Gedicht von Gerd Lüttgen
Beglückende Herbststunden
Leuchtendes Rot, strahlendes Gelb,
Variationen von Ocker:
Die Hänge des Rheintals sind wie mit Bronze übergossen.
Da und dort gleiten Frachtkähne auf dem Strom;
bunte Flaggen spiegeln sich
in den blau-grauen Fluten;
Niedrigwasser nach der langen Dürre,
lässt auf Landregen hoffen.
In der Ferne erheben sich die Silhouetten
des runden Turms von Andernach und des Mariendoms.
Burgruinen auf den Höhen
erinnern an die Glorie vergangener Zeiten.
Gipfelkreuze geben Zeugnis
vom Glauben früherer Epochen.
Nun verändert sich das Bild:
Ein starker Wind zerrt dunkle Wolken
von West nach Ost über den Herbsthimmel.
Sturm rüttelt am Haus und biegt die Bäume;
Regentropfen pochen an die Fensterscheiben,
bleiben dort wie Perlen hängen.
Eine Stehlampe verbreitet ein gemütliches Licht,
die Tischplatte reflektiert ihre sanften Strahlen.
Zeit, ein Buch zu lesen.
Herbst!
Sei auch du willkommen im Jahreskreis!
Immer wieder überraschst du uns
mit deiner Farbenfülle, deiner Frische
und deinen Wetterkapriolen.
Aber du schenkst auch Wein und Obst
und lässt vielerlei Früchte reifen.
Gerd Lüttgen
