Die Ausstellung „Linzundkuns“ wurde am Freitagnachmittag in der Stadthalle eröffnet
Bernd Willscheid stellte die elf Künstler des Kunstvereins und ihre vier Gastkünstler vor
Linz. Im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz, der unter dem Motto „heimat/en“ steht, und mit Unterstützung der Stiftung Stadtsparkasse Linz zeigt des Kunstverein Linz zur Zeit Arbeiten von elf seiner Mitglieder, von denen vier noch jeweils einen Gast eingeladen haben. Genannt hat er die Ausstellung in der Stadthalle „Linzundkuns“ und wählte so einen Titel, der an die gleichnamige Veranstaltung erinnert, die schon 1986 im damaligen Kulturcafé von Renate Pepper in der Bunten Stadt am Rhein zu sehen war. „Ich freue mich, dass die Vernissage auf eine so enorme Resonanz gestoßen ist“, eröffnete der Vorsitzenden des Kunstvereins, Norbert Boden, die Ausstellung, bevor der Hausherr, Stadtbürgermeister Hans-Georg Faust, die zahlreichen Vernissage-Gäste offiziell begrüßte. Dabei hieß er vor allem den „Kulturmanager“ der Stadt, Klaus Krumscheid, sowie den Direktor des Neuwieder Röntgen-Museums willkommen, den das Mitglied des KV-Vorstandes für die Einführungsrede hatte gewinnen können.
„Der Ausstellungsort ist alles andere als ein Notbehelf, das die Stadt mit dem Kunstraum Markt 9 inzwischen sehr gut aufgestellt ist, in dem morgen unser zweiter Kunstverein ‚Klio‘ eine Ausstellung eröffnet“, so der Stadtchef. In Linz tue sich eben was, was die Kunst betreffen würde, hob er nicht ohne Stolz hervor. „Dabei steht die klassisch präsentierte Ausstellung im Kontext mit einer Kunstaktion im öffentlichen Raum. Den neben den hier gezeigten Kunstwerken expandiert die Ausstellung auch die Altstadt. 15 Fahnen und Transparenten an Häusern vom Burgplatz bis zum Buttermarkt zeigen Ausschnitte der hier ausgestellten Arbeiten“, hob Hans-Georg Faust hervor, um dann Bernd Willscheid das Mikrophon zu überlassen.
Dieser widmete sich, einer Bitte von Klaus Willscheid folgend, zunächst dem Motto des Kultursommers, bevor er sich in alphabetischer Reihenfolge den Künstlern widmete.
Die ausstellenden Künstler hätten einen mehr oder weniger engen Bezug zur Stadt und zur Region von Linz am Rhein, seien zum Teil dort geboren, aufgewachsen oder würden jetzt in Linz und Umgebung wohnen. „Die Linzerin Moselle Adams liebt das Wasser, genauer gesagt den Rhein“, erklärte Bernd Willscheid. So zeigen die Acrylbilder der Autodidaktin nicht nur Linz am Rhein nach einer Collage des Heimatdichters Adalbert Schmitz, sondern auch die Loreley, die Quelle des Vorderrheins oder den Reinfall von Schaffhausen, während Monika Krautscheid-Bosse von der Neustädter Malschule „art-MORO“ mit ihren Ölbildern in Großstädte wie „Rom“ und „Köln“ entführe.
Der Leubsdorfer Klaus Krumscheid sei ihm am längsten vertraut. „Seine Radierungen, die auch im Roentgenmuseum und im Kreishaus ausgestellt waren, haben mich schon vor Jahren beeindruckt. Hier zeigt er neben Arbeiten in Mischtechnik wie beim ‚Ausflug‘ oder mit Linolschnitten wie beim ‚Schneemann‘ die Collage ‚630‘, mit der sich auf die Kilometerstand-Tafeln am Rhein bezieht“, so der Museumsdirektor, der das südlichere Schild mit Kilometerstand 629 gegenüber seiner Wohnung täglich sieht. Als Gastkünstler mitgebracht habe Klaus Krumscheid von der anderen Rheinseite, Herbert Höcky, der seine weißen, geometrischen Skulpturen zeige. „Aus Roßbach an der Wied an den Rhein gekommen ist der Architekt, Zeichner und Maler Friedhelm Kurtenbach mit seiner kontemplativen Kunst, mit den Acyrlbildern ‚Frieden‘ und ‚Bunt ist die Stadt‘“, fuhr Bernd Willscheid fort.
