Deutsche und polnische Künstler stellen in der Alten Druckerei aus:
Bei „Face to Face“ geht es um bleibende Werte der Kunst und internationale Verständigung
Sinzig. „Face to Face“, so der einfache Name einer interdisziplinären und internationalen Kunstausstellung in der Alten Druckerei, die am vergangenen Freitag mit vielen internationalen Gästen eine grandiose Vernissage erlebte. Es geht nicht nur um die Begegnung von deutschen und polnischen Künstlern, sondern auch um die internationale Verständigung und die Frieden stiftenden Möglichkeiten von Gesprächen und Kultur. Dies betonten bereits bei der Begrüßung Almuth Leib, Damian Pietreck und Stefan Zajonz. „Kunst ist das, was bleibt und die Ausstellung ist auch ein Annäherungsversuch an die heutige Welt mit ihren vielfältigen Problemen. Wer miteinander redet und sich austauscht, führt keine Kriege“, waren die zentralen Botschaften in den Eröffnungsreden. Und in der Tat sind in den Räumlichkeiten der zu Kulturruhm gelangten Sinziger Industriebrache viele hochinteressante Werke zu bewundern.
Es war eine richtig gute Nachricht aus der regionalen Kulturszene: Im beginnenden Frühling kehrte endlich die Kunst zurück in die Hallen der Alten Druckerei - und das gleich mit einer besonders bemerkenswerten Ausstellung. „Face to Face“ lautet der Titel der Kunstschau, die der Berufsverband Bildende Kunst (BBK) Bonn-Rhein-Sieg organisiert hat. Gezeigt werden Werke von 30 deutschen und polnischen Künstlerinnen und Künstlern. Außerdem wurden drei von der Flutkatastrophe betroffene Künstlerinnen und Künstler aus der Region eingeladen.
Die deutsch-polnische Kunstbegegnung kommt nicht von ungefähr. Bereits seit 2005 pflegt der hiesige BBK-Verband enge freundschaftliche Kontakte ins europäische Nachbarland. Die treibende Kraft auf der polnischen Seite ging damals von Damian Pietrek aus, Professor an der Kunstakademie in Kattowitz, der maßgeblich die Richtung vorgegeben hat. Auf der deutschen Seite übernahm die langjährige Vorsitzende des BBK Bonn-Rhein-Sieg, Almuth Leib aus Remagen, die Initiative. Es entstand ein reger künstlerischer und persönlicher Austausch, der sich über die Jahre in zahlreichen Kunstprojekten und Ausstellungen niederschlug. Die jetzige Kunstschau ist denn auch die Antwort auf eine Ausstellung, die 2018 im Schloss Naklo Slaskie, einem ehemaligen Schloss der Familie von Donnersmark, stattgefunden hat. Die Familie hatte das Gebäude nach der Wende wiedererhalten und der Stadt als Kulturzentrum zur Verfügung gestellt.
In der Alten Druckerei in Sinzig werden jetzt Arbeiten von 30 Künstlerinnen und Künstlern aus beiden Ländern präsentiert. Die polnischen Teilnehmer sind allesamt Professoren an Kunstakademien. Aus gegebenem Anlass hatte sich der BBK außerdem entschlossen, drei Flutbetroffene aus den eigenen Reihen einzuladen. Dies sind Angelika Furth (Altenahr), Volker Tenner (Gmünd-Olef) und Knut Reinhardt (Swisttal).
Dabei hatte die Ausstellung keine einfache Entstehungsgeschichte: Denn die Kunstschau musste bereits zweimal wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Jetzt aber stand dem herausragenden Kulturereignis nichts mehr im Wege. Nach der Vernissage wird die Ausstellung bis zum 7. Mai zu sehen sein. Geöffnet ist sie jeweils Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Die Finissage ist für Samstag, 7. Mai, um 15 Uhr geplant. Der Eintritt ist wie immer frei, es gelten die jeweils aktuellen Corona-Bestimmungen.
Und den nächsten Termin sollten sich Kunstfreunde unbedingt schon mal vormerken: Am 20. Mai folgt in der Alten Druckerei bereits die nächste Ausstellungseröffnung. Unter dem Titel „Wechsel - Change“ präsentieren BBK und die Sinziger AHRTkomm-Gruppe dann auf zwei Etagen die Werke von mehr als 90 Künstlerinnen und Künstlern.
Doch in die Freude darüber, dass endlich die Kunst in die Hallen der Alten Druckerei zurückgekehrt ist, mischte sich auch etwas Wehmut. Denn die Ausstellung am 20. Mai wird nach Lage der Dinge wohl die Letzte in der Alten Druckerei sein. Das kleine Kunst-Mekka in Sinzig mit seinem ganz besonderen Charme wird anschließend wohl nicht mehr zu Verfügung stehen.
Das Impfzentrum in der Alten Druckerei wird übrigens während der Dauer der Ausstellung mit einem kleinen hausinternen Umzug seine Arbeit fortsetzen. BL
Vernisage in der Alten Druckerei mit viel internationaler Beteiligung. Fotos: BL
Ein Blick in den vorderen Ausstellungsraum.