Allgemeine Berichte | 29.05.2017

Erfolgreiche Aktion „Miteinander Bendorfer“

Bendorf – eine offene und tolerante Stadt

Lange Tafel im Stadtpark begeistert Menschen aller Konfessionen

Bendorf – eine offene und tolerante Stadt

Bendorf. Mehrere hundert Menschen aller Glaubensrichtungen und Parteien waren vergangenen Freitag der Einladung der Initiative „Miteinander Bendorfer“ unter Federführung des Bendorfer Beirats für Migration sowie des Zusammenschlusses „Familie Sayn“ gefolgt und versammelten sich an den Tischen, die im Bendorfer Stadtpark am Obelisken in der Nähe des Rathauses aufgestellt waren.

Den Hintergrund bildete der Abschluss einer spontan initiierten Unterschriftenaktion nach den Medienberichten über den Auftritt eines Hasspredigers in einer wenig bekannten neuen Moscheegemeinde in Bendorf. Nach dem Fernsehbericht vom Gastspiel des bundesweit bekannten Salafistenpredigers Abul Baraa in Bendorf, der von Islamwissenschaftlern als „Hassprediger“ eingestuft wird, riefen einige Mitglieder Bendorfer Parteien und Gruppierungen in den sozialen Medien kurzfristig zu einer Kundgebung gegen Hass in Bendorf auf dem Kirchplatz auf, und regten dort eine Unterschriftenaktion für eine weiterhin offene und tolerante Stadt an. Die Organisatoren verteilten Unterschriftenlisten an die Teilnehmer der Kundgebung, darunter waren auch viele Mitglieder der drei bekannten Moscheegemeinden in Bendorf. In den folgenden Tagen lagen die Listen mehrsprachig übersetzt ebenfalls in den Bendorfer Moscheen sowie in vielen Bendorfer Geschäften aus, gleichzeitig erfolgte die Einladung an alle Bürger zu der gemeinsamen Aktion einer „langen Tafel“ im Stadtpark.

In Bendorf spricht man miteinander, nicht übereinander

Bürgermeister Michael Kessler begrüßte die zahlreich erschienen Gäste aller Couleur im Stadtpark mit den Worten: „Das hier ist Ihre Veranstaltung, weil Sie sich entschlossen haben, heute hier zu sein um ein Zeichen zu setzen: Ein Zeichen für ein gutes Miteinander, ein Zeichen für Toleranz, ein Zeichen gegen Hass und gegen Ausgrenzung. Ich bedanke mich sehr bei Ihnen, dass Sie sich vorgenommen haben, durch Ihre Anwesenheit mit Ihrem Gesicht ein Zeichen dafür zu setzen, dass es in Bendorf quer durch alle Religionsgemeinschaften, quer durch alle Parteien, quer durch alle Bevölkerungsschichten Menschen gibt, die für das Miteinander werben.“

Im weiteren Verlauf seiner Rede betonte Kessler, dass Bendorf kein Nest von radikalen Salafisten sei, wie in einigen Medien dargestellt. Mit den drei bekannten Moscheegemeinden habe die Bevölkerung ein gutes Verhältnis, man respektiere sich gegenseitig. Jetzt habe sich aber eine vierte Gemeinde neu gebildet und nach außen abgeschlossen. Über diese Gemeinde könne er nichts sagen, weil er niemanden aus diesem Kreis kenne. Kessler: „Inzwischen habe ich ein Gespräch mit zwei Vertretern dieser Gemeinde geführt. Wir kennen jetzt unsere Gesichter und die Gemeindevertreter kennen meine Meinung. Wir haben verabredet, dass wir das tun, was man in einer Stadt tut: Man spricht miteinander. Man redet nicht übereinander, sondern man redet miteinander. Das ist das, was uns vor allen anderen auszeichnet, das sollte eigentlich selbstverständlich sein.“

Bendorfer schicken ein Zeichen des Miteinanders an das Land

Anschließend übergab Dr. Ute Stuhlträger-Fatehpour dem Bürgermeister die Listen mit über eintausend Unterschriften, die in den vergangenen Tagen in Bendorf als deutliches Zeichen für ein Miteinander und gegen Hass gesammelt worden sind. Dr. Stuhlträger-Fatehpour kündigte an, dass die Unterschriftenlisten in einer großen Collage zusammengefasst, fotografiert und mit anderen Bildern unter dem Thema „Integration und Leben“ vom Beirat für Migration und Integration im Landkreis Mayen-Koblenz nach der Erstausstellung in Bendorf in einer Wanderausstellung im gesamten Landkreis gezeigt werden.

Bürgermeister Kessler versprach, die Listen dem Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz Roger Lewentz zu übergeben. Kessler: „Ich werde dem Innenminister sagen, dass Bendorf ein Ort ist, in dem wir miteinander leben und sprechen, nicht übereinander und nicht gegeneinander und dass wir kein Standort für Radikale, ganz gleich welcher Richtung, sind.“

Fröhliches Miteinander mit interkulturellen Speisen und Klängen

Bei allerfeinstem Sommerwetter und untermalt durch die wunderbare Musik der Band „Jazz Talk“ mit der Sängerin Shama Abbas feierten die Gäste bei guten Gesprächen noch lange in den Abend hinein. Dabei konnten sie die vielen gespendeten landestypischen internationalen Spezialitäten genießen.

Der Zusammenschluss „Familie Sayn“ fasste den Tag auf seiner Facebook Seite zusammen: „Das Zusammensein heute im Stadtpark hat gezeigt: es braucht keine Unterschriftenaktionen. Bendorf steht beisammen, über die Kulturen und Religionen hinweg und lebt ganz bewusst die Integration und das Zusammenwirken. Ein gutes Gefühl und wunderschön die vielen Kommentare, die dabei für ein Miteinander ausgesprochen wurden. Vielleicht etabliert sich diese ‚lange Tafel‘ ja in der Zukunft für ein friedvolles Bendorf, in dem wir alle nach unseren Kräften miteinander positiv umgehen können und miteinander, statt übereinander reden!“

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