100 wiederentdeckte Schätzchen
„Bilder aus vergangenen Zeiten“
Remagen. Nanu, die Galerie Rosemarie Bassi präsentiert sich in diesen Tagen völlig verändert. Ein enormes Bilderaufkommen mit Exemplaren, oft aus dem 19. Jahrhundert und in den unterschiedlichsten Rahmen fallen ins Auge. Ausnahmsweise zeigt die sonst mit nationaler und internationaler zeitgenössischer Kunst befasste Galeristin „Bilder aus vergangenen Tagen“. Woher der Sinneswandel? Ein Freund trug ihr ein Konvolut geerbter Bilder an. Und nachdem ihr ohnehin wiederholt Menschen alte Gemälde bringen wollten, was sie immer ablehnte, erkannte sie nun die Gelegenheit für die aktuelle Motto-Ausstellung. So rief Rosemarie Bassi dazu auf, Keller und Speicher, Schubladen und Schränken nach verschollenen Schätzen zu durchforsten, auf dass ihnen Wertschätzung bei einem neuen Besitzer zufließe. Bislang war das Vorhaben erfolgreich, das heißt, von starker Resonanz gekrönt. Leute, die noch nie die Galerie betreten haben, darunter solche, die es lange vorhatten, kamen und mit ihnen viele Gemälde und Grafiken, aus denen eine Jury rund 100 auswählte. Dicht an dicht bedecken sie die Wände, zur Freude der Vernissage-Gäste und möglichen Erwerbern. Die Ausstellung soll anregen, „darüber nachzudenken, was unsere Vorfahren erworben und gesammelt haben“. Bassi zitierte Hundertwasser, der sagte: „Wer die Vergangenheit nicht ehrt, verliert die Zukunft. Wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen“. Um dem Nachdruck zu verleihen, gab es Applaus für die verstorbenen Maler der Ausstellung.
Blumen, Landschaften, Portraits
Obgleich Themen und Motive vielfältig sind, findet der Kunstliebhaber unschwer Orientierung. An einer Stelle versammeln sich Blumen, etwa Rosen im Kugelglas, Gladiolen, Feldblumensträuße in Krügen und ein herbstliches Trocken-Arrangement samt Äpfeln und Maiskolben. Die Portraits eines Pfeifenrauchers, eines Kartenspielers und eines russischen Popen kommen sich in einer Vitrine nahe, während eine andere lauter Grafiken zeigt. Solche Bündelungen leiten den Blick. Aber natürlich gibt es keine starre Ordnung.
So darf eine versonnene Schöne am Flusslauf in der Nachbarschaft von Landschaften hängen und das harmonische Konterfei einer Alpenländerin mit fescher Kopfbedeckung sich in eine alpin anmutende Bilderstrecke einreihen. Den größten Raum nehmen wohl die Landschaften ein. Dabei kommen sowohl Ausblicke in stille, vermeintlich unberührte Ausschnitte vor als auch Kulturlandschaften. Wiesen-, Dorf- und Waldidyllen in stets wechselnden Perspektiven, manchmal auch einander ähnelnd oder aus der gleichen empfindsamen Naturliebe gespeist, laden zur Betrachtung ein, ebenso reizvolle Wasserstücke. Mindestens zweimal ist auch die Nürburg im grünen, von Ginster durchsetzten Eifelland festgehalten. Ein Bild kommt von Rudi Inden, das andere ist mit „Neuhäuser“ signiert. Dabei handelt es sich um den sehr produktiven Bonner Landschaftsmaler Georg Neuhäuser (1922-1990), der überwiegend Landschaften aus dem rheinischen Raum und der Eifel schuf und zeitweilig ein Kunstatelier beziehungsweise ein Kunstgeschäft in Oberwinter führte.
HG
