Allgemeine Berichte | 01.05.2015

Ein starkes Erdbeben erschüttert den Himalaya - Nepal ist auf Hilfe und Spenden angewiesen

Beben am Dach der Welt

Der Durbar-Platz in Kathmandu vor dem alten königlichen Palast, er galt als UNESCO-Weltkulturerbe. Wikipedia/Bernard Gagnon

Kathmandu. „Die Katastrophe ist viel schlimmer, als man sie in den Medien darstellen kann.“ Bewegende Worte, die der südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner gefunden hat. Durch seine zahlreichen Himalaya-Expeditionen kennt er Nepal, die Mentalität der Menschen, die dort leben, und die Infrastruktur des Landes wie kaum ein anderer. Die Katastrophe, von der er spricht, ist ein verheerendes Erdbeben, dass das Dach der Welt am vergangenen Samstag erschütterte.

Das Epizentrum des Bebens in der Himalaya-Region, das mit einer Stärke von 7,8 zuschlug, lag etwa 80 Kilometer nordwestlich der nepalesischen Landeshauptstadt Kathmandu im Bezirk Gorkha und traf damit das am dichtesten besiedelte Gebiet Nepals. Nach UN-Angaben leben dort 6,6 Millionen Menschen. Diesem gewaltigen Beben folgten viele Nachbeben, die zum Teil ebenfalls sehr heftig waren. Nun sind Erdbeben im Himalaya nicht selten, da hier die Indische Platte von Süden gegen die Eurasische Platte mit Afghanistan und Tibet im Norden drückt. An der Nahtstelle von Pakistan über Nepal bis nach Myanmar bebt häufig die Erde - so verehrend wie am vergangenen Wochenende aber seit über 80 Jahren nicht mehr.

Verehrende Zerstörung

Das ganze Ausmaß der Zerstörung ist noch immer nicht abzusehen, da viele Bergdörfer ohnehin sehr abgelegen liegen und auch unter optimalen Bedingungen nur mit tagelangen Fußmärschen erreichbar sind. Denn Nepal - das ist gleichermaßen Fluch wie Segen dieses wunderschönen, bizarren Landes - befindet sich nach westlichen Infrastruktur-Standards noch im Mittelalter.

Die Zahl der Opfer nimmt seit Samstag stündlich zu. Ging man in ersten Meldungen von 450-500 Toten aus, waren es Anfang der Woche bereits über Tausend. Bei Redaktionsschluss überschritt die Zahl der Erdbebentoten die 5.000. Der für den Katastrophenschutz zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, Rameshwor Dangal, meldete allein für Nepal über 5.050 Opfer, hinzukommen mehr als 70 weitere Tote im benachbarten Indien und über 20 aus dem chinesischen Tibet. Über 10.000 Menschen sind verletzt, doch weil die Krankenhäuser heillos überfüllt sind, müssen viele Verletzte auf der Straße versorgt werden. Ärzte und Pfleger arbeiten rund um die Uhr und die Regierung hat die Überlebenden zu Blutspenden aufgerufen.

Hilfe für Überlebende

Langsam beruhigt sich die Erde rund um die höchsten Gipfel der Erde. Nun heißt es, sich um die Überlebenden dieser schrecklichen Naturkatastrophe zu kümmern. Wer kann, gräbt mit bloßen Händen in den Trümmern nach Familienangehörigen und Freuden. Eine verzweifelte Aktion. Denn die Schuttberge sind gewaltig und die Chancen, noch Lebende unter den Steinmassen zu finden, werden von Stunde zu Stunde geringer. Andere kümmern sich um die Verbrennung der Toten, was hinduistisch-rituelle Hintergründe hat, aber auch Epidemien und Seuchen verhindern soll. Aus Angst vor einstürzenden Gebäuden trauen sich viele Menschen nicht in ihre Häuser zurück, sodass zahlreiche Parks und öffentliche Plätze in Kathmandu Zeltstädten gleichen, in denen Hunderttausende schlafen - auch bei strömendem Regen und unter freiem Himmel.

