Beim Konzert im Mülheim-Kärlicher Jugendhaus forderten Bands immer wieder zum „Wall of Death“ auf
Bei Heavy Metal ging es in die „Schlacht“
Die Gruppe „Optimistic Me“ hatte das Event gemeinsam mit der offenen Jugendarbeit der Stadt organisiert
Mülheim-Kärlich. „Steh auf, mach´ laut, mach´ richtig Lärm! Wir lieben das Leben!“ heißt es in einem Lied der Kölschrockband „Höhner“ und dieses Motto war Programm bei der dritten Ausgabe in der Konzertreihe „Chaos at Impact“ im Mülheim-Kärlicher Jugendhaus. Doch was die fünf Bands auf dem Heavy Metalkonzert boten, hat mit dem „braven“ Lied der „Höhner“ absolut nichts zu tun. So warnten die Veranstalter von der offenen Jugendarbeit der Stadt Mülheim-Kärlich auf einem roten Plakat: „Im Rahmen dieser Veranstaltung werden Lautstärken über 85 db erreicht, welche eventuell zu Hörschäden führen können.“ Ein Schalldruck von 85 db entspricht dem eines Winkelschleifers, bei dessen Einsatz Gehörschutz vorgeschrieben ist. Den hatten die etwa 80 Fans im Jugendhaus natürlich nicht und trotzdem riesigen Spaß. Was manche auf der „Tanzfläche“ vor der Bühne aufführten, sah aus wie eine Rauferei, war aber keine. „Wall of Death“ nennt man das, wenn zwei Parteien sich wie vor einer Schlacht gegenüber stehen. Diese beiden Seiten stürmen dann auf Signal aufeinander zu, der Beginn der Schlacht. Bei der wird gerempelt, geschubst, gezerrt und manchmal geht auch einer zu Boden. Initiiert wird dies meist von der Band, die vor einem Wall-of-Death-Lied die Menge aufteilt. So zum Beispiel die Lokalmatadoren „Optimistic Me“. Steven Kirchner aus Weißenthurm, der dieses Konzert maßgeblich organisiert hatte, war hier treibende Kraft. Der sprang sogar Gitarre spielend in die im „Wall of Death“ tobende Menge. „Optimistic Me“ bot eine abwechslungsreiche Mischung aus Post-Hardcore, gepaart mit Rap-, Metal-, Hip-Hop- und alternativen Elementen, was sich dann Rapcore nennt. Die sechsköpfige Band mit Musikern aus Weißenthurm, Neuwied und Koblenz wurde 2013 gegründet. Der Name „Optimistic Me“ beschreibt die Einstellung, der die Mitglieder folgen: „Egal wie oft man im Leben hinfällt, wichtig ist es, immer wieder aufzustehen!“. Textlich zeigt sich oft die Verarbeitung von alltäglichen Problemen, wie sie jeder kennt: Wut, Liebe, Ärger, soziale Unstimmigkeiten und Situationen, die einen im Leben auf die Probe stellen. Die Energie geladene und bewegungsreiche Bühnenperformance, die den Spaß an der Musik auch ans Publikum weitergab, wurde präsentiert von Mirco Jansen (Vocals/Scream + Shouts), Marcel Voigt (Vocals/Rap) Aman Abbas (Rhythm Guitar), Pascal Theisen (Lead Guitar), Marcel Mäckler (Drums) und Steven Kirchner (Bass).
Gute Organisation
Kathrin Mach, die in der Verbandsgemeindeverwaltung
Weißenthurm mit Jugendarbeit beschäftigt ist, hatte mit Leuten von der offenen Jugendarbeit der Stadt Mülheim-Kärlich und dem Jugendhaus für die Organisation gesorgt. Dazu gehörten unter anderem der Bühnenaufbau, Bewirtung und Abendkasse. Kathrin Mach ist dankbar, dass sie mit Steven Kirchner einen Fachmann an der Seite hat, der für die angekündigte Band „I am Noah“, die aus familiären Gründen absagen musste, als Ersatz die Band HeartDown aus Kaiserslautern gewinnen konnte, die Melodic Hardcore brachte. Die Band „Their Decay“ aus Limburg/Lahn mit Carlo Mess (Vocals), Niklas Hanke (Guitar), Daniel Jung (Guitar/Synths), Nik Larsen (Bass) und Murch (Drums) begeisterte mit Metalcore, Hardcore und Post Hardcore. Die Musiker der Band „Reset Reflect“ kommen aus Koblenz und Köln und proben in Bad Hönningen. Bei ihrem Auftritt dominierten tiefe Gitarrensounds und groovige Breakdowns das Klangbild. Diese penetranten und häufigen Open-String-Parts wurden aber immer wieder von melodischen und atmosphärischen Einsprengseln aufgelockert. Die meist ruppigen und harschen Shouts kontrastierten dabei mit ihrer Rauheit auf eine interessante Weise mit der musikalischen Dramatik. So gelangen Sven Ins-Veen (Gesang), Timo Rosenberger (Gitarre), Christian Kunstmann (Gitarre), Lukas Stein (Bass) und Yanic Hartmann (Schlagzeug) eine spannende Balance zwischen Emotionalität und Brachialität.
Junges Publikum war begeistert
„Daily Regression“, gegründet im September 2013, kommt aus Bad Neuenahr. Nach einem Auf und Nieder formierte sich die Band Anfang vergangenen Jahres mit Norman Ley (Vocals), David Lam (Bass), Marvin Hürter (Guitars), Silvan Dünker (Guitars) und Harry Neufeld (Drums). Ihre Philosophie ist live und direkt und spiegelt Einflüsse aus geliebten Bands, Kunst oder Erlebnisse aus dem Leben wieder. So steht „Daily Regression“ für Geradlinigkeit und Experimentierfreude, Krach und Melodie aber auch technischen Anspruch. Jedenfalls waren die jungen Leute von dem Konzert, bei dem auch die Zuhörer von den Bands aktiv mit eingebunden wurden, begeistert und freuen sich auf die vierte Veranstaltung.
HEP
Steven Kirchner aus Weißenthurm (l.) spielte Bass und war maßgeblich an der Konzertorganisation beteiligt.
Begeistert waren die jungen Leute im Jugendhaus bei der 3. Ausgabe von „Chaos at Impact“.
Die Bandmitglieder von Reset Reflect kommen aus Koblenz und Köln und proben in Bad Hönningen.