Lothar Mol, der seinen Malstil als expressiv abstrakt bezeichnet, widme sich schon viele Jahre der Dekoration. Wie Friedhelm Kurtenbach lebt der Künstler an der Wied, allerdings in Neustadt. „Die Keramikerin Sabine Moshammer, die seit 1992 ihre Werkstatt in Linz hat, konnte ihre beeindruckenden Arbeiten schon in vielen Ausstellungen präsentieren. Zusammen mit ihrer Kollegen Beate Eckert aus Grafing zeigt sie hier ‚Spurgestein‘. Ihr Künstlergast ist Désirée Wickler mit grafischen Arbeiten, Zeichnungen aus der Reihe ‚New Humans‘, in denen sie sich mit ethischen Fragen zum Umgang mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzt“, so der Kunstexperte.
Edith Oellers, aus einer bekannten Linzer Künstlerfamilie stammend, könne als eine Größe in der rheinischen Kunstszene bezeichnet werden. Ihm sei die beeindruckende Ausstellung mit Werken der gesamten Künstlerfamilie 2012 im Roentgen-Museum noch in bester Erinnerung. Menschen wie die „Träumerin“, im „Garten im Winter“ oder bei der „Rast unter Bäumen“ würden von der Künstlerin fotografiert oder auf Zeichnungen festgehalten und dann in der Malerei ausdifferenziert, ausgetauscht und neu komponiert „Ihr Gastkünstler ist der in Köln lebende Künstler Bernd Petri, der wie Edith Oellers Dozent an der Europäischen Kunstakademie in Trier ist und der hier abstrakte Acrylbilder zeigt, während die Linzerin Ilse Over mit Sgrafitti wie den Stillleben ‚Obsttag‘ und ‚Erntezeit‘ sowie mit Aquarellen wie ‚Tür in Linz‘ vertreten ist“, erklärte Bernd Willscheid.
Lars Ulrich Schnackenberg war 2010 Gründer und Vorgänger von Norbert Boden, bis der ehemalige Professor für Bildhauerei an der Alanus-Hochschule in Unkel eine Galerie eröffnete. Sein Triptychon „Unten am Fluss“ bezeichnet er als Hommage an die Lebensfreude der „Minsche am Rhing“. Sein Gastkünstler ist der Bonner Thilo Beu, „dessen Ausstellung ‚Linz-er-Leben‘ beim Kunstverein ich im ehemaligen Moltigebäude 2013 eröffnen durfte und der hier fünf seiner Linz-Fotografien zeigt“, so Bernd Willscheid. Melanie Schumacher, in Neuwied geboren und in Linz lebend, beschreibt ihre Werke, Collagen und Malerei aus Spachtelmasse, Zeitung und Naturmaterialien als „die linksdrehenden Spirale als Sinnbild für die Rückkehr zum Ursprung.“ Last but not least kam der Museumsdirektor auf die Unkelerin Barbara Schwinges zu sprechen, bekannt allein schon durch ihre Beteiligung an der Jahreskunstausstellung im Roentgen-Museum sowie durch Einzelausstellungen im Kreishaus. An „Linzundkuns“ beteiligt sie sich sieben Gouachen, in denen sie ganz konkret auf Linz eingeht. So zeigt „Trutzig“ die Burg, „Wehrhaft“ das Rheintor sowie „Erinnerung“ den Basalt-Verladekran und „Ein starker Fels“ das neobarocke Hauptgebäude der Basalt-AG mit den mächtigen Tritonen.
„Genießen Sie diese tolle Ausstellung der 15 Künstler, denen Linz und die umliegende Region, ihre Heimat, sehr am Herzen liegt“, beendete Bernd Willscheid seine Einführung, bevor Norbert Boden die Vernissage zum Sommerfest erhob, nicht ohne an die Besucher vehement einen Appell zu richten. „Wir werden Zeuge, wie immer mehr Menschen ihren ganzen Besitz und vor allem aber ihre Heimat verlieren. Machen wir uns Gedanken, wie wir ihnen eine neue Heimat geben könnten!“, so der Vorsitzende.
DL
Aufmerksam verfolgten die Vernissage-Gäste die Ausführungen von Museumsdirektor Bernd Willscheid.