Kulturdenkmäler in Schutt und Asche

Und als wäre die humanitäre Situation nicht schon schlimm genug, haben die Erdstöße auch das historische Zentrum Kathmandus und andere Bauwerke und Pilgerstätten zerstört, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen und die kulturell wie wirtschaftlich von unschätzbarem Wert waren. Im Tal von Kathmandu befinden sich innerhalb nur weniger Kilometer sieben Weltkulturdenkmäler: vier kunstvoll gebaute Tempel und drei Paläste, die einst von Königsfamilien bewohnt wurden und die sich auf dem Durbar-Platz in Kathmandu, wo nahezu nichts mehr steht, auf dem Durbar-Platz in Bhaktapur und dem Durbar-Platz in Patan befinden. Auch andere Sehenswürdigkeiten liegen in Schutt und Asche, so der 61 Meter hohe, neunstöckige Dharahara-Turm, der durch das Erdbeben in sich zusammenfiel und von dem nun nur noch ein wenige Meter hohes Gerüst übrig geblieben ist.

Dies alles wieder aufzubauen, Straßen und Häuser zu errichten, zum Alltag zurückzukehren und eine funktionierende Infrastruktur zu etablieren - dies alles kann Nepal unmöglich alleine schaffen. Schon wenige Tage nach dem Erdbeben wurde klar, dass die Regierung des Landes mit der Situation hoffnungslos überfordert ist. Denn Nepal ist ein bitterarmes Land, das selber nur über sechs Hubschrauber verfügt. Und so bat Premierminister Sushil Koirala das Ausland denn auch dringend um Unterstützung.

Internationale Hilfe

Mittlerweile kommen Hilfsgüter aus aller Welt in Nepal an. Das Nachbarland Indien schickte 16 Helikopter. Auch Deutsche Hilfsorganisationen wie das THW, das Deutsche Rote Kreuz oder I.S.A.R. Germany haben Material, Menschen und Suchhunde in den Himalaya geschickt. Das alles wird dringend benötigt. Allein in Kathmandu fehlt es an Strom, an Benzin, an Wasser und an Essen. In die entlegeneren Gebiete im Gebirge kommen die Retter nur sehr schwer voran. Die Hilfsorganisationen berichten, dass Erdrutsche und armbreite Risse viele Straßen des unpassierbar machen, und einzelne Flugzeuge mit Hilfsgütern mussten sogar wieder umkehren, weil der einzige internationale Flughafen Nepals komplett überlastet war.

Alle helfen. Die Mobilfunkkonzerne die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica O2 bieten ihren Kunden im Erdbebengebiet die kostenfreie Nutzung von Telefon und Internet an. Auch Angehörige von Nepal-Reisenden und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen vor Ort könnten die Dienste kostenfrei nutzen, wie Sprecher der Unternehmen mitteilten. Anfallende Kosten würden entweder im Nachhinein erstattet oder erst gar nicht in Rechnung gestellt. Auch die Deutsche Post DHL entsandte ein Nothilfeteam, um mit logistischem Know-how die Koordination der humanitären Hilfsmaßnahmen in Kathmandu zu unterstützen.

„Die Lage ist unvorstellbar schlimm“, sagte Bergsteigerlegende Reinhold Messner in einem ZDF-Interview. „Wir alle haben eine Verantwortung für dieses Land und ich werde heute noch überweisen.“ Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière erklärte: „Das Erdbeben in Nepal, das so viele Tote verursacht hat, ist eine schlimme Katastrophe. Die internationale Gemeinschaft muss die Region jetzt unterstützen.“

Wenn auch Sie den Menschen im Erdbebengebiet helfen möchten, können Sie beispielsweise an Caritas International spenden, Spendenkonto: 202, Bankleitzahl: 660 205 00, IBAN: DE88660205000202020202, BIC: BFSWDE33KRL, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Stichwort: Erdbebenhilfe Nepal.

Der Mittelpunkt der nepalesischen Tourismusinustrie ist der Mount Everest. Wikipedia/Superikonoskop

Der Mittelpunkt der nepalesischen Tourismusinustrie ist der Mount Everest. Foto:

Der Durbar-Platz in Kathmandu vor dem alten königlichen Palast, er galt als UNESCO-Weltkulturerbe. Foto:

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Immer mehr Vandalismus in Bad Neuenahr-Ahrweiler

  • Jürgen Stark : Diejenige, die es betrifft lesen den Artikel eh nicht und es ist ihnen egal.
  • Efstratios Stratos Voutsidis : Ich wünsche Frau Bierstedt auch alles Gute in ihrer alten Heimat,sie war und ist eine tolle frau. Alles gute für sie und gesundheit. Viele Grüße
  • Christian Vogel: Der Bereich muss raus aus Koblenz! Neues Umfeld, neues Personal und dichter h heran an die wichtigen Entscheidungsträger. Bonn, Koblenz und die Rhein-Schienen als solches sind Geschichte und wurden...
Hausmeister, bis auf Widerruf
Gesundheitsmagazin Kreis AW
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Innovatives rund um Andernach
Kirmes in Weißenthurm
Kirmes in Weißenthurm - KW21
Tag der offenen Tür der FFW Oberwinter, 30.05.26
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0313#
Empfohlene Artikel
Der betroffene Abschnitt in der Polcher Straße. Grafik: Michael Guthart
20

