Allgemeine Berichte | 31.05.2022

100-jähriges Bestehen der Rudergesellschaft Remagen

Bewegte Geschichte der Ruderer

Ruderalltag ca. 1930 im Hintergrund die Ludendorffbrücke.  Foto: privat

Remagen. „Vier Kriegsjahre liegen hinter uns, vier weitere Jahre voll Kampf und Not, nicht den Frieden brachten sie uns, sondern Umsturz und weiteren Hader“ so schreibt der erste Schriftführer der Rudergesellschaft im März 1922. Treffender lässt sich die Stimmung in Teilen des Bürgertums Anfang der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts nicht darstellen. Der Weltkrieg 1914 – 1918 war verloren, der Kaiser hatte abgedankt und mit der sich herausbildenden Republik mochte man sich nur schwer zu identifizieren. In einem Verein sah man daher eine geeignete Bühne um mit gleichgesinnten Bürgern die bisherigen Ideale weiter zu Pflegen. Da in Remagen, bedingt durch die Rheinlage, schon vor dieser Zeit Wassersport betrieben wurde, lag es nahe, einen Rudersport-Verein zu gründen.

So kam es am 13. April 1922 zur Gründung der Rudergesellschaft Remagen, wobei Fach-Expertise Kölner Rudervereine Pate stand.

Eine erste Bootshalle konnte bereits im Herbst 1922 fertiggestellt werden. Ein erstes vereinseigenes Boot wurde im Juni 1922 beschafft und somit ließ sich der der Ruderbetrieb aufnehmen.

Im August 1923 erfolgte die Aufnahme in den Deutschen Ruderverband.

Es herrschte nationale Aufbruchstimmung, daher wurde 1925 die Jahrtausendfeier der Rheinlande mit großem Programm gefeiert. Erstmalig wird im gleichen Jahr das Damenrudern eingeführt.

Am 21. März 1926 besuchte der Reichspräsident Hindenburg das von der französischen Besatzung „befreite“ Bonn. An diesem großen gesellschaftlichen Ereignis nahm die RGR schon mit 4 Booten teil.

1929 konnte der Neubau des Bootshauses fertiggestellt werden. 1935 wurde ein vereinseigener Tennisplatz auf dem Grundstück der RGR angelegt.

Am 13. Juli 1935 erfolgte der letzte Eintrag im Protokollbuch vor dem 2. Weltkrieg. Während des 2. Weltkrieges wurde auf dem Grundstück der RGR – bedingt durch die unmittelbare Nähe zur Ludendorff-Brücke „Brücke von Remagen“ ein bunkerartiger Unterstand mit Erdabdeckung errichtet. Dieses Bauwerk ist noch vorhanden und bereitet der RGR zunehmend Probleme bei der Unterhaltung.

Der 2. Weltkrieg hatte für die RGR fatale Folgen. Das Bootshaus, einschließlich des Bootsbestands wurde bei den Kämpfen um die Brücke von Remagen fast vollständig zerstört. Neun Ruderkameraden kehrten aus dem Krieg nicht mehr heim.

Erst am 5. April 1948 wurde von der französischen Militärregierung die RGR als sporttreibender Verein wieder zugelassen. Das Bootshaus wurde mit einem Notdach provisorisch hergerichtet.

1949 ließ sich der Ruderbetrieb in bescheidenem Umfang wieder aufnehmen.

1953 konnten unter Nutzung der verbliebenen Grundmauern die Bootshallen – teilweise - ohne das ursprüngliche Obergeschoss wieder aufgebaut werden, sodass ein normaler Ruderbetrieb begann und auch Vereinsregatten mit unterschiedlichen Erfolgen besucht wurden.

1960 konnte wieder ein Damenvierer am Ruderbetrieb teilnehmen.

Neben dem sich positiv entwickelnden Ruderbetrieb begannen die Planungen für einen vollständigen Wiederaufbau des Bootshauses, der sich nach schwieriger Finanzierung und hoher Eigenleistung 1978 abschließen ließ. Nunmehr hatte das Bootshaus wieder einen Gymnastikraum und zeitgemäße Sozialräume, alles in einfacher, aber zweckmäßiger Ausführung. All dies wirkte sich positiv auf den Ruderbetrieb aus.

Der zunehmende Schiffsverkehr und der Rückbau der noch im Rhein verbliebenen Brückenpfeiler zwangen die RGR 1993 den Bootssteg endgültig aus dem Wasser zu nehmen. Fortan erfolgte das Einsetzen der Boote an der ca. 200 m entfernten Nato-Rampe.

Die großen Hochwasser 1993 und 1995 setzten die Bootshallen bis zu 190 cm unter Wasser.

In den letzten Jahren brachten die sommerlichen, lang andauernden niedrigen Wasserstände erhebliche Probleme beim Einsetzen der Boote an der Nato-Rampe mit sich.

Trotz aller Widerwärtigkeiten stellt sich heute die RGR als sportlich aktiver und wirtschaftlich gesunder Verein dar, der auch gesellschaftliche Aufgaben – außerhalb des Sportbetriebs – wie z.B. die Säuberung des Rheinufers im Bereich Bootshaus/Nato-Rampe wahrnimmt; nicht zuletzt auch durch tatkräftige Mithilfe der Mitglieder bei der Bewältigung der Ahr-Flut-Katastrophe in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.

Ruderalltag ca. 1930 im Hintergrund die Ludendorffbrücke. Foto: privat

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