligen Eisenbahntunnel unter der Erpeler Ley zu erklären.

In dem Schauspiel nach dem Roman von Rolf Palm berichtet Leutnant Timmermann, dass nach den ursprünglichen Pläne der Alliierten ein 50 Kilometer langer Streifen rechtsrheinisch unter Einsatz von 8000 Kampfflugzeugen und 4000 Kanonen sturmfrei gebombt werden sollte. Allein auf den nur acht Kilometer breiten Angriffsstreifen wären 65000 Granaten vor der Rheinüberquerung innerhalb einer Stunde abgeschossen worden, falls auch die Ludendorffbrücke zerstört worden wäre. Zwischen Koblenz und Bonn-Beuel wäre kein Stein auf dem anderen geblieben.

So weit die überregionale, kriegshistorische Bedeutung der im Erdgeschoss miteinander verbundenen, mehrstöckigen Brückentürme. Diese hatte „ad erpelle“ immer wieder zu überaus beachtenswerten Ausstellungen moderner Kunst genutzt. Das aber war nicht ohne Probleme möglich. Nicht nur, dass es keine Wasserversorgung gibt, in dem 457 Quadratmeter großen Gebäude ist auch keine Heizung vorhanden und die Stromversorgung erfolgt über eine offen verlegte Leitung. Als Wohnobjekt sind die Türme definitiv nicht zu nutzen. Für Künstler oder Geschichtsvereine könnten sie aber durchaus interessant sein, so BEV-Sprecher Jürgen Rothe. Einige Interessenten hätten sich bereits gemeldet, der Verkauf müsse aber mit Fingerspitzengefühl durchgeführt werden, erklärte er.

„Kultur im Tunnel“ startet

Bereits eine Woche vor dem Abgabetermin für die Kaufgebote der Türme startete „ad erpelle“ sein Programm „Kultur im Tunnel“. Dabei gewährte die Unkeler Band „Sam Cheanz & The Blue Denims“ zwei Stunden lang einen Tunnelblick auf Elvis, bevor sie am Samstag dann Rock ´n` Roll-Größen wie Eddie Cochran, Chuck Berry, Little Richard und Jerry Lee Lewis in den Tunnel locken. Am Freitag, 18. Mai, startet dann die Spielzeit des Theaterstücks „Die Brücke“. Ab 19.30 Uhr wird das Ensemble der Landesbühne Rheinland-Pfalz das historische Schauspiel bereits zum 142. Mal am Originalschauplatz aufführen. Eingeleitet wird die Theaterspielzeit um 18 Uhr mit der Eröffnung der Kunstausstellung „Zeitzeugen“. Zivilisten, die im Tunnel Schutz vor Bomben und Granaten gesucht hatten, fanden sich plötzlich zwischen den Fronten. Nur weil sie mit weißen Tüchern zwischen die Kämpfer traten, wurde die drohende Katastrophe eines Beschusses des Tunnels verhindert. Ihnen gewidmet ist das von den Erpeler Fotokünstlern Thomas Richard Jahn und Hanne Kubach am Originalschauplatz des Geschehens gestaltete Kunstprojekt. Der Eintritt hierzu ist frei. Theatervorstellungen finden bis zum 10. Juni donnerstags, freitags und samstags um 19.30 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen um 15.30 Uhr statt. Eine weitere Vorstellung gibt es am 30. Mai um 19.30 Uhr.

Die Zwillingstürme am Fuße der Erpeler Ley sind dringend sanierungsbedürftig. DL

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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