Parents for Future wünschen sich ein klimafreundliches Verkehrskonzept für Wachtberg
Bestehende Verkehrsinfrastruktur gerechter verteilen
Ein modernes Konzept ist nötig und möglich
Wachtberg. Es ist eine sehr positive Entwicklung, dass der Ausbau Fahrradwegenetzes auch in Wachtberg zu einem aktuellen Thema geworden ist. Auch den Wachtberger Parents for Future liegt das Thema sehr am Herzen. Die große Bedeutung von regionalen Fahrradwegen erfordert jedoch ein vorausschauendes Planungskonzept. Ziel muss es sein, echte Anreize für den Umstieg vom PKW auf das Fahrrad zu bieten und gleichzeitig beim Aufbau der notwendigen Infrastruktur sorgsam mit unserer Umwelt umzugehen. Die Mobilitätswende durch Fahrradrouten einerseits und die dafür notwendigen Eingriffe in die Natur wie bspw. das überproportionale Fällen vitaler Bäume am Gut Holzem muss nicht zu einem Konflikt führen, wenn vorausschauend geplant wird. Wenn man sich klarmacht, welche klimaschützende Funktion ein ausgewachsener Baum hat, ist jeder Baum ein „Segen“ für den Natur- und Klimaschutz:
• Bäume produzieren den für uns Menschen lebensnotwendigen Sauerstoff
• Bäume binden große Mengen CO2 für lange Zeit und wirken damit dem Klimawandel entgegen
• Bäume filtern die Luft und binden Feinstaub
• Bäume spenden im Sommer Schatten und kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung
• Bäume bieten im Winter Schutz vor Wind und schützen mit ihrem Laub die Erde vor Frost
• Bäume schaffen Lebensräume und Futter für viele andere Lebewesen
• Bäume halten das Grundwasser und können die Bodenerosion verhindern
• Bäume tun all das mehr als andere Formen der Begrünung
• Bäume können noch als Totholz für Höhlenbrüter und als weiterer Lebensraum
unzähligen Insektenarten dienen. Verkehrssicherheit bei Totholz bedeutet nicht ausmerzen,
sondern im ökologischen Sinn nur sicher einkürzen.
Es kommt also sehr darauf an, diese Bilanz im Hinterkopf der Planungsbüros, der Verwaltungsebenen vor allem der Politik zu verankern, um zukunftsfeste Lösungen anzustreben.
Nutzung des vorhandenen Verkehrsraums und Neuverteilung der zuzuordnenden Fläche
Es gibt keine auf alle Situationen zugeschnittene Pauschallösung, aber die Wachtberger Parents haben ein 10-Punkte-Programm aufgelistet, das den Rahmen für ein modernes Verkehrskonzept bilden kann:
1. Vorhandenen Verkehrsraum neu verteilen: Wenn fahrradweglose Hauptverkehrsstraßen zwei oder mehr Fahrbahnen pro Richtung haben, sollen qualifizierte Radspuren auf der vorhandenen Fahrbahn angelegt werden. Dazu gehören eine sicherere Markierung der Radwege(z. B. rote Farbe auf dem Radweg, der die Straße kreuzt) und die fahrbahngleiche Absenkung der Bürgersteige an Ampeln.
2. Beim Ausbau des Radwegenetzes sollte klar unterschieden werden zwischen Wegen für Freizeitradler und Wegen für den Berufsverkehr. Für letztere sind möglichst kurze und saubere Wege wichtiger als die landschaftliche Schönheit.
3. Wo der Platz für Radspuren fehlt, hilft eine Entschleunigung des Autoverkehrs auf 30 km/h. Dann können die Radfahrenden im Verkehrsfluss „mitschwimmen“, ganz ohne eigene Infrastruktur. Wichtig: Die Polizei muss die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen überwachen und durchsetzen, am besten dauerhaft mit automatischen Blitzern.
4. Nebenstraßen in den Ortschaften Wachtbergs für Radverkehr attraktiver machen: Das bedeutet auch, Einbahnstraßen für Fahrräder in beide Richtungen zu öffnen.
5. Flexibilität an der richtigen Stelle bedeutet: Mindestmaße für Radverkehrsanlagen sind wichtig. Sie dürfen aber nicht dazu führen, dass Bäume wegen ein paar Zentimetern zur Disposition stehen.
6. Es kann auch möglich sein, die vorhandenen und erhaltenswerten Bäume zu umfahren und bei Bedarf die Fahrbahn- und Nutzerzuordnungen neu aufzuteilen. Auch sollte es möglich sein, an Engstellen durch eine einschränkende Hinweisbeschilderung punktuell Lösungen zu finden.
7. Vielfach wird die vorhandene und die Fahrbahn hochdrückende Wurzelbildung als Fällungsgrund vorgetragen. Hier gibt es ausreichend technische Möglichkeiten, durch sog. Wurzelbrücken dieses zu vermeiden. Es ist auch in der Regel kein Problem, über eine kurze Strecke die Wegeführung anzuheben und glatt über Wurzelaufwölbungen zu führen.
8. Zur Fahrbahnoberfläche: Es ist kein ökologisches Problem, wenn man wasserdurchlässigen, am besten hellen Asphalt mit einem entsprechenden Drainageunterbau verwendet. Das ist seit Jahren schon Stand der Dinge und führt zu einer sicheren Niederschlagsableitung bis hin in zu wasserführenden Schichten im Boden (Grundwasseranreicherung).
9. Ökologische Ausgleichsmaßnahmen sollten nicht nur den geforderten Mindeststandard abdecken, sondern in einem großzügigeren Maßstab erfolgen.
10. Es sollten bereits bei der Planung die vorgenannten Grundsätze intensiv umgesetzt werden, um sie sodann den beteiligten Gremien vorzulegen. Dabei sind alle Alternativplanungen mit vorzulegen und Natureingriffe mit ihren Ausgleichmaßnahmen minutiös aufzuführen und zu begründen.
Wachtberger Parents für Fahrradwege als aktiven Klimaschutz
Neue Situationen erfordern manchmal auch unkonventionelle und „smarte“ Wege, die sich vielleicht erst in Jahren als wegweisend und vorausschauend erwiesen haben werden. Aber gerade darin liegt die Generationenverantwortung, die nach fester Überzeugung der Parents for Future in den Entscheidungsgremien heute schon durch kluge Planungen erkannt werden muss. Pressemitteilung
Parents for Future, Wachtberg