Mayen. Im Zuge des Glasfaserausbaus in Mayen führt die Deutsche Telekom Technik im Auftrag der GlasfaserPlus Tiefbauarbeiten durch. Die ausführende Baufirma ist die R-SPACE GmbH. Im Bereich der Polcher Straße kommt es daher im Zeitraum vom 26. Mai bis 19. Juni, jeweils nachts in der Zeit von 19 Uhr bis 6 Uhr abschnittsweise zu Änderungen der Verkehrsführung, Umleitungsverkehr und nächtlichen Bauarbeiten.

Weiterlesen

Seit der Flut ist die Kita Sankt Mauritius in Containern untergebracht. Foto: GS
121

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der flutbedingte Neubau der Kindertagesstätte Sankt Mauritius in Heimersheim entwickelt sich zu einem Lehrstück in Sachen Demokratie. Denn obwohl eine genehmigungsfähige Planung für einen Standort vorliegt, wollen Politik und Verwaltung noch einmal neu denken. Deshalb wurde zum zweiten Mal in einem Monat der entsprechende Tagesordnungspunkt des Stadtrates gecancelt.

Weiterlesen

Die Kölner Straße in Sinzig: Hier wird bald gebaut.  Foto: ROB
805

Sinzig. Ab dem 26. Mai 2026 finden im Stadtgebiet Sinzig weitere Straßenbauarbeiten statt, die den Verkehr beeinträchtigen. Zusätzlich zu den Bauarbeiten und Umleitungen im Bereich Schulzentrum wird in der Kölner Straße im Bereich Hohenstaufenstraße bis Ende Juni 2026 eine Baustellenampelanlage installiert, weil baustellenbedingt nur einspuriger Verkehr möglich ist. Da eine Zufahrt über die Hohenstaufenstraße...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
29

Auch Autoinsassen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden

22.05.: Frontalcrash zwischen PKW und Motorrad: Motorradfahrer wird schwer verletzt

Zimmerschied. Am Freitag, den 22.05.2026 gegen 19:10 Uhr, kam es auf der L330 zwischen Zimmerschied und Welschneudorf zu einem Verkehrsunfall mit einem schwerverletztem Kradfahrer. Nach bisherigem Kenntnisstand kam ein Kradfahrer in einer scharfen Rechtskurve in den Gegenverkehr und kollidierte dort mit einem entgegenkommenden PKW.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
24

Bonn. Die Bonner Polizei sucht Zeugen eines Verkehrsunfalls, der sich am Mittwochmorgen (20.05.2026) gegen 07:20 Uhr im Bonner Stadtteil Tannenbusch ereignet hat. Ein zwölfjähriger Junge fuhr auf seinem Fahrrad zur Schule, als er an der Oppelner Straße die Straße überqueren wollte. Hier wurde er von einem Auto erfasst und stürzte zu Boden. Der Autofahrer erkundigte sich zunächst nach dem Wohlbefinden des Zwölfjährigen, der angab keine Hilfe zu benötigen.

Weiterlesen

A3: Gefahr durch Fahrzeugteile auf allen Fahrstreifen
72

Diez/Limburg. Auf der A3 in Fahrtrichtung Frankfurt besteht aktuell Gefahr durch mehrere Fahrzeugteile auf allen Fahrstreifen. Die Fahrzeugteile befinden sich zwischen der Anschlussstelle Diez und der Anschlussstelle Limburg-Nord. Dies meldet der ADAC. BA

Weiterlesen

Imageanzeige
Dauerauftrag 2026
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin Kreis AW
Anlagenmechaniker
Innovatives rund um Andernach
Bauschutt-Container Anzeige
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Mai 2026
Fit für`s Alter?
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0313#
Hafenkonzert Brohl
Brohler Hafenfest
JGV-Fest Ringen-Bölingen
JGV-Fest Ringen-Bölingen
Imageanzeige
Stellenanzeige - diverse Stellen
Landespfleger/in (w/m/d)
Titelanzeige